{"id":1075,"date":"2012-02-24T12:18:00","date_gmt":"2012-02-24T10:18:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/schuelerbegegnungsseminar-thueringen\/"},"modified":"2014-07-30T13:52:22","modified_gmt":"2014-07-30T11:52:22","slug":"schuelerbegegnungsseminar-thueringen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2012\/02\/schuelerbegegnungsseminar-thueringen\/","title":{"rendered":"Sch\u00fclerbegegnungsseminar Th\u00fcringen (24.-27.1. 2012)"},"content":{"rendered":"<p>\u00a0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"gruppenfoto am point alpha 2\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2012\/02\/gruppenfoto%20am%20point%20alpha%202.jpg\" height=\"375\" width=\"500\" \/><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Obwohl die DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland beitrat und damit die lang ersehnte Einheit vollzogen wurde, lebt die Teilung mehr als 20 Jahre danach weiter fort. Auf die Frage hin, ob die DDR \u00fcberwiegend gute Seiten besessen habe, ergeben sich laut aktuellen Umfragen unter deutschen Sch\u00fclern signifikante Wahrnehmungsunterschiede: Sch\u00fcler aus den neuen Bundesl\u00e4ndern besitzen ein insgesamt positiveres Bild von der DDR als ihre westdeutschen Altersgenossen.<\/p>\n<p>Um die deutsche Einheit aktiv weiter zu vertiefen, begaben sich daher 11 bayerische Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Graf-Rasso-Gymnasiums auf eine Reise in die entlegene Rh\u00f6n, wo sie mit zusammen mit Sch\u00fclern aus Zeulenroda (Th\u00fcringen) vom 24.-27. Januar 2012 an einem Sch\u00fclerbegegnungsseminar in Geisa teilnahmen. Der Ort war bewusst gew\u00e4hlt: Geisa z\u00e4hlte in DDR-Zeiten zum Sperrgebiet, die in Sichtweite gelegene ehemalige innerdeutsche Grenze bildete den westlichsten Punkt des Warschauer Paktes, hier errichteten die Amerikaner \u201ePoint Alpha&#8220;, ein US-Camp.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"hillmer-vortrag\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2012\/02\/hillmer-vortrag.jpg\" height=\"375\" width=\"500\" \/><\/p>\n<p>Noch am Anreisetag erwartete die Sch\u00fcler ein engagiertes und anspruchsvolles Programm. Uwe Hillmer von der Freien Universit\u00e4t Berlin und dem Forschungsverbund zum SED-Staat vermittelte einen \u00dcberblick zur Geschichte, vor allem aber zur inneren Logik und Funktionsweise der DDR. Hierbei kamen unter anderem Kontinuit\u00e4ten zur Sprache, die sich aus strukturellen \u00c4hnlichkeiten der NS- und SED-Diktatur ergaben. Neben einer anhaltenden Autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigkeit und der klaren Orientierung an der Hitler-Jugend beim Aufbau der FDJ ist vor allem das Ziel einer \u201eErziehungsdiktatur&#8220; zu nennen. Dass der Staat beispielsweise \u00fcber Aktionen mit dem Decknamen \u201eUngeziefer&#8220; auch gewaltsam unliebsame B\u00fcrger aus dem Sperrgebiet entfernte, muss nicht eigens erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"hillmer grundwissen geschichte\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2012\/02\/hillmer%20grundwissen%20geschichte.jpg\" height=\"667\" width=\"500\" \/><\/p>\n<p>In einem zweiten Vortrag besprach die deutsch-deutsche Gruppe Kriterien einer Demokratie und befasste sich vor diesem Hintergrund mit dem seit den 70er Jahren unter Erich Honecker weiter ausgebauten Sicherheitsapparat der DDR. Das Studium von Parteiakten habe gezeigt, dass vielen DDR-B\u00fcrgern die akribischen Bem\u00fchungen der Staatssicherheit (Stasi) sowie die Einflussnahme auf Lebensl\u00e4ufe (wie Karriereangebote) unbekannt geblieben sind. Auch diese Tatsache mag zu einem verf\u00e4lschenden Geschichtsbild beitragen, da an den Familientischen tradiert wird.<\/p>\n<p>Auf Grundlage der beschriebenen Einf\u00fchrung und Wiederholung des historischen Hintergrunds fanden die beiden Sch\u00fclergruppen vor allem gegen Abend Zeit, miteinander ungezwungen ins Gespr\u00e4ch zu kommen. Anfangs dienten unter anderem DDR-Witze dazu, thematische Verbindungen zu kn\u00fcpfen und vorhandene dialektale Unterschiede zu \u00fcberwinden (\u201eEin Trabi- und ein Porschefahrer&#8230;&#8220;; \u201eHonecker und Chruschtschow sind zu Besuch im Wei\u00dfen Haus&#8230;&#8220;) oder zumindest zu thematisieren.<\/p>\n<p>Ein dritter Vortrag der Th\u00fcringer Landesbeauftragten f\u00fcr die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstse, H. Neubert, r\u00e4umte unter anderem mit dem Mythos der Stasi auf, bei der es sich keineswegs um einen Staat im Staate gehandelt habe, da sie der SED unterstand. Die Geheimpolizei wurde in der DDR auch selbst exekutiv wirksam (Stasi-Gef\u00e4ngnisse), ihr Ziel war eine m\u00f6glichst hohe Durchdringung der Bev\u00f6lkerung im Verh\u00e4ltnis von 1:189, f\u00fcr die auch Sch\u00fcler ab 14 Jahren angeworben wurden.<\/p>\n<p>In Form eines Zwiegespr\u00e4chs beleuchteten T. Sello (Robert-Havemann-Gesellschaft) und Zeitzeugin D. Liebermann auf anschauliche Weise Aktionen der DDR-Jugendopposition, vornehmlich der Jungen Gemeinde Jena Mitte 1976, die \u00fcber Unterschriftensammlungen eine Verfolgung provozierten. Teilweise kuriose Einzelaktionen und die Causa Biermann warfen aus einer anderen Perspektive ein Licht auf das repressive DDR-Regime. Den Beschluss des Tages bildete ein Gespr\u00e4ch mit dem B\u00fcrgermeister der Stadt Geisa. In lockerer Atmosph\u00e4re ergab sich die M\u00f6glichkeit, mehr \u00fcber die Entwicklung der einstigen Grenzstadt zu erfahren, zugleich jedoch einen Einblick in die T\u00e4tigkeiten eines B\u00fcrgermeisters zu erhalten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"grenze rekonstruktion\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2012\/02\/grenze%20rekonstruktion.jpg\" height=\"375\" width=\"500\" \/><\/p>\n<p>Eine gelungene Abwechslung stellte die Begehung der ehemaligen Grenze am Donnerstag dar, die von M. Kirsten, dem Sachgebietsleiter der Regionalentwicklung des Wartburgkreises, geleitet wurde. Etwa 40 Jahre lang erm\u00f6glichte der \u201eantifaschistische Schutzwall&#8220;, insbesondere das Gebiet zwischen der Landesgrenze und dem Kolonnenweg, eine nahezu ungest\u00f6rte Entwicklung der Natur. Die Idee, diesen Raum als \u201eGr\u00fcnes Band&#8220; zu erhalten, ist seit 2009 gesetzlich gesichert. Nach einem Mittagessen im ehemaligen US-Camp kl\u00e4rte ein Rundgang die milit\u00e4risch-strategische Bedeutung des \u201ePoint Alpha&#8220; f\u00fcr die hier stationierten US-Amerikaner. Im Falle eines Krieges, hatte man an dieser Stelle mit einem \u00dcberschreiten der Grenze durch die Sowjetarmee gerechnet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"stoi\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2012\/02\/stoi.jpg\" height=\"225\" width=\"300\" \/><\/p>\n<p>Erfrischt widmeten sich die beiden Gruppen nach ihrer R\u00fcckkehr einem Planspiel, das den Blick nun auf die Zukunft Deutschlands richtete. Tats\u00e4chlich ist die Zukunft des vereinten Landes nun zunehmend im europ\u00e4ischen Rahmen zu betrachten. Ziel war es daher, in einige zentrale europ\u00e4ische Institutionen einzuf\u00fchren und entscheidende Prozesse kennenzulernen. Nach der \u00dcbernahme verschiedener Rollen (z.B. EU-Ratspr\u00e4sident, Italien) wurde versucht, einen Konsens am Beispiel energiebezogener Entscheidungen zu finden. Ein gemeinsames Urteil konnte zwar nicht gefunden werden, umso eindr\u00fccklicher empfand man die Schwierigkeit, sich zwischenstaatlich trotz unterschiedlichster Ausgangslagen und Interessen zu einigen.<\/p>\n<p>Auch unter den Sch\u00fclergruppen kam es w\u00e4hrend des Seminars nach anf\u00e4nglich distanziertem Herantasten zu Gespr\u00e4chen und gemeinsamen Aktionen. Es bleibt zu hoffen, dass entstandene Kontakte weiterbestehen, auch wenn es sich zun\u00e4chst lediglich um einen neuen Facebook-Kontakt handelt.<\/p>\n<p>Text und Photos: M. Schulze<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 \u00a0 Obwohl die DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik Deutschland beitrat und damit die lang ersehnte Einheit vollzogen wurde, lebt die Teilung mehr als 20 Jahre danach weiter fort. 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