{"id":130,"date":"2008-07-10T21:55:00","date_gmt":"2008-07-10T19:55:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/ein-jahr-highschool-in-ohio-usa\/"},"modified":"2014-07-26T08:51:03","modified_gmt":"2014-07-26T07:51:03","slug":"ein-jahr-highschool-in-ohio-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2008\/07\/ein-jahr-highschool-in-ohio-usa\/","title":{"rendered":"Ein Jahr Highschool in Ohio, USA"},"content":{"rendered":"<p>Ich wurde oft gefragt, vor allem vor meinem Jahr an einer Highschool in den USA, warum ich das machen will. Warum alles aufgeben, was man hier im sch\u00f6nen Bayern hat und stattdessen ein Jahr in die Vereinigten Staaten gehen, ein Land, in dem jeder ein Bush-Anh\u00e4nger ist, es nur Fast-Food-Restaurants gibt und sich niemand f\u00fcr den Rest der Welt interessiert? Als Antworten gab ich meistens, dass ich etwas \u201eNeues&#8220; sehen oder dass ich \u201eaus dem normalen Trott&#8220; heraus wollte. Aber wirklich befriedigt haben diese Antworten niemand, auch mich nicht. Trotzdem war ich fest entschlossen mich auf dieses Abenteuer einzulassen.<\/p>\n<p>Gezweifelt&nbsp; habe ich an meinem Plan nur, als ich mehrere Formulare, jedes mit knapp zehn Seiten, ausf\u00fcllen musste, um das Visum f\u00fcr die Staaten zu bekommen. Der n\u00e4chste Schritt in Richtung USA war die Entscheidung f\u00fcr eines der zwei bekannten Austauschsysteme. Entweder kann man ein Jahr in einer Familie leben, irgendwo in den USA, und dann an die \u00f6rtliche Highschool gehen. Das andere System ist, sich direkt an einem privaten Internat zu bewerben und dann eben dort zur Schule zu gehen. Ich entschied mich f\u00fcr ein Internat, da ich erstens gerne mitbestimmen wollte, wo ich hinkomme. Zweitens bieten die privaten Schulen, anders als manchmal in Deutschland, die viel bessere Schulbildung. Beworben habe ich mich an mehreren Schulen an der Ostk\u00fcste, meine Wahl fiel dann auf die Western Reserve Academy im Bundesstaat Ohio, s\u00fcdlich von Cleveland.<\/p>\n<h3><span style=\"font-size: medium;\">Vier Wochen Sommerferien bis zum Schuljahrstart in den USA&nbsp;<\/span><\/h3>\n<p>Mein Schuljahr begann Anfang September, also ein bisschen fr\u00fcher als in Bayern. Am Anfang war alles nat\u00fcrlich sehr neu, man kannte keinen, und Schule auf Englisch war auch nicht unbedingt einfach&#8230; Ich erinnere mich noch gut an meine erste Chemiestunde auf, in der wir beschreiben sollten, was alles beim Abbrennen einer Kerze passiert. Was sich ziemlich einfach anh\u00f6rt, ist auf Englisch allerdings ziemlich schwer, vor allem fallen einem im entscheidenden Moment nat\u00fcrlich nie die richtigen W\u00f6rter ein.<\/p>\n<h3><span style=\"font-size: medium;\">Sport als Eintrittskarte in teure Colleges <\/span><\/h3>\n<p>Die Amerikaner allgemein sind extrem sportverr\u00fcckt. Das merkt man zum einen daran, dass es ungef\u00e4hr zehn Fernsehsender gibt wo man 24\/7 (sprich: 24 Stunden alle sieben Tage der Woche) Sport anschauen kann. Und es reicht den Amerikanern auch nicht, f\u00fcr jeden Sport, vor allem nat\u00fcrlich Football und Basketball, eine Liga zu haben, die jeder anschaut. Die Amerikaner haben zwei. Es gibt einmal die Profi-Liga, vergleichbar mit der deutschen Fu\u00dfball-Bundesliga, aber nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr Fu\u00dfball. Und dann gibt es noch die College Liga, bei der die jeweils besten College-Teams gegeneinander spielen. Diese Teams sind mit Amateurteams vergleichbar, die auf einem sehr hohen Level spielen. Die gesamte Highschool dient eigentlich auch nur dazu, in ein gutes College zu kommen. Und dabei kann der Sport durchaus helfen. Anders als in Deutschland, wo Sport zwar viel Spa\u00df, aber wenig Nutzen bringt, sichern sich viele schulisch weniger Begabte, aber sportlich starke Sch\u00fcler Stipendien f\u00fcr gro\u00dfe Colleges in den Vereinigten Staaten. Ohne diese Stipendien k\u00f6nnten sie sich oft die extrem hohen Collegegeb\u00fchren nicht leisten.<\/p>\n<p>Dass der Sport in den USA eine sehr gro\u00dfe Rolle spielt, sieht man auch an meiner Schule.&nbsp; Unter der Woche haben wir jeden Tag Training, am Wochenende Spiele. Der Sport ist aufgeteilt in drei Seasons, Herbst, Winter und Fr\u00fchling mit jeweils wechselnden Sportangeboten. Die Anlagen waren fantastisch, mehrere Hallen, jede Schule hatte ihr eigenes Leichathletik und bzw. oder Footballstadion. Auch sozial hat der Sport eine gro\u00dfe Bedeutung: Diejenigen, die gut im Sport sind, sind auch bei allen angesehen, viel mehr noch als die, die gut in der Schule sind. Bei uns sind dies vor allem Football- und Lacrosse-Spieler. \u00dcberhaupt ist das in Deutschland weitgehend unbekannte Lacrosse die wichtigste Sportart bei uns in \u201eReserve&#8220;. Viele Kanadier, die mit hohen Stipendien unterst\u00fctzt werden, kommen extra zum Lacrosse spielen dorthin.<\/p>\n<h3><span style=\"font-size: medium;\">Abschreiben, wenn der Lehrer nicht hinschaut : Undenkbar! <\/span>&nbsp;<\/h3>\n<p>Etwas anderes, das mir und den sieben anderen Deutschen an der Schule sofort auffiel, ist das Verhalten der Lehrer, vor allem bei Tests. Die Lehrer haben kein Problem damit, eine Klasse w\u00e4hrend einer Schulaufgabe allein zu lassen. Was in Deutschland undenkbar w\u00e4re, ist dort allgemein \u00fcblich. Das Erstaunliche aber ist, dass kein Sch\u00fcler versucht, dies auszunutzen. Niemand w\u00fcrde es wagen, auch nur einen Blick auf das Blatt des Nachbarn zu werfen. Es kommt sogar durchaus vor, dass andere Sch\u00fcler von ihren Mitsch\u00fclern verpetzt werden, weil sie abgeschrieben haben&#8230;<\/p>\n<p>Auch die Tatsache, dass die Lehrer alle fu\u00dfl\u00e4ufig wohnen und einem st\u00e4ndig Hilfe angeboten wird, ist in Deutschland undenkbar. Als ich Mitte des Jahres in Mathe kleine Probleme hatte, da die Amerikaner \u00fcber tieferes Wissen auf dem Gebiet verf\u00fcgen, bot mir der Lehrer an am Abend zu ihm zu kommen,&nbsp; um es zusammen zu lernen. Diese Erfahrung war v\u00f6llig neu f\u00fcr mich, doch es war gut zu wissen, dass der Lehrer daran interessiert ist, dass der Sch\u00fcler gute Noten schreibt.<\/p>\n<h3><span style=\"font-size: medium;\">Das Ma\u00df aller Dinge: The American Way&nbsp;<\/span><\/h3>\n<p>Etwas, das wirklich nervt, wenn man in den USA lebt, ist, dass sie alles auf ihre Art machen m\u00fcssen. Vor allem jegliche L\u00e4ngenma\u00dfe und Temperaturangaben. Ich wei\u00df auch, dass Fahrenheit ein Deutscher war, aber wo bleibt der Sinn dahinter, dass der Nullpunkt seiner Temperaturskala die niedrigste Temperatur ist, die an einem kalten Wintertag eines bestimmten Jahres in Danzig gemessen wurde?&nbsp; Und auch die L\u00e4ngenma\u00dfe sind eine Sache f\u00fcr sich. Warum sind zw\u00f6lf \u201einch&#8220; gerade ein \u201efoot&#8220;? Und warum wieder gerade drei \u201efoot&#8220; ein \u201eyard&#8220;? Nur gut, dass wenigstens die amerikanischen Naturwissenschaftler diese Umst\u00e4ndlichkeit schon aufgegeben haben und das metrische System benutzen&#8230; Denn auch jeder andere Amerikaner, den man fragt, sagt einem, dass es im Grunde vollkommen unsinnig ist.<\/p>\n<p>Und auch nicht jeder Amerikaner ist ein Bush-Anh\u00e4nger. Ich wei\u00df nicht, wie oft ich geh\u00f6rt habe, wie unbeliebt Bush ist und dass nur jeder ihn abgew\u00e4hlt haben will. Und auch andere Vorurteile haben sich nicht unbedingt bewahrheitet, so waren zum Beispiel schon sehr viele Sch\u00fcler meiner Schule in Deutschland oder konnten mir von Reisen in Europa berichten.<\/p>\n<p>Insgesamt kann ich jedem nur mit Nachdruck empfehlen ein Auslandsjahr zu machen. Dabei spielt es keine gro\u00dfe Rolle, ob man in die Staaten geht, ob einem England besser gef\u00e4llt, oder ob man ein anderes Land der Erde bevorzugt. Auswahl gibt es ja genug und bereuen werdet ihr es sicher nicht!<\/p>\n<p>Text: Benedikt v. Bary am 24.06.08<\/p>\n<p>Red. D. Zink<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich wurde oft gefragt, vor allem vor meinem Jahr an einer Highschool in den USA, warum ich das machen will. 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