{"id":131,"date":"2009-07-11T10:11:00","date_gmt":"2009-07-11T08:11:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/brief-aus-der-chinesischen-gegenwart\/"},"modified":"2014-08-02T09:19:22","modified_gmt":"2014-08-02T07:19:22","slug":"brief-aus-der-chinesischen-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2009\/07\/brief-aus-der-chinesischen-gegenwart\/","title":{"rendered":"Brief aus der chinesischen Gegenwart"},"content":{"rendered":"<p><em>An Informationen und Meinungen zu China herrscht derzeit kein Mangel. Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten ist China heute nicht mehr ganz so r\u00e4tselhaft und unbekannt. \u00dcber eigene Erfahrungen, die \u00fcber eher touristische Beobachtungen hinausgehen, verf\u00fcgen aber doch nur vergleichsweise wenige mitteleurop\u00e4ische Zeitgenossen. Matthias Veicht und Tobias Bodor, GRG-Sch\u00fcler der 11. Jahrgangsstufe, k\u00f6nnen dagegen mitreden, wenn es um China geht, das beweist ihr ausf\u00fchrlicher Bericht, den wir hier ver\u00f6ffentlichen.\u00a0<\/em><\/p>\n<h3><strong>Auslandsaufenthalt in China &#8211;\u00a0 Vier Monate in einem fremden Land<\/strong><\/h3>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<p style=\"text-align: right;\">Tianjin, 22. Juni 2009<\/p>\n<p>China ist f\u00fcr die meisten von euch sicherlich nur eines, n\u00e4mlich sehr weit weg. F\u00fcr uns jedoch r\u00fcckte diese fremde Kultur in be\u00e4ngstigende N\u00e4he, als wir uns entschlossen, hier vier Monate zur Schule zu gehen und zu leben. 1,3 Milliarden Menschen &#8211; seit Ende M\u00e4rz sogar noch zwei mehr &#8211; machen dieses Land zum bev\u00f6lkerungsreichsten der Erde und Chinesisch zur meistgesprochenen Sprache der Welt. Unser Ziel war Tianjin, die mit 10,5 Millionen Bev\u00f6lkerung viertgr\u00f6\u00dfte Stadt Chinas. \u00dcber den Haihe-Fluss mit dem Meer verbunden, gilt unsere neue Heimat als der wichtigste Hafen an der Ostk\u00fcste. Einer der besten und renommiertesten Schulen im gesamten Land ist die Nankai-Highschool, gelegen direkt im Zentrum der Altstadt Tianjins. Frau Ma, Lehrerin an dieser Schule, verbrachte das Schuljahr 07\/08 in Deutschland und unterrichtete am GRG Chinesisch. Durch sie erhielten wir die M\u00f6glichkeit, unseren Plan China kennen zu lernen, hier zu verwirklichen.<\/p>\n<p>Generell gliedert sich die Schule in zwei Teile, einen n\u00f6rdlichen und einen s\u00fcdlichen. \u00dcber eine Fu\u00dfg\u00e4ngerbr\u00fccke, die \u00fcber eine Stra\u00dfe f\u00fchrt, gelangt man vom einen in den anderen. Im Norden findet der regul\u00e4re Unterricht der chinesischen Sch\u00fcler statt. In den sechs Jahrgangsstufen von 7-12 befinden sich 5000 Sch\u00fcler, die sich pro Stufe auf bis zu 15 parallele Klassen aufteilen. Im S\u00fcden lernen die internationalen Sch\u00fcler Chinesisch; au\u00dfer uns sind alle aus Korea. Dort befinden sich, von allen genutzt, auch das Schwimmbad sowie Sporthalle und -platz.<\/p>\n<p><strong>Chinesischer Schulalltag\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Vor Unterrichtsbeginn um 7:55 treffen wir oft auf Frau Ma, die Direktorin des Internationalen Teils. Ebenfalls oft zu beobachten sind unsere koreanischen Mitsch\u00fcler, die am Morgen vor den gro\u00dfen Spiegeln im Eingangsbereich noch einmal ihr Aussehen \u00fcberpr\u00fcfen. Freundlicherweise wurde uns f\u00fcr die gesamte Zeit ein Privatlehrer zugeteilt, mit dem wir jeden Vormittag intensiv Chinesisch lernen. Herr Song hat gerade sein Chinesisch-Studium an der Universit\u00e4t abgeschlossen und ist stolz darauf, Lehrer an einer so bekannten Schule zu sein. Unser Schultag beginnt jeden Tag mit einem Diktat, bei dem wir 45 Minuten lang chinesische Zeichen abgefragt werden. Bereits mehrmals wiederholte Zeichen geh\u00f6ren ebenso dazu, wie die zehn bis zwanzig neu gelernten vom Vortag. Weiter geht&#8217;s mit dem Aufsagen der aktuellen Lektionstexte. Gegen Schuljahresende erwartet uns eine Abschlusspr\u00fcfung, die unter anderem alle 800 Zeichen umfasst, die wir bisher schreiben k\u00f6nnen. Obwohl es manchmal sehr anstrengend sein kann, finden wir es doch immer wieder interessant, wie bestimmte chinesische Zeichen entstanden und zu ihrer heutigen Bedeutung gekommen sind. Antike Inschriften auf Schildkr\u00f6tenpanzern weisen bereits \u00c4hnlichkeiten mit der jetzigen Schreibweise auf.<\/p>\n<p>Genauso wie die Chinesen haben wir zwischen jeder Stunde (45 Minuten) eine 10-min\u00fctige Pause. Um 9:35 Uhr dann beginnt eine 40 Minuten lange Pause, in der alle Sch\u00fcler zu sportlicher Bet\u00e4tigung verpflichtet sind. Die Jahrgangsstufen 7 bis 9 d\u00fcrfen sich beim Laufen durchs Schulgel\u00e4nde vergn\u00fcgen, in den Jahrg\u00e4ngen danach steht Gymnastik auf dem Programm. Daf\u00fcr treffen sich alle ab der zehnten Klasse auf dem Sportplatz und machen die \u00dcbungen nach, die von einer Mitsch\u00fclerin perfekt vorgeturnt werden. Den Anblick finden wir besonders deswegen beeindruckend, weil alle so penibel in Reih und Glied aufgestellt sind. Die lila Schuluniform, die gleichzeitig als Sportkleidung dient, verst\u00e4rkt die imposante Wirkung noch mehr. W\u00e4hrend an kalten Tagen eine dickere lila Jogginghose getragen wird, kommt in der w\u00e4rmeren Zeit eine wei\u00dfe, leichte Hose zu Verwendung.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter in der Pause, nach dem gemeinsamen Sport, schlie\u00dfen wir uns einer Tai-Chi Gruppe an, die meistens aus drei Lehrern besteht. Anf\u00fchrer und Mentor ist der Sportlehrer der internationalen Sch\u00fcler. Tai-Chi ist eine aus der chinesischen Selbstverteidigung hervorgegangene Abfolge von meditativen \u00dcbungen, um K\u00f6rper und Geist in Einklang zu bringen. Nicht nur bei uns in der Schule, sondern auch in Parks oder auf der Stra\u00dfe, sieht man in den Morgenstunden viele Menschen, die diesen Volkssport praktizieren.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend folgen zwei weitere Unterrichtsstunden, bis es schlie\u00dflich um zw\u00f6lf Uhr zur Mittagspause l\u00e4utet. Der Gong besteht nicht wie bei uns aus drei T\u00f6nen, sondern aus einer einmin\u00fctigen klassischen Melodie. Jedes Geb\u00e4ude auf dem Schulgel\u00e4nde gebraucht ein eigenes Musikst\u00fcck, unter anderem kommt \u201eEine kleine Nachtmusik&#8220; von Mozart zur Verwendung. Anscheinend kann man sich nicht f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit auf ein spezifisches St\u00fcck einigen, sondern meint, immer mal wieder wechseln zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In der Mittagspause dann gibt es viele verschiedene M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Sch\u00fcler, sich etwas zu Essen zu besorgen. Zur Auswahl stehen chinesische und westliche Fastfood-Restaurants und das Angebot vieler verschiedener Verk\u00e4ufer, die sich mit ihren St\u00e4nden zur Mittagszeit neben der Schule einfinden. Aufdringlich versuchen diese, ihre Waren mit lauter Stimme an den Mann bzw. die Sch\u00fclermassen zu bringen. M\u00f6chte man das Schulgel\u00e4nde nicht verlassen, kann man eine der zwei Kantinen aufsuchen. Dort benutzt man praktische Karten, mit denen, einmal aufgeladen, schnell und reibungslos bezahlt werden kann. Obwohl die Pause 1\u00be Stunden dauert, geht der Gro\u00dfteil der Sch\u00fcler nicht nach Hause, sondern h\u00e4lt sich im Umkreis der Schule auf, um schnellstm\u00f6glich wieder im Klassenzimmer lernen zu k\u00f6nnen. Der t\u00e4gliche Nachmittagsunterricht endet fr\u00fchestens um 15:30 und kann auch bis 17:15 dauern.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen kann man den Unterricht als Monolog des Lehrers bezeichnen. Es kommt eigentlich nie vor, dass sich ein Sch\u00fcler freiwillig meldet, denn Fehler zu machen ist in der chinesischen Kultur besonders schlimm. Wenn sie also nicht gerade zum Reden gezwungen werden, lauschen alle 50 Sch\u00fcler (so viele sind es mindestens) nur still oder schlafen. Offiziell gibt der Lehrer keine Hausaufgaben auf, sondern jeder muss selbst wissen, wie er dem Stoff am Besten folgen kann. Die hohe Selbstverantwortlichkeit und Disziplin der Sch\u00fcler zeigt sich auch beim obligatorischen Selbststudium jeden Morgen ab 7:30 Uhr vor dem eigentlichen Unterricht. Wer m\u00f6chte, kann sich bereits um sieben Uhr im Klassenzimmer einfinden, um sich still auf den Unterricht vorzubereiten.<\/p>\n<p>Jedem Lehrer wurde von der Schule ein Laptop zur Verf\u00fcgung gestellt, so dass die sich in allen Unterrichtsr\u00e4umen befindlichen Beamer h\u00e4ufig genutzt werden. Zur Ausstattung geh\u00f6ren au\u00dferdem zwei Tafeln, von denen eine zum Unterrichten genutzt wird. Die andere Tafel, die sich an der R\u00fcckwand des Zimmers befindet, gestaltet jede Klasse aufw\u00e4ndig und farbenpr\u00e4chtig. Zum Ungl\u00fcck aller Sch\u00fcler mit Atemproblemen wird die Tafel nicht mit einem nassen Schwamm, sondern mit einem trockenen Lappen gewischt. Entsprechend staubige Luft ist das Resultat.<\/p>\n<p>Ebenfalls unangenehm aufgefallen ist uns das Abstellen der Heizung in ganz Nordchina durch die Regierung am 1. M\u00e4rz, was zu einer eisigen K\u00e4lte im Schulgeb\u00e4ude f\u00fchrte. Als es Ende April endlich w\u00e4rmer wurde, konnte man gl\u00fccklicherweise dem Unterricht folgen, ohne mehrere Pullover plus Jacke \u00fcbereinander tragen zu m\u00fcssen. Mittlerweile jedoch ist das Quecksilber schon bis auf 38\u00b0C geklettert, und so reichen nicht einmal mehr die Deckenventilatoren aus, um die Zimmer abzuk\u00fchlen.<\/p>\n<p><strong>Besuch aus Bayern\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>In der dritten Woche unseres Aufenthalts kam, zu unserer Freude, eine Delegation aus dem Bayerischen Kultusministerium, darunter auch unsere Schulleiterin Frau H\u00fcbler, an die Nankai-Highschool. Die Absicht ihres Besuches war es, die Beziehungen zwischen deutschen und chinesischen Schulen zu festigen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen lernten wir Frau Meuss kennen, die seit vier Jahren hier an der Schule Deutsch unterrichtet. Nett war es, sogleich in ihre Stunde eingeladen zu werden. Anders als im regul\u00e4ren Unterricht findet dort ein wirkliches Unterrichtsgespr\u00e4ch statt; die Lehrerin versteht es, die Sch\u00fcler zu motivieren und dadurch zum Reden zu bringen. Obwohl die Klasse, die wir besucht haben, erst seit wenigen Monaten Deutsch lernt, k\u00f6nnen die Sch\u00fcler schon eigenst\u00e4ndig S\u00e4tze bilden, um beispielsweise Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisse zu beschreiben.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich anspruchsvoll ging es auch bei uns zur Sache, als wir im Mai ein antikes chinesisches Gedicht kennen lernten. Von allen ausl\u00e4ndischen Sch\u00fclern wurde n\u00e4mlich verlangt, f\u00fcr die Abschlussfeier der Schulabg\u00e4nger des Internationalen Teils einen Programmpunkt vorzubereiten. Wir verbrachten einige Wochen lang jeden Tag eine Stunde damit, das Gedicht Zeile f\u00fcr Zeile zu besprechen und dann zu lernen, wie man es richtig vortr\u00e4gt. Das Publikum war begeistert, denn \u201eMing Yue Ji Shi You&#8220; ist eines der ber\u00fchmtesten Werke der chinesischen Literatur und den letzten Satz daraus kann jeder Chinese auswendig. Er besagt, dass Menschen, die durch weite Entfernungen getrennt sind, nicht bedr\u00fcckt sein sollen, da sie denselben Mond betrachten k\u00f6nnen und deswegen miteinander verbunden sind.<\/p>\n<p><strong>Chinesische K\u00fcche und Esskultur\u00a0 <\/strong><\/p>\n<p>Das Leben besteht jedoch nicht nur aus Schule und deswegen geht&#8217;s jetzt mit dem weiter, was wir im Alltag erlebt haben. Einer der gr\u00f6\u00dften Unterschiede zur westlichen Welt besteht, wie allgemein bekannt, in den Essgewohnheiten. Drei warme Mahlzeiten am Tag sind f\u00fcr einen Chinesen das H\u00f6chste und alles Kalte gilt als schlecht f\u00fcr den Magen. Das Abendessen als einzige selbst zubereitete Mahlzeit spielt die wichtigste Rolle, weil es viele Familien nur zu dieser Tageszeit schaffen, den Alltagsstress auszublenden und sich zu unterhalten. Ob in den eigenen vier W\u00e4nden oder im Restaurant, niemand hat ein Gericht f\u00fcr sich alleine, sondern man teilt alles und nimmt sich von den Tellern aus der Tischmitte, wozu man gerade Lust hat. Steht das Essen, wie so oft in den Restaurants hier, auf drehbaren Glasscheiben, achten die Gastgeber stets darauf, dass die Eingeladenen bequem ihr Wunschgericht erreichen k\u00f6nnen. Erst danach bedienen sie sich selbst. Von vergleichsweise normalen Dingen wie Peking-Ente und Baozi &#8211;\u00a0 das sind mit Fleisch gef\u00fcllte Hefekl\u00f6\u00dfe &#8211; bis hin zu Schnecken, Entenzungen und H\u00fchnerf\u00fc\u00dfen kann man alles finden. Grunds\u00e4tzlich sind die Augen gr\u00f6\u00dfer als der Magen, so dass letztendlich noch genug f\u00fcr den folgenden Tag \u00fcbrig bleibt; penibel wird alles verpackt und mitgenommen. Trieft zu Hause aus den Styroporpackungen noch das \u00d6l, ist das ein Zeichen daf\u00fcr, dass wieder mal alles ziemlich ungesund war. Gerichte, die aus puren Fettst\u00fccken bestehen und f\u00fcr sch\u00f6ne Haut sorgen sollen, sprechen wohl f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p>Extrem gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig sind auch die hiesigen \u201eTischmanieren&#8220;, denn es gibt nichts, wof\u00fcr man sich sch\u00e4men m\u00fcsste. Die Chinesen essen grunds\u00e4tzlich r\u00fcckhaltlos, schaufeln mit ihren St\u00e4bchen alles nur so in sich hinein, und schmatzen und schl\u00fcrfen dabei befriedigt. Abgenagte Knochen und sonstige Abf\u00e4lle werden, zu unserem Missfallen, statt auf den Tellern auf dem Tisch gestapelt.<\/p>\n<p>Generell \u201eerfrischt&#8220; man sich mit Leitungswasser, das man, einmal abgekocht, hei\u00df genie\u00dft. Neben Tee, der entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht st\u00e4ndig zu Hause, sondern meistens nur im Restaurant serviert wird, steht auch die gesamte Auswahl westlicher Softdrinks zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><strong>Stra\u00dfenverkehr: gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Allerdings geht&#8217;s nicht nur beim Essen chaotisch zu, sondern auch auf der Stra\u00dfe. Das f\u00e4ngt schon bei der unertr\u00e4glichen Lautst\u00e4rke an; es kommt uns so vor, als sei Hupen die Lieblingsbesch\u00e4ftigung aller Autofahrer. Bei jeder Kleinigkeit wird schon kr\u00e4ftig L\u00e4rm gemacht, eine Notwendigkeit besteht jedoch so gut wie nie. Taxis, die die H\u00e4lfte aller Autos ausmachen, tragen auch einen betr\u00e4chtlichen Teil zur Ger\u00e4uschkulisse bei; f\u00e4llt der Blick eines Taxifahrers n\u00e4mlich auf eine Person am Stra\u00dfenrand, geht es auch schon wieder los mit dem Gehupe; an den potentiellen Fahrgast wird dann bis auf einen halben Meter Entfernung herangefahren. Viel \u00fcberlegen muss man nicht, wenn man einsteigt; bei einem Grundpreis von umgerechnet 80 Cent kann man sich getrost auch mal fahren lassen und faul sein. \u00dcberschritten haben wir diesen Betrag selten, auch nicht bei etwas weiteren Strecken.<\/p>\n<p>Es geht allerdings noch billiger: F\u00fcr rund 20 Cent kann man soweit mit dem Bus fahren, wie man m\u00f6chte, muss daf\u00fcr aber mehr oder weniger lange Wartezeiten in Kauf nehmen &#8211; einen festen Fahrplan gibt es n\u00e4mlich nicht. Die gef\u00e4hrlichste Variante der Fortbewegung ist es, zu Fu\u00df zu gehen. \u00dcberquert man hier eine Stra\u00dfe bei gr\u00fcner Fu\u00dfg\u00e4ngerampel, hei\u00dft das noch lange nicht, dass man sich sicher f\u00fchlen kann. F\u00fcr einen Autofahrer ist Rot n\u00e4mlich meist kein Grund, anzuhalten. Eine kleine Hilfestellung beim \u00dcberleben im Verkehrschaos bieten die Anzeigen der Ampeln, denen abgelesen werden kann, wie lange es noch bis zum Umschalten dauert. Ebenfalls positiv aufgefallen ist uns die gesetzlich verpflichtende Umstellung von Rollern mit Verbrennungsmotor auf solche mit Elektroantrieb. Das kommt vor allem der Umwelt zugute.<\/p>\n<p>Im Zuge der Vorbereitungen f\u00fcr die Olympischen Spiele 2008 wurden noch weitere Umwelt sch\u00fctzende Ma\u00dfnahmen ergriffen; viele St\u00e4dte wurden modernisiert und in Tianjin beispielsweise wurde der Bau einer U-Bahn eingeleitet. Mittlerweile sind zwei Linien fertig gestellt, neue sollen noch hinzu kommen. \u00c4hnlich wie in der Schule wurde in Bus und U-Bahn die bargeldlose Bezahlung mit einer speziellen Karte erm\u00f6glicht. Das gr\u00f6\u00dfte Projekt Tianjin betreffend war der Neubau einer Zugstrecke, auf der Hochgeschwindigkeitsz\u00fcge in nur 30 Minuten das 100 Kilometer entfernte Peking erreichen k\u00f6nnen. Auf der Trasse verkehren ICEs deutschen Fabrikats.<\/p>\n<p><strong>Wahrnehmung und Vorurteile <\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend und vor den Olympischen Spielen wurde die Bev\u00f6lkerung dazu angehalten, sich in der \u00d6ffentlichkeit angemessen zu verhalten. Der Effekt dieser Vorschrift ist inzwischen jedoch l\u00e4ngst verflogen; geht man heute durch die Stra\u00dfen, sind Menschen, die auf den Boden spucken und dabei widerliche Laute von sich geben, keine Seltenheit. Oft haben wir auch die Erfahrung gemacht, dass Leute mit dem Finger auf uns zeigen und \u201eWai Guo Ren&#8220; (Chinesisch f\u00fcr Ausl\u00e4nder) sagen. An Ausl\u00e4nder ist man hier n\u00e4mlich nicht gewohnt, denn Tianjin ist alles andere als eine Touristenhochburg. Dementsprechend g\u00fcnstig ist das Leben hier. Wenn wir zu zweit Essen gehen, betr\u00e4gt die Rechnung selten mehr als 40 Yuan. (10 Yuan entsprechen circa 1 \u20ac).<\/p>\n<p>Es sind zwar keine Touristen hier, aber trotzdem stechen einem die vielen Fastfood-Filialen ins Auge &#8211; KFC und Mc Donalds sind auch hier sehr weit verbreitet. Beim \u201egoldenen M&#8220; wurde alles bis auf Big Mac und Pommes an chinesische Gewohnheiten angepasst. So ist das Essen zum Beispiel meistens sehr scharf; und Cola mit Vanilleeis gibt es wohl auch nur hier. \u00dcberhaupt stimmen die meisten Dinge, die in China als typisch westlich gelten, nicht mit unseren europ\u00e4ischen Vorstellungen \u00fcberein. Umgekehrt ist es \u00e4hnlich, das s\u00fc\u00df-saure Einerlei, das man \u201ebeim Chinesen&#8220; in Deutschland findet, wird man hier vergebens suchen.<\/p>\n<p>Zum Schluss m\u00f6chten wir uns noch bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben, diese unvergessliche Erfahrung m\u00f6glich zu machen. Wir hoffen, dass der Besuch der deutschen Delegation hier Fr\u00fcchte tr\u00e4gt und die Partnerschaft zwischen Schulen in China und Deutschland, allen voran zwischen der Nankai-Highschool und unserem GRG, weiter ausgebaut werden kann. Wir werden unseren Auslandsaufenthalt sicher nicht bereuen und freuen uns, wenn wir euch f\u00fcr dieses unbekannte, aber gerade deswegen so interessante, Land begeistern konnten. Schaut doch n\u00e4chstes Schuljahr einfach mal beim Chinesischkurs an unserer Schule vorbei!<\/p>\n<p>Die besten Gr\u00fc\u00dfe aus dem Reich der Mitte w\u00fcnschen Eure \u201eChinesen&#8220; Tobias und Matthias!<\/p>\n<p>(Red. D. Zink)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An Informationen und Meinungen zu China herrscht derzeit kein Mangel. Anders als noch vor wenigen Jahrzehnten ist China heute nicht mehr ganz so r\u00e4tselhaft und unbekannt. \u00dcber eigene Erfahrungen, die \u00fcber eher touristische Beobachtungen hinausgehen, verf\u00fcgen aber doch nur vergleichsweise wenige mitteleurop\u00e4ische Zeitgenossen. Matthias Veicht und Tobias Bodor, GRG-Sch\u00fcler der 11. 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