{"id":181,"date":"2005-08-09T10:08:00","date_gmt":"2005-08-09T08:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/abiturrede-2005\/"},"modified":"2014-07-26T08:45:44","modified_gmt":"2014-07-26T07:45:44","slug":"abiturrede-2005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2005\/08\/abiturrede-2005\/","title":{"rendered":"Abiturrede 2005"},"content":{"rendered":"<p>\u201eAbikalypse \u2013 das Ende aller Plage\u201c. Vielleicht nicht wirklich aller, aber uns frisch gebackenen Abiturienten kommt es nat\u00fcrlich so vor. Ob uns wirklich eine sch\u00f6ne neue Welt erwartet, muss sich erst noch herausstellen.<\/p>\n<p>\u201eAbikalypse \u2013 das Ende ist nah\u201c haben wir vor ein paar Monaten gefeiert. Aber ist es wirklich ein Ende? Nicht vielleicht eher ein Neuanfang?<br \/> \u201eAbikalypse \u2013 der Anfang vom Ende\u201c. Als dieser Ausspruch vor zwei Jahren entstand, konnten wir uns nicht im entferntesten vorstellen, wie dieses Ende aussehen w\u00fcrde.<br \/> \u201eAbikalypse \u2013 nach uns der Neubau\u201c. Nun stehen wir also da mit der endg\u00fcltigen Fassung des Mottos \u2013 und mit unserem Abitur in der Tasche. Geschafft haben wir es alle und auch die vielen verschiedenen Aktionen, die von der Tradition in Verbindung mit dem Abitur gefordert werden, haben wir hinter uns gebracht: Abifahrt, Abizeitung, Abistreich und eben auch die Wahl unseres Abimottos. Warum wir uns f\u00fcr den letzten der Untertitel entschieden haben, obwohl der Neubau vorerst gar nicht verwirklicht wird, wurden wir in letzter Zeit immer wieder gefragt \u2013 zwischenzeitlich haben wir sogar selbst mit dem Gedanken gespielt ein Fragezeichen hinter den Neubau zu setzen. Das fanden wir jedoch nicht notwendig, denn zum einen hei\u00dft \u201enach uns\u201c nur irgendwann nach uns, egal ob in f\u00fcnf oder f\u00fcnfzig Jahren, zum anderen dr\u00fcckt der Satz noch viel mehr aus, als nur das \u201enach uns\u201c in seiner w\u00f6rtlichen Bedeutung.<\/p>\n<p>\u201eNach uns der Neubau\u201c \u2013 wir haben unser Abi. Ob ein Neubau kommt oder nicht, uns betrifft es nicht mehr.<br \/> \u201eNach uns der Neubau\u201c \u2013 wir sind weg. Wir werden weder den Baul\u00e4rm von  Renovierungsarbeiten noch die Nachteile eines neuen Standortes erleben.<br \/> \u201eNach uns der Neubau\u201c \u2013 uns kanns egal sein. \u201eZum Gl\u00fcck\u201c muss man fast  sagen, wenn man sich den Verlauf der bisherigen Diskussion anschaut. Da  k\u00f6nnte man fast Mitleid haben mit denen, die es noch zu interessieren  hat, aber f\u00fcr Mitleid ist am heutigen Tag keine Zeit und zudem haben  auch wir jahrelang den grotesken Charme erlebt, den diese ansonsten eher  bedauernswerte Situation in sich tr\u00e4gt. Hier und da br\u00f6ckelte immer  wieder mal das eine oder andere St\u00fcck Farbe oder Putz von den W\u00e4nden,  wenn man etwas zu fest dagegenstie\u00df, doch ein schlechtes Gewissen hatte  deswegen wohl keiner von uns: \u201eNach uns der Neubau\u201c \u2013 dieses Schulhaus  m\u00fcssen wir nicht mehr schonen.<\/p>\n<p>Nur leider schien sich das Klima  der Schule ein Beispiel an ihrem baulichen Zustand zu nehmen und begann  ebenfalls vor sich hin zu br\u00f6ckeln. Vielleicht liegt es daran, dass man  in der Unterstufe viele Dinge noch nicht so gut mitkriegt und stets  versucht ist, seine eigene Schule als die beste anzusehen, aber  zumindest ging aus unserer Sicht das Stimmungshoch der 50-Jahr-Feier  allzu schnell vor\u00fcber und wich dem Tief der Neubau-Debatte. <br \/> Vielleicht hat es etwas mit der r\u00e4umlichen Enge zu tun \u2013 zun\u00e4chst in den  Klassenzimmern, dann im Pausenhof. Von selber wird der Platz  schlie\u00dflich nicht mehr, solange man nicht an den Stadtrand ausweicht \u2013  oder einfach den Deal mit dem benachbarten Sparkassen-Grund auf die  Reihe kriegen w\u00fcrde.<br \/> Vielleicht tut es dem Klima auch Abbruch, wenn  jeder genau wei\u00df, dass anstehende Renovierungen nur deshalb nicht  ausgef\u00fchrt werden, weil ja sowieso bald der Neubau kommt. Gleichzeitig  verschob sich dieses \u201ebald\u201c immer weiter nach hinten. Die einzige  M\u00f6glichkeit, sich als Sch\u00fcler davon nicht die Stimmung verderben zu  lassen, war, eine gewisse Gleichg\u00fcltigkeit zu entwickeln und  festzustellen, dass man den Neubau selbst sowieso nicht mehr erleben  w\u00fcrde \u2013 nach uns der Neubau.<\/p>\n<p>So stellte sich zumindest  innerhalb unserer Stufe ein recht angenehmes Klima ein, was bei einer  Masse von siebzig Leuten nicht unbedingt selbstverst\u00e4ndlich ist.  Aktionen, bei denen wirklich fast die gesamte Stufe dabei war \u2013 wie zum  Beispiel das Kollegstufenzimmer-Kickerturnier oder die Stufenparties \u2013  blieben zwar Einzelf\u00e4lle, aber dennoch hat man sich in diesem bunten  Haufen nie unwohl gef\u00fchlt. Auch das Verh\u00e4ltnis zu den Lehrern hat sich  zu Beginn der Kollegstufe schlagartig verbessert. Im Gegensatz zu den  vorangegangenen Jahren stellte sich eine beinahe gleichberechtigte  Zusammenarbeit ein und es wurde nicht nur die Autorit\u00e4t der Lehrer von  uns, sondern auch unsere Reife von ihnen anerkannt. \u201eEndlich\u201c muss man  in beiden F\u00e4llen sagen. Diese Basis erm\u00f6glichte neben einem  konstruktiven Unterricht auch au\u00dferschulische Aktivit\u00e4ten wie  Kurstreffen und Kursfahrten. Entsprechend war auch das Verh\u00e4ltnis zu  unserem Kollegstufenbetreuer Herrn Benker zweifellos ein  freundschaftliches und wir erhielten von ihm immer die n\u00f6tige  Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich war die Kollegstufe nicht immer  nur eitel Sonnenschein. Entt\u00e4uschungen \u00fcber schlechte Noten oder  Auseinandersetzungen mit einzelnen Lehrkr\u00e4ften geh\u00f6ren zum Schulalltag  wohl einfach dazu. Als allt\u00e4glich kann man jedoch nicht den Schlag  bezeichnen, der uns zu Beginn der dreizehnten Klasse ereilte. F\u00fcr viele  von uns, bedeutet das Abitur den Abschied voneinander, doch von einem  Mitsch\u00fcler mussten wir uns schon vorzeitig und vor allem endg\u00fcltiger  verabschieden. Gerade bei einem Anlass wie dem heutigen ist der Name  Chrissi nat\u00fcrlich besonders pr\u00e4sent. Aber diese Erinnerungen an ihn sind  inzwischen nicht mehr ausschlie\u00dflich mit Trauer verbunden, sondern sie  bringen gleichzeitig die Gewissheit, dass er in unseren Gedanken  weiterlebt und wir uns somit nicht v\u00f6llig von ihm verabschieden mussten.<\/p>\n<p>Was  im Rahmen einer Abiturfeier oft vergessen wird, ist, dass unsere  Schulzeit mehr war als nur die beiden Jahre Kollegstufe. Es gab auch  eine Zeit, in der die Abikalypse noch so etwas wie eine Prophezeihung  war, an die keiner so recht glauben konnte und wollte.<br \/> Eine Zeit, in der der Schulalltag noch nicht aus Ks und H\u00fcrden, sondern aus Wasserpistolen und U-Hackerln bestand.<br \/> Eine Zeit, an die man heute nur noch mit einem etwas unwirklichen  Gef\u00fchl zur\u00fcckdenken kann. Die Schwamm- und Zeitungsschlachten erscheinen  uns nun so entfernt, wie es uns damals das Abitur erschien.<br \/> Die damals unheimlich aufregende \u00dcbernachtung in Gelbenholzen ist gegen\u00fcber den Fahrten in fremde L\u00e4nder l\u00e4ngst verblasst.<br \/> Die vermeintlich unl\u00f6sbaren Probleme, die einem seinerzeit manche  Aufgaben bereiteten, kann man angesichts der nun bestandenen Pr\u00fcfungen  gar nicht mehr nachvollziehen. Um einiges leichter f\u00e4llt da die  Erinnerung an einschneidende Ereignisse, die auf das Schulleben der  letzten neun Jahre wesentlichen Einfluss hatten.<br \/> Die 50-Jahr-Feier zum Beispiel.<br \/> Oder der Modellversuch Europ\u00e4isches Gymnasium.<br \/> Der Wechsel der Sachaufwandstr\u00e4gerschaft von der Stadt zum Landkreis.<br \/> Der Bau des Pavillons.<br \/> Die neue Schulleiterin.<br \/> Und nun die Einf\u00fchrung des G8.<br \/> Dieser kurze R\u00fcckblick hat eine ganze Reihe von Ereignissen gezeigt,  die \u2013 manche mehr, manche weniger \u2013 sowohl die Schule als auch uns in  den letzten neun Jahren mitgepr\u00e4gt und ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter  beim Buffet werden Lehrer und Freunde, Eltern und Gro\u00dfelten, Onkel und  Tanten auf uns zu kommen und uns immer wieder erz\u00e4hlen, wie sehr wir uns  doch in den letzten neun Jahren ver\u00e4ndert haben. Ja, nat\u00fcrlich haben  wir das, aber gleichzeitig k\u00f6nnen wir auch auf neun Jahre zur\u00fcckschauen,  in denen sich unsere Schule genauso stark gewandelt hat.<\/p>\n<p>Was  wir denn nun als n\u00e4chstes vorhaben, werden wir heute abend wohl  ebenfalls einige Male gefragt werden. Pl\u00e4ne haben wir sicher alle,  inwiefern wir sie dann auch in die Tat umsetzen k\u00f6nnen, bleibt noch  abzuwarten. Vielleicht verbindet uns gerade das ein bisschen mit unserer  Schule.<\/p>\n<p>Christoph Hellings &amp; Nina R\u00fcttermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eAbikalypse \u2013 das Ende aller Plage\u201c. Vielleicht nicht wirklich aller, aber uns frisch gebackenen Abiturienten kommt es nat\u00fcrlich so vor. Ob uns wirklich eine sch\u00f6ne neue Welt erwartet, muss sich erst noch herausstellen. \u201eAbikalypse \u2013 das Ende ist nah\u201c haben wir vor ein paar Monaten gefeiert. Aber ist es wirklich ein Ende? 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