{"id":2879,"date":"2011-07-30T19:05:38","date_gmt":"2011-07-30T17:05:38","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/?p=2879"},"modified":"2014-07-30T13:52:01","modified_gmt":"2014-07-30T11:52:01","slug":"big-bang-am-stromboli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2011\/07\/big-bang-am-stromboli\/","title":{"rendered":"Big Bang am Stromboli"},"content":{"rendered":"<p>Die GRG-Exkursionsgruppe unter der Leitung von Dionys Zink und Begleitlehrerin Katja Lehmann befand sich mit ihrem offiziellen Bergf\u00fchrer Marco (Magmatrek) auf der Aufstiegsroute von der Punta Labronzo zum Pizzo sopra fossa (910 m \u00fc.NN), dem Beobachtungspunkt oberhalb der Kraterterrasse. Nachdem die Gruppe etwa die H\u00f6he von 400 m \u00fc.NN erreicht hatte, ereignete sich auf der Kraterterrasse (740 m \u00fc. NN) eine schwere paroyxsmale Explosion verbunden mit einem sehr lauten Knall. Da dieses Ereignis als ungew\u00f6hnlich eingestuft wurde, musste der Aufstieg zum Pizzo abgebrochen werden.<\/p>\n<p>Der Aufstieg in die Gipfelregion des Stromboli begann um 17.10 Uhr mit der ersten Wegstrecke von der Unterkunft (\u201eVillagio Stromboli&#8220;) zur Punta Labronzo, dem Standort des fr\u00fcheren Observatoriums. Der Weg f\u00fchrt zun\u00e4chst durch den Gemeindeteil San Bartolo, dessen dichte Bebauung von subtropischen G\u00e4rten gepr\u00e4gt ist. Besonders auff\u00e4llig waren pr\u00e4chtige Bougainvillea-B\u00fcsche in voller Bl\u00fcte. Wie auch auf den anderen Inseln und auf dem festland wies auch hier die Vegetationsentwicklung im Jahresgang einige Versp\u00e4tung auf. Normalerweise sind im Juni bereits die Feigen reif, in diesem Jahr waren nur kleinw\u00fcchsige und unreife Fr\u00fcchte zu sehen. Der Weg au\u00dferhalb der Ortschaft besteht im wesentlichen aus eine gepflasterte Stra\u00dfe, die teilweise von Aschesand bedeckt ist und mit gel\u00e4ndeg\u00e4ngigen Versorgungsfahrzeugen genutzt werden kann. Den Weg s\u00e4umt ein dichter Bestand an Riesenschilf, das in fr\u00fcherer Zeit vor allem als leichtes Baumaterial Verwendung fand, heute aber kaum mehr geerntet wird.<\/p>\n<p>Bereits am Vortag war dieser Weg im Rahmen des Exkursionsprogramms zur\u00fcckgelegt worden, da sich etwa 100 m oberhalb des Labronzo-Plateaus eine automatisierte \u00dcberwachungsstation befindet. Von deren Position l\u00e4sst sich vor allem der Unterhang der Sciara del fuoco (\u201eFeuerrutsche&#8220;) aber auch die geologische Gesamtstruktur der Insel \u00fcberblicken.<\/p>\n<p>Am 30.6. 2010 setzte die Gruppe ihren Weg \u00fcber die H\u00f6he der Beobachtungsstation hinaus fort und erreichte das Ende des gepflasterten Wegs (250 m \u00fc. NN) gegen 18.00 Uhr. Dort wurde ein geplanter Halt eingelegt, bei dem der Bergf\u00fchrer \u00fcber die weitere Beschaffenheit des Weges informierte und bereits bekannte Einzelheiten zur Genese des Strombolicchio darstellte, da von diese ehemalige Schlotf\u00fcllung von dort aus noch einsehbar ist.<\/p>\n<p>Bis dahin war von der \u00fcblichen Aktivit\u00e4t auf der Kraterterrasse nichts zu h\u00f6ren oder zu sehen. Lediglich die Fumarolen am Rand der Kraterterrasse zeigten mit dem Austritt von Wasserdampf und Schwefeldioxid ein gew\u00f6hnliches T\u00e4tigkeitsbild.<\/p>\n<p>Oberhalb des befestigten und noch befahrbaren Weges beginnt der Fu\u00dfpfad durch die vor allem von Ginster dominierte Vegetationsstufe. Die Sch\u00fcler bewegten sich in m\u00e4\u00dfigem Tempo und weitgehend geschlossener Ordnung aufw\u00e4rts. An einem der Aussichtspunkte \u00fcber die Sciara (400 m \u00fc. NN) wurde um 18.30 ein weiterer planm\u00e4\u00dfiger Halt eingelegt. Seitlich des Weges war w\u00e4hrend des letzten Streckenabschnitts im Gel\u00e4nde zwischen der eigentlichen Sciara und dem Fu\u00dfpfad eine halbwilde Ziegenherde zu sehen, deren Leittier auf einer exponierten Felskanzel die Gruppe neugierig beobachtete. Zu diesem Zeitpunkt war bereits Bew\u00f6lkung aufgezogen, welche auch den Gipfelbereich der Beobachtung entzog.<\/p>\n<p>Der Bergf\u00fchrer erkl\u00e4rte gegen 18.35 gerade die Struktur der Sciara del fuoco, als er von dem sausenden Ger\u00e4usch unterbrochen wurde, das der gew\u00f6hnlichen Eruptionst\u00e4tigkeit auf der Kraterterrasse vorausgeht. Der Vorgang wurde nach Wahrnehmung einiger Exkursionsteilnehmer und des Leiters von einem deutlichen Tremor begleitet. Dieses Ger\u00e4usch m\u00fcndete nach wenigen Sekunden in einen sehr lauten Explosionsknall. Unmittelbar darauf war die Auswurfs- bzw. Sturzaktivit\u00e4t auf der Sciara zu beobachten. Bl\u00f6cke, die nach Ansicht der Teilnehmer die Gr\u00f6\u00dfe von Kleinwagen erreichten, rollten die Sciara mit erheblicher Staubentwicklung abw\u00e4rts. Einige Teile dieses Materials waren noch rotgl\u00fchend, mussten daher also aus einem der Krater ausgeworfen worden sein,  bestanden also nicht aus Versturzmaterial. Die herabst\u00fcrzenden oder rollenden Bl\u00f6cke rauchten teilweise noch, die gr\u00f6\u00dften erreichten die Wasserlinie und gerieten dort au\u00dfer Sicht.<\/p>\n<p>Nach Aufforderung des Exkursionsleiters traten die Sch\u00fcler etwas vom Rand des Aussichtspunkts zur\u00fcck und befanden sich somit im relativen Schutz vor Sturzmassen unterhalb einer Hangversteilung. Der Bergf\u00fchrer wies die Gruppe an, die mitgef\u00fchrten Helme aufzusetzen, die sonst erst auf der H\u00f6he der Kraterterrasse (ca. 740 m \u00fc. NN) aufgesetzt werden m\u00fcssen. Nach kurzer R\u00fccksprache \u00fcber Funk mit der Koordinationsstelle von Magmatrek in San Vincenzo, erkl\u00e4rte der Bergf\u00fchrer, dass der weitere Aufstieg nicht mehr m\u00f6glich sei, weil einzelne vulkanische Bomben weiter oben die Vegetation in Brand gesetzt h\u00e4tten und die Heftigkeit des Ausbruchs als ungew\u00f6hnliches Ereignis bewertet worden sei, welches die Sperrung der Gipfelregion zur Folge haben werde.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2013-14\/geographie_sciara.gif\" alt=\"geographie_sciara\" width=\"369\" height=\"245\" class=\"alignnone size-full wp-image-2881\" \/><\/p>\n<p>Sturzereignis aud der Sciara del Fuoco (Stromboli) am 30.6.2010 etwa um 18.30 gesehen von der &#8222;Alten Pizzo-Route&#8220; aus, H\u00f6he etwa bei 400 m \u00fc. NN. <\/p>\n<p>Die Gruppe trat daraufhin geordnet den R\u00fcckweg an. Etwa 100 H\u00f6henmeter oberhalb des Umkehrpunktes war ein kleiner lokaler Brandherd in der Ginstervegetation auszumachen, der sich allerdings in der N\u00e4he des urspr\u00fcnglich vorgesehenen Aufstiegswegs befand, so dass der Abbruch der Exkursion zum Gipfel auch aus diesem Grund unmittelbar zwingend war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2013-14\/geographie_ziegen.gif\" alt=\"geographie_ziegen\" width=\"492\" height=\"369\" class=\"alignnone size-full wp-image-2880\" \/><\/p>\n<p>Neugierige Ziegen beobachten das Geschehen auf der Sciara. Die Dampfwolken am Fu\u00df des Abhangs zeugen von der Hitze der herabst\u00fcrzenden Gesteinmassen.  <\/p>\n<p>Bereits zwanzig Minuten nach der Umkehr begegnete der Gruppe ein Polizeibeamter in Begleitung seines Hundes, der das h\u00f6hergelegene Gel\u00e4nde nach unangemeldeten Wanderern absuchen und den Zugang oberhalb der H\u00f6he von 450 m sperren sollte. Zum selben Zeitpunkt stieg in San Bartolo ein erster Helikopter auf, der neben der Suche nach Personen in der Risikozone weiter oben das Ausma\u00df der Br\u00e4nde und m\u00f6gliche Ver\u00e4nderungen in der Gipfelzone und auf der Sciara feststellen sollte. Im Abstieg traf die Gruppe auch auf den Vulkanbergf\u00fchrer Andrea Ercolani, der fr\u00fchere Exkursionen des GRG am \u00c4tna begleitet hatte. Seiner Einsch\u00e4tzung nach war der Aufenthalt im Bereich unter 450 m \u00fc. NN nicht kritisch. Er setzte seinen Aufstieg gemeinsam mit zwei seiner Kunden fort.<\/p>\n<p>Die GRG-Exkursion erreichte das alte Observatorium gegen 20.00. Dort verabschiedete sich der Bergf\u00fchrer Marco von der Gruppe und kehrte nach San Vincenzo zur\u00fcck um Bericht zu erstatten. Er informierte auch eine GRG-Sch\u00fclerin \u00fcber das Geschehen, die nicht am geplanten Aufstieg teilgenommen hatte und sich zu dieser Zeit in einem Lokal in der N\u00e4he des Magmatrek-B\u00fcros befand. Da der heftige Knall der Eruption wie \u00fcber Funk best\u00e4tigt worden war, auf der ganzen Insel best\u00fcrzte Reaktionen in der Bev\u00f6lkerung ausgel\u00f6st hatte, sollte sie so rasch als m\u00f6glich infomiert werden. Weil jedoch in diesem Bereich kein Mobiltelefonverkehr m\u00f6glich ist, konnte dies nur auf direktem Weg geschehen.<\/p>\n<p>Im weiteren Verlauf hielt sich die Gruppe neben der Pizzeria an der Punta Labronzo auf und beobachtete von dort das weitere Geschehen in der Gipfelzone, soweit dieses bei weiterhin wechselhafter Bew\u00f6lkung auszumachen war. Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte ein kleiner Brandherd oberhalb von San Bartolo im Gebiet Vallonazo ausgemacht werden, der sich zun\u00e4chst jedoch nicht ausweitete. Die Situation schien sich zu normalisieren, denn es kam nicht mehr zu gr\u00f6\u00dferen Sturzbewegungen auf der Sciara del fuoco. In der Zwischenzeit traf auch der Chef der lokalen Zivilschutzbeh\u00f6rden ein. Er best\u00e4tigte, dass einzelne Bl\u00f6cke auch im oberen Bereich der neuen Aufstiegsroute von San Vincenzo aus niedergegangen waren und dieses Ereignis auch vom Ort aus zu sehen gewesen war. Um 21.15 stieg dann am Hang oberhalb von San Bartolo etwa auf 350 bis 400 m H\u00f6he eine schmale, aber hohe Rauchs\u00e4ule auf, die sich rasch ausbreitete. Zugleich zeigte sich die normale strombolianische T\u00e4tigkeit wieder: Eine SW gelegene Bocche (Austritts\u00f6ffnung) trat mit Ausbr\u00fcchen von bis zu 30 Sekunden Dauer in Aktion. Dies wurde unter den anwesenden Sachverst\u00e4ndigen allgemein als positives Anzeichen gewertet, weil die regelm\u00e4\u00dfige Entgasung der Magmas\u00e4ule im Schlot mittels kleinerer paroxysmaler Ausbr\u00fcche eine R\u00fcckkehr zur normalen Aktivit\u00e4t des Vulkans vermuten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Nach allgemeiner Auffassung gilt der Krater des Stromboli als verstopft, so dass sich stattdessen insgesamt f\u00fcnf Austritts\u00f6ffnungen gebildet haben, die als Bocche (ital. f\u00fcr \u201eMaul&#8220;) gebildet haben, \u00fcber welche die Entgasung der Magma stattfindet. Neben diesen Bocchen existieren noch sogenannte \u201eVents&#8220;, die kleinere \u00d6ffnungen am Rand oder zwischen den Bocchen darstellen. Die Magma des Stromboli gilt als sauer und gasreich. Infolge des Aufsteigens der Gase in der Magmas\u00e4ule kommt es zu mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfiger Ausbruchst\u00e4tigkeit der Bocchen und Vents (paroxysmale T\u00e4tigkeit). Dabei wird zur\u00fcckgest\u00fcrztes, aufgeschmolzenes Material ausgeworfen, das vor allem nachts ein rotgl\u00fchendes Feuerwerk bietet, welches unter normalen Umst\u00e4nden von Touristen gefahrlos vom Pizzo oberhalb der Kraterterrasse beobachtet werden kann. Wie sp\u00e4ter bekannt wurde, war der gro\u00dfe Knall um 18.35 mit der \u00d6ffnung eines weiteren Vents verbunden. Die Sturzaktivit\u00e4t auf der Sciara ist vermutlich darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, dass diesmal nicht nur Material aus dem oberfl\u00e4chenahen Bereich der Bocchen in die H\u00f6he gerissen wurde, sondern Gestein der Kraterterrasse selbst in das Ausbruchsgeschehen einbezogen wurde.<\/p>\n<p>Weil der Brand oberhalb von San Bartolo sich rasch ausbreitete, fuhren der inzwischen  zur\u00fcckgekehrte Bergf\u00fchrer Marco und ein Kollege auf einem Gel\u00e4ndemotorrad den gepflasterten Teil des Weges aufw\u00e4rts, um Andrea Ercolani und seine Gruppe zur R\u00fcckkehr aufzufordern. Es war nicht auszuschlie\u00dfen, dass sich der Brand auch nach Norden zu ausbreiten und ihnen damit den R\u00fcckweg abschneiden w\u00fcrde.   <\/p>\n<p>Gegen 21.30 Uhr trat die Exkursionsgruppe im Schein von Taschenlampen den R\u00fcckweg zur Unterkunft an. Unterwegs konnte sie die Ausbreitung des Brandes im Gebiet Vallonazo beobachten. Ma\u00dfnahmen gegen den Brand konnten offensichtlich wegen der Dunkelheit und mangels geeigneter L\u00f6schvorrichtungen nicht getroffen werden. Nach Informationen von Magmatrek musste wegen der Hitzeentwicklung auch ein vorgeschobener Beobachtungsstand der Vulkanologen ger\u00e4umt werden, der sich in der N\u00e4he des Brandes befindet.<\/p>\n<p>Der GRG-LK Geographie traf gegen 22.00 wohlbehalten bei der Unterkunft ein. W\u00e4hrend der Nacht ging ein Ascheregen nieder, der jedoch nicht aus vulkanischer Aktivit\u00e4t herr\u00fchrte, sondern vor allem von der verbrannten Vegetation oberhalb von San Bartolomeo stammte<\/p>\n<p>Nachtrag: Weil die Wanderung nur eine H\u00f6he von 450 \u00fc.NN erreichte und damit nur an die Grenze heranf\u00fchrte, bis zu der der Aufstieg auch ganz ohne offiziellen Bergf\u00fchrer erlaubt ist, war Magmatrek freundlicherweise bereit, auf einen Teil der vereinbarten Kosten f\u00fcr die begleitete F\u00fchrung zu verzichten. Nach weiteren Quellen war der Knall der Explosion bis aufs siziliansiche Festland und auf der noch weiter entfernten Insel Ustica zu h\u00f6ren gewesen.<\/p>\n<p>Der folgende Tag war gepr\u00e4gt von dauerndem Betrieb der L\u00f6schflugzeuge, die um sechs Uhr morgens ihre Arbeit begannen und den Brand erst gegen Abend vollst\u00e4ndig unter Kontrolle hatten. Die Vegetation des Berghangs Vallonazo wurde auf einer Fl\u00e4che von mehreren Hektar verbrannt.<\/p>\n<p>Text und Redaktion: D. Zink mit dem LK Geographie 2009-11<\/p>\n<p>Photo 1 Elke Steinhauser Photo 2 Susanne Pfeil (LK Geographie)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die GRG-Exkursionsgruppe unter der Leitung von Dionys Zink und Begleitlehrerin Katja Lehmann befand sich mit ihrem offiziellen Bergf\u00fchrer Marco (Magmatrek) auf der Aufstiegsroute von der Punta Labronzo zum Pizzo sopra fossa (910 m \u00fc.NN), dem Beobachtungspunkt oberhalb der Kraterterrasse. 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