{"id":2900,"date":"2004-11-30T22:40:50","date_gmt":"2004-11-30T20:40:50","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/?p=2900"},"modified":"2014-07-30T13:52:02","modified_gmt":"2014-07-30T11:52:02","slug":"besuch-im-regenwald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2004\/11\/besuch-im-regenwald\/","title":{"rendered":"Besuch im Regenwald"},"content":{"rendered":"<p>Leistungskurs Erdkunde<\/p>\n<p>Ein Abend mit dem Pr\u00e4sidenten des Ashaninka-Volks und B\u00fcrgermeister Monatzeder<\/p>\n<p>Der LK Erdkunde (K13) informierte sich am 12.10. 2004 im Eine-Welt-Haus M\u00fcnchen aus erster Hand \u00fcber aktuelle Entwicklungen im peruanischen Regenwald. Mit einem Kurzfilm illustrierten Guillermo Naco, Pr\u00e4sident der Ashaninka-Indianer im peruanischen Quellflussgebiet des Amazonas, und Hep Monatzeder, M\u00fcnchens 3. B\u00fcrgermeister, ihren Bericht \u00fcber eine gemeinsame Peru-Reise im August 2004. <\/p>\n<p>Zweck der (privat vom B\u00fcrgermeister finanzierten!) Reise war die Intensivierung der Beziehungen zwischen der Stadt M\u00fcnchen und den Ashaninka-Indianern im Rahmen des Klimab\u00fcndnisses, dem mittlerweile mehr als 2000 europ\u00e4ische St\u00e4dte angeh\u00f6ren. Die Stadt M\u00fcnchen unterst\u00fctzt die Ashaninka seit 1999 in finanzieller, organisatorischer und politischer Hinsicht. Infolge ihrer politischen Anstrengungen kontrollieren die Ashaninka in Peru mittlerweile 700 000 ha intakten Regenwald.<\/p>\n<p>Die von Guillermo Naco vertretenen Ashaninka z\u00e4hlen etwa 60 000 Menschen in der peruanischen Regenwaldregion, die \u00fcber den Ucayali\u2013Fluss mit dem Amazonasbecken verbunden ist. Die Existenz dieser traditionell wirtschaftenden Ureinwohner ist in mehrfacher Hinsicht bedroht.<\/p>\n<p>Guillermo Naco sch\u00e4tzt, dass in den Jahren zwischen 179 und 1999 mehr als 60% der Ashaninka von den B\u00fcrgerkriegsaktivit\u00e4ten des Leuchtenden Pfades (\u201eSendero Luminoso\u201c), einer vorgeblich maoistischen Guerillatruppe in Peru, und den Gegenma\u00dfnahmen der peruanischen Regierung betroffen waren.<\/p>\n<p>Heute sind gef\u00e4hrden vor allem amerikanische Abholzungsunternehmen, Rohstoffkonzerne und Neusiedler die Lebensgrundlagen der Ashaninka<\/p>\n<p>Der Indianerpr\u00e4sident kritisierte das Verhalten der peruanischen Regierung in Bezug auf den Schutz des Regenwaldes mit deutlichen Worten. Noch immer sei die Ansicht weitverbreitet, dass Indianer den Regenwald ja gar nicht n\u00fctzten und deshalb zum Anbau gewinntr\u00e4chtiger Pflanzenkulturen, z.B. Kaffeestr\u00e4uchern, zu zwingen seien, andernfalls man ihnen das Land wegnehmen k\u00f6nne, ja m\u00fcsse. <\/p>\n<p>Eine weitere Nutzungskonkurrenz erw\u00e4chst den Ashaninka durch die Neusiedler, die aufgrund des hohen Bev\u00f6lkerungswachstums in Peru (ca. 1,7 %) auch in bisher unber\u00fchrte Gebietes des Regenwaldes vordringen. Im Streit um Regenwaldgebiete entscheidet sich die peruanische Regierung im Zweifel zur Unterst\u00fctzung der Neusiedler, deren marktorientierte Landwirtschaft zur Erh\u00f6hung des Steueraufkommens beitr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit europ\u00e4ischen NGOs (Non-Governmental Organizations, dt.: Nichtregierungsorganisationen) versuchen die Ashaninka der peruanischen Regierung die Ausweisung von Schutzgebieten abzuringen, deren Verwaltung und Nutzung von Indianern kontrolliert werden soll. Im konkreten Fall geht es um ein Gebiet, das die bisher eingerichteten Schutzzonen erweitern und verbinden soll. Die Umweltorganisation Pro Regenwald e.V. stellte mit den Ashaninka einen Antrag auf F\u00f6rderung des Projekts beim Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), dem gute Chancen einger\u00e4umt werden.  <\/p>\n<p>Deutlich wurde jedoch an dieser Veranstaltung auch, welcher Unterschied zwischen Fernsehsendungen oder Unterrichtsstunden und einer pers\u00f6nlichen Begegnung besteht. In M\u00fcnchen musste alles, was der Gast aus Peru darzustellen wusste, erst f\u00fcr das Publikum \u00fcbersetzt werden, weil nur wenige Anwesende Spanisch sprachen. Karten- und Filmmaterial erschlossen sich nur bei genauem Hinschauen und geh\u00f6rigem Hintergrundwissen. <\/p>\n<p>Die Veranstalter hatten ein beziehungsreiches Datum f\u00fcr den Auftritt des modernen Indianerh\u00e4uptlings gew\u00e4hlt. Am 12. Oktober 1492 erlangte die Tatsache festen Landes weit westlich Europas die Aufmerksamkeit eines genuesischen Kapit\u00e4ns in spanischen Diensten. Ureinwohner Nord- und S\u00fcdamerikas nehmen sp\u00e4testens seit 1992 diesen Tag zum Anlass gegen bis heute fortbestehende Diskriminierung, Land- und Ressourcendiebstahl und Zerst\u00f6rung ihrer Lebensgrundlagen zu protestieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leistungskurs Erdkunde Ein Abend mit dem Pr\u00e4sidenten des Ashaninka-Volks und B\u00fcrgermeister Monatzeder Der LK Erdkunde (K13) informierte sich am 12.10. 2004 im Eine-Welt-Haus M\u00fcnchen aus erster Hand \u00fcber aktuelle Entwicklungen im peruanischen Regenwald. Mit einem Kurzfilm illustrierten Guillermo Naco, Pr\u00e4sident der Ashaninka-Indianer im peruanischen Quellflussgebiet des Amazonas, und Hep Monatzeder, M\u00fcnchens 3. 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