{"id":4773,"date":"2014-07-03T18:22:41","date_gmt":"2014-07-03T17:22:41","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/?p=4773"},"modified":"2014-07-26T08:45:44","modified_gmt":"2014-07-26T07:45:44","slug":"abiturrede-2014","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2014\/07\/abiturrede-2014\/","title":{"rendered":"Abiturrede 2014"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Anwesende,<\/p>\n<p>dass ich nun hier als Repr\u00e4sentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl \u00fcberraschend, sowohl f\u00fcr Mitglieder der Stufe, als auch f\u00fcr einige Lehrer und nicht zuletzt f\u00fcr mich selbst.<br \/>\nWarum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen?<br \/>\nIch bin in der Stufe weder besonders engagiert, noch halte ich mich komplett raus.<br \/>\nIch bin kein schlechter Sch\u00fcler, bin aber auch kein [Name gestrichen].<br \/>\nIch bin nicht der flei\u00dfigste Sch\u00fcler, bin aber auch kein [Name gestrichen].<br \/>\nIch bin nicht der gr\u00f6\u00dfte Sch\u00fcler, bin aber auch kein [Name gestrichen].<br \/>\nUnd ich kann zwar Einiges, aber ein [Name gestrichen] bin ich nicht.<br \/>\nIch bin so eine Art Mittelding in einer Stufe, die sich aus vielen unterschiedlichen Charakteren zusammensetzt, und vielleicht qualifiziert mich das als Repr\u00e4sentant, denn wir waren und sind eine Stufe aus vielen Gegens\u00e4tzen und unterschiedlichen Typen \u2013 Typen und Pers\u00f6nlichkeiten, die durch zw\u00f6lf Jahre Schulzeit zu dem wurden, was sie sind. Diese Jahre haben uns gepr\u00e4gt, wie es vermutlich keine andere Zeit in unserem Leben wieder tun wird.<br \/>\nVor zw\u00f6lf Jahren\u2026 beziehungsweise dreizehn Jahren\u2026 obwohl, bei manchen hat\u2019s auch vierzehn Jahre gedauert, ich werde hier aber keine Namen nennen. Jedenfalls wurden wir damals in einem riesigen Labyrinth ausgesetzt, als Proviant wurde uns lediglich eine T\u00fcte voller ungesunder S\u00fc\u00dfigkeiten mitgegeben, die nicht einmal einen Tag gehalten hat. Vielen Dank daf\u00fcr!<br \/>\nAn diesem Tag standen wir am Anfang unserer schulischen und pers\u00f6nlichen Entwicklung. Ein langer Weg, auch wenn es mir im Nachhinein viel k\u00fcrzer vorkommt als es tats\u00e4chlich war.<br \/>\nDie Grundschulzeit zum Beispiel ist schon zu gro\u00dfen Teilen aus meiner Erinnerung verschwunden, diese ersten vier Jahre, an deren Ende wir uns mit Erreichen des Gymnasiums wie die Gr\u00f6\u00dften f\u00fchlten, nur um uns dort am untersten Ende der Nahrungskette wiederzufinden.<br \/>\nUnd von da an begann der lange Weg durch das Labyrinth hin zum Abitur. Schon fr\u00fch standen wir an der ersten wichtigen Kreuzung und mussten uns zwischen Latein und Franz\u00f6sisch entscheiden, wobei nat\u00fcrlich galt: Latinam linguam sapientes eligunt!<br \/>\nAuch auf unserem weiteren Weg hatten wir einige H\u00fcrden zu \u00fcberwinden. Beispielsweise mit dem Umzug in ein neues Schulgeb\u00e4ude und hier muss ich Frau H\u00fcbler widersprechen, denn das neue Geb\u00e4ude war f\u00fcr mich eher ein Labyrinth als das alte. Ich habe l\u00e4nger gebraucht, um das System mit Buchstaben und Zahlen zu verstehen, als ich es hier \u00f6ffentlich zugeben m\u00f6chte.<br \/>\nUnd nicht zuletzt hatten wir auch mit uns selbst zu k\u00e4mpfen, denn je \u00e4lter wir wurden desto mehr lie\u00df unsere Motivation nach\u2026 und unser Interesse\u2026 und unser Flei\u00df\u2026 und nicht zu vergessen: Auch unsere Aufmerksamkeit. Ich m\u00f6chte mich hier kurz bei allen Lehren entschuldigen, die das zu ertragen hatten.<br \/>\nUnd je mehr Salat wir a\u00dfen, desto mehr schrumpfte unser Bizeps, aber das geh\u00f6rt nicht hierher.<br \/>\nWie auch immer, mit dem Erreichen der 11. Klasse rafften wir uns nochmals auf und gingen mit frischer Kraft ans Werk. Voller Tatendrang begannen wir zu lernen und ich bin mir sicher, dass das die meisten auch ganze 4 \u00bd Wochen durchgezogen haben. Danach\u2026 na ja, aber dar\u00fcber will ich lieber erst gar nicht sprechen, lieber m\u00f6chte ich sagen, dass die letzen Meter im Labyrinth, die Oberstufe also, wohl die beste Zeit unserer Schullaufbahn war.<br \/>\nEin besseres Verh\u00e4ltnis zu Lehrern, endlich ein eigener Raum zur Entspannung, der jedoch durch Umz\u00fcge und zunehmende Verm\u00fcllung immer weniger Platz zur Entspannung bot, mit 18 schlie\u00dflich die M\u00f6glichkeit, Entschuldigungen selbst zu unterschreiben und nicht zuletzt ein durch gro\u00dfartige Studienfahrten gest\u00e4rktes Gemeinschaftsgef\u00fchl, all dies trug dazu bei, dass diese zwei Jahre trotz Klausuren- und Abiturstress zu einer unvergesslichen Zeit wurde. Manchen hat es sogar so gut gefallen, dass sie gleich drei Jahre daraus gemacht haben.<br \/>\nUnd diese ganzen Jahre, nicht nur die letzten zwei, haben uns zu dem gemacht, was wir heute sind und an dieser Stelle m\u00f6chte ich kurz einigen Menschen danken, die uns auf diesem Weg geholfen haben.<br \/>\nNat\u00fcrlich unseren Lehrern, die es nicht immer leicht hatten und besonders Frau Gritsch, die uns in den letzten zwei Jahren viel hinterher laufen musste. Und es soll hier auch ein Dank an das \u00fcbrige Schulpersonal, das einen reibungslosen Schulalltag erm\u00f6glichte und uns regelm\u00e4\u00dfig mit frischen Leberkassemmeln versorgte. Und auch die Menschen au\u00dferhalb des Schullebens haben ihren Anteil daran, dass wir alle heute hier sind. Familie, Freunde oder auch der der Fu\u00dfballtrainer und Geigenlehrer haben uns auf diesem Weg der schulischen und pers\u00f6nlichen Entwicklung begleitet. Vielen Dank!<br \/>\nEs tut mir sehr leid aber es ist noch nicht ganz vorbei, ein bisschen m\u00fcssen Sie mich noch aushalten, denn ich m\u00f6chte noch kurz ein paar Gedanken dar\u00fcber verlieren was uns nun erwartet.<br \/>\nUnser Abimotto* beschreibt uns als Verwirrte, als Suchende, die nun endlich an ihr Ziel gelangt sind. Doch sind wir wirklich am Ziel? Im eigentlichen Labyrinth sind wir noch weit vom Ziel entfernt, wir glauben gerade dem Labyrinth entkommen zu sein, aber wir befinden uns noch mittendrin und noch dazu an einer \u00e4u\u00dferst wichtigen Kreuzung. Wir k\u00f6nnen nun entscheiden, was wir mit diesem Zeugnis anfangen, und dabei stehen uns viele Wege offen. Das Gro\u00dfartige an dieser Kreuzung ist, dass es keinen falschen Weg gibt. Der Weg, den wir nehmen ist nicht falsch solange wir ihn selbst w\u00e4hlen. Einige behaupten, der beste und einzig richtige Weg mit Abitur w\u00e4re Studium, Beruf, Rente und schlie\u00dflich tot umfallen. Aber das ist nicht wahr, wir haben nun die Freiheit vollkommen selbstst\u00e4ndig \u00fcber unsere Zukunft zu entscheiden, und was wir mit unserem Abitur machen, ist uns allein, jedem einzelnen \u00fcberlassen.<br \/>\nWir k\u00f6nnen Rap-Star, Perlentaucher oder sogar Lehrer werden. Wenn es das ist was wir wollen, dann ist es das Beste, was wir aus unserem Abitur machen k\u00f6nnen. Und ich m\u00f6chte jeden auffordern, diese Entscheidung f\u00fcr sich zu treffen und sich nicht von anderen reinreden zu lassen.<br \/>\nIhr habt die Wahl, nutzt sie!<br \/>\nVielen Dank!<\/p>\n<p>*LABIrinth \u2013 12 Jahre Verwirrung und trotzdem am Ziel<\/p>\n<p>(Lukas Bartl, unter der Mithilfe von Kerstin Henning und Paulina Schiele)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Anwesende, dass ich nun hier als Repr\u00e4sentant der Stufe vor Ihnen stehe, ist wohl \u00fcberraschend, sowohl f\u00fcr Mitglieder der Stufe, als auch f\u00fcr einige Lehrer und nicht zuletzt f\u00fcr mich selbst. Warum soll ich, soll jemand mit meinen Deutschnoten eine Rede schreiben und vortragen? 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