{"id":748,"date":"2007-02-04T16:15:00","date_gmt":"2007-02-04T14:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/koenigsintrigen-in-fuerstenfeldbruck\/"},"modified":"2014-07-26T15:58:24","modified_gmt":"2014-07-26T14:58:24","slug":"koenigsintrigen-in-fuerstenfeldbruck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2007\/02\/koenigsintrigen-in-fuerstenfeldbruck\/","title":{"rendered":"K\u00f6nigsintrigen in F\u00fcrstenfeldbruck"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Nichtsw\u00fcrdiger! Du wagst es, meine Worte zu <em>deuten<\/em>? Deinen eignen blutgen Sinn hineinzulegen?\u00a0 &#8211; Wehe dir, wenn Ungl\u00fcck aus dieser eigenm\u00e4chtgen Tat erfolgt&#8230;<br \/>\n(Friedrich Schiller: Maria Stuart, V. 14, 3982ff.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass Friedrich Schiller jemals in F\u00fcrstenfeldbruck war, l\u00e4sst sich bezweifeln, dennoch &#8211; oder gerade deswegen! &#8211;\u00a0 hat sich der Intendant der \u201eNeuen B\u00fchne&#8220; Harald Molcher entschlossen das Drama \u201eMaria Stuart&#8220; nach F\u00fcrstenfeldbruck zu holen. Am Freitag, den 13. April 2007, war die Premiere in dem kleinen Theater, welches in das Kulturzentrum F\u00fcrstenfeld integriert wurde.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"Image\" alt=\"Image\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2007\/02\/mariastewart1.jpg\" border=\"0\" \/><\/p>\n<p>Die \u201eNeue B\u00fchne&#8220; ist ein Laientheater mit beeindruckenden Auff\u00fchrungen. Egal ob Kleists \u201eDer Zerbrochene Krug&#8220; oder Ayckbourns \u201eFrohe Feste&#8220; (original \u201eAbsurd Person Singular&#8220;), die Inszenierungen sind immer unterschiedlich und erfrischend mit einem Bezug zu aktuellen Themen. In \u201eDer Zerbrochene Krug&#8220; wird die aktuelle Diskussion um das <em>Kopftuchverbot<\/em> und die Problematik der interkulturellen Beziehungen zwischen Moslems und Christen aufgegriffen und geschickt in das St\u00fcck Kleists intergeriert. In dem englischen Play \u201eFrohe Feste&#8220; aus den 70ern wird ein R\u00fcckblick auf die Evolution von der stereotypischen Hausfrau und deren Probleme zur emanzipierten, berufst\u00e4tigen Frau gewagt. Nicht nur der Bezug zu Aktuellem, sondern auch dessen Darstellung auf der B\u00fchne verdienen Anerkennung. Die B\u00fchne beim <em>Krug<\/em> wurde sprichw\u00f6rtlich zugem\u00fcllt, um den Zuschauern ein Bild ihrer selbst vorzuhalten. Bei den <em>Festen<\/em> geht es eher karg zu, da auf Requisiten verzichtet wurde.<\/p>\n<p>Nicht so bei \u201eMaria Stuart&#8220;. Requisiten spielen in diesem Theaterst\u00fcck \u00fcber die Rivalit\u00e4t zweier verwandter K\u00f6niginnen keine vordergr\u00fcndige Rolle; dennoch sind sie an den Schl\u00fcsselstellen unumg\u00e4nglich, zum Beispiel als Maria ihr Todesurteil von dem staatsm\u00e4nnischen, Maria hassenden Burleigh (gespielt von Moritz Mann) erh\u00e4lt. Burleigh, mit b\u00fcrgerlichem Namen Wilhelm Cecil, ist der Gro\u00dfschatzmeister am englischen K\u00f6nigshof. Er ist K\u00f6nigin Elizabeth bedingungslos ergeben, und somit ein Feind der vergeblich nach dem Thron greifenden Maria Stuart. Mann spielt den voreingenommenen Staatsmann mit zu viel W\u00fcrde und zu wenig Arroganz und Hass. Burleigh tr\u00e4gt einen <em>korrekten<\/em> schwarzen Nadelstreifenanzug und eine schwarze Fliege &#8211; ein klar definiertes Outfit, genauso wie der Charakter es verlangt. Talbot (gespielt von Alfred Adam), der Graf von Shrewsbury, ebenso wie Burleigh und Leicester Mitglied des Staatsrats der Elizabeth, ist sowohl im Original als auch auf der B\u00fchne das gerechte und ausgleichende Element. Adam kann das Gerechte und Weise in einer \u00fcberaus \u00fcberzeugenden Art vermitteln &#8211; er w\u00e4re auch pr\u00e4destiniert f\u00fcr die Rolle des <em>Nathan<\/em>. Er ist in ein graues, etwas altmodisches Sakko gekleidet, das jedoch mit seiner Patina passend ist. Leicester (gespielt von Wilhelm Werner), der Dritte im Bunde, ein heimlicher Verehrer der gefangenen Maria, gibt seine Liebe nicht preis und schmeichelt sich nach wie vor bei seiner K\u00f6nigin Elizabeth ein. Er verteidigt seine heimliche Geliebte nicht, sondern unterzeichnet sogar ihr Todesurteil, um vor der K\u00f6nigin Elizabeth staatsm\u00e4nnisch zu taktieren. In der Rolle des devoten Opportunisten kann Werner nur bedingt \u00fcberzeugen, da er pers\u00f6nlich nicht zu der Rolle passt. Leicester tr\u00e4gt einen navyblauen Blazer, eine rosarote Hose und ein giftgr\u00fcnes Hemd &#8211; ein geschmackloses Outfit zu einer geschmacklosen Rolle.<\/p>\n<p>Maria Stuart wurde im Kindesalter an den franz\u00f6sischen Hof zur Erziehung geschickt. Diese Erziehung pr\u00e4gt Maria und ist auch elementar f\u00fcr die Handlung des St\u00fccks aufgrund ihrer unbeschwerten Kindheit und der katholischen Erziehung. Als sie auf den K\u00f6nigsthron von Schottland zur\u00fcckkehrte, geriet sie in politische Intrigen, da sie ihren Mann umbringen lie\u00df, den M\u00f6rder heiratete und zu ihrer entfernten Verwandten Elizabeth, der K\u00f6nigin von England, einer protestantischen Tochter von Heinrich VIII, floh. Diese hie\u00df sie jedoch nicht willkommen, sondern inhaftierte sie, da Maria ihr den Thron streitig machen wollte. Das Theaterst\u00fcck Schillers setzt nach mehreren Jahren Gefangenschaft ein und begleitet Maria bis zu ihrem Ende. Sie hat zu diesem Zeitpunkt ihre Rivalin Elizabeth noch nicht zu Gesicht bekommen. Elizabeth Emmerich stellt Maria dar. Die im Script starke und selbstbewusste Maria wirkt auf der B\u00fchne trotz ihres geringen Alters sehr authentisch. Die Jungendlichkeit der Schauspielerin ist durchaus passend, obwohl die historische Maria schon ihre besten Jahre hinter sich hatte, als sie inhaftiert war, da sie Marias Attraktivit\u00e4t und ihre Anziehungskraft auf M\u00e4nner verst\u00e4rkt. Aus diesem Grund wurde auch das Kost\u00fcm passend zur Schauspielerin gew\u00e4hlt: Ein schwarzes bauchfreies Top, eine enganliegende schwarze Designerjeans und gro\u00dfe, auffallende Ohrringe. Emmerich tritt sehr selbstbewusst auf und kontert ihren Gegnern mit beeindruckendem Selbstbewusstsein.<\/p>\n<p>Elizabeth (Maria Metzger), die sich selbst als jungfr\u00e4uliche K\u00f6nigin pr\u00e4sentiert hat, ist, wie auch in Schillers Werk, komplement\u00e4r zu Maria. Sie wird in der \u201eNeuen B\u00fchne&#8220; mit grauer Dauerwelle wie es in den 70ern, 80ern bei \u00e4lteren feinen Damen mit schweren Perlenketten modern war interpretiert. Metzger scheint mit dem strammen Schritt und der schrillen Stimme geboren zu sein.<\/p>\n<p>Maria wird in Schloss Fotheringhay von Paulet (gespielt von Peter Paul), einem ehrvollen Ritter, bewacht. Paulet, der in Schillers Original sehr ernst und fair ist, tritt auf der B\u00fchne eher verschlafen auf. Man m\u00fcsste ihm etwas mehr Leben einhauchen. Sein grauer Anzug f\u00f6rdert dies nicht gerade, passt aber generell zum Charakter.<\/p>\n<p>Mortimer (gespielt von Johannes Johansson) ist der jugendliche, hei\u00dfbl\u00fctige Verehrer Marias, der ihr zur Flucht verhelfen will. Mortimer ist wie auch im Text jung und voller Elan, jedoch ohne rechten Plan. Interpretiert wird er als <em>cooler<\/em> Teenanger, mit Schlabberjeans und Schlabberpullover, von der Machart, wie ihm sogar Lehrerinnen nachschauen w\u00fcrden. \u00dcberzeugend vermittelt!<\/p>\n<p>Das ganze Lob gilt nat\u00fcrlich nicht zuletzt der Regisseurin, Helga Himmel, die den gut 200 Jahre alten Text Schillers mit Witz und Geschick in die Neuzeit versetzt, vor allem aber, da sie den immer aktuellen Kampf zwischen Jung und Alt durch die beiden Protagonistinnen vortrefflich herausstellt. Himmel, die in ihren Inszenierungen, so auch in dieser, die B\u00fchne von allem \u00dcberfl\u00fcssigem befreit, hat mit den Laienschauspielern ein extravagantes und sehenswertes Theater auf die Beine gestellt. \u00dcberzeugen sie sich selbst &#8211; noch bis Ende Juni!<\/p>\n<p>Maxi Matschke (Rezensent imagin\u00e4rer Inszenierungen des Grundkurses Deutsch, S. Orth)<\/p>\n<p><em>Redaktion: D. Zink<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nichtsw\u00fcrdiger! 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