{"id":750,"date":"2007-02-07T18:52:00","date_gmt":"2007-02-07T16:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/es-steht-und-faellt-ein-volk-mit-seinen-frauen-schiller\/"},"modified":"2014-07-26T15:58:24","modified_gmt":"2014-07-26T14:58:24","slug":"es-steht-und-faellt-ein-volk-mit-seinen-frauen-schiller","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2007\/02\/es-steht-und-faellt-ein-volk-mit-seinen-frauen-schiller\/","title":{"rendered":"Es steht und f\u00e4llt ein Volk mit seinen Frauen (Schiller)"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEs steht und f\u00e4llt ein Volk mit seinen Frauen&#8220; (Schiller)<\/p>\n<p>Intrigen, Religionskrieg, Machtgier, verletzte Eitelkeit&nbsp; &#8211; mit dieser Verfilmung von Schillers klassischem Drama \u201eMaria Stuart&#8220;, welches im Zeitalter von Aufkl\u00e4rung und Revolution verfasst wurde und die Thronstreitigkeiten im absolutistischen England des 16. Jahrhunderts thematisiert, hat sich der Regisseur Heinz Schirk 1986 wohl einem der bekanntesten deutschsprachigen historischen Trauerspiele gewidmet.<\/p>\n<p>Im Machtkampf der beiden so kontrovers angelegten K\u00f6niginnen Elisabeth und Maria Stuart um die englische Krone, wobei pers\u00f6nliche Feindschaften, Eifersucht, Leidenschaften und \u00c4ngste die Menschen antreiben, werden politische Argumente und religi\u00f6se Motive vorgeschoben.<\/p>\n<p>Maria Stuart (Anja Kruse), die katholische K\u00f6nigin von Schottland, h\u00e4lt sich f\u00fcr die legitime Anw\u00e4rterin auf den englischen Thron. Nicht nur deswegen sieht die regierende anglikanische K\u00f6nigin Elisabeth (Daniela Ziegler) in ihr die gro\u00dfe Bedrohung ihres Lebens.<\/p>\n<p>In einer Welt, die nicht Platz zu geben scheint f\u00fcr beide, stehen sie sich in einer klassischen Konfliktsituation gegen\u00fcber:<\/p>\n<p>Auf der einen Seite Elisabeth, die stolze, eitle und nahezu arrogant wirkende Monarchin, zur Herrschaft begabt und mit einem Willen zur Macht ausgestattet, der sie in die Einsamkeit der Herrschaft treibt.<\/p>\n<p>Und auf der Gegenseite Maria Stuart, von der Natur mit all jenem beschenkt, was Elisabeth abgeht &#8211; Sch\u00f6nheit, Jugend, Leichtsinn und Erotik.<\/p>\n<p>Diese unterschiedlichen Eigenschaften werden durch die beiden Protagonistinnen sowohl durch Gestik, Mimik und K\u00f6rperhaltung als auch durch Rede- und Verhaltensweisen nahezu perfekt verk\u00f6rpert, da die Rollen ihnen wie auf den Leib geschneidert wirken. Selbst der Altersunterschied scheint mit jenem aus Schillers St\u00fcck \u00fcbereinzustimmen.<\/p>\n<p>Die Unterschiede bez\u00fcglich der beiden Frauen beginnen bei Schirk bereits bei der Wahl der Kost\u00fcme: W\u00e4hrend Maria meist ganz in Schwarz gekleidet ist und ein Kruzifix um den Hals tr\u00e4gt, bevorzugt Elisabeth die Farbe Gold bei ihrer Kleiderwahl, welche ihren Status als rechtm\u00e4\u00dfige K\u00f6nigin und ihre Machtposition untermauern soll.<\/p>\n<p>Den Wortwechsel zwischen den beiden, bei deren einziger Begegnung im Park, \u00fcberzieht der Regisseur jedoch ungl\u00fccklicherweise, indem er ihn in Handgreiflichkeiten ausarten l\u00e4sst, was die ganze Situation ins L\u00e4cherliche zieht. Auch der eigentlichen Intention Schillers, hinsichtlich der Sympathielenkung auf Maria, kommt Schirk in dieser Szene nicht nach. Im Gegenteil wirkt Anja Kruse bei der hysterischen Dem\u00fctigung Daniela Zieglers geradezu l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p>Zur Ausschaltung ihrer Kontrahentin hat Elisabeth ihre j\u00fcngere und von den M\u00e4nnern aufgrund von ihrer unbeschreiblichen Sch\u00f6nheit begehrte Blutsverwandte Maria arretieren lassen und stellt sie mit Hilfe einiger kontroverser Indizienbeweise wegen Hochverrats vor Gericht. Elisabeth, welche in Schirks Interpretation von einem Mitglied ihres Kronrats, Lord Leicester, manipuliert wird und in dieser Situation nicht mehr als starke K\u00f6nigin zu erkennen ist, schreckt aber vor dem letzten Schritt zur\u00fcck, die Exekution ihrer Blutsverwandten zu unterschreiben, da sie die Wankelm\u00fctigkeit ihres Volkes f\u00fcrchtet.<\/p>\n<p>In einer invertierten Machtwelt sind es hier die M\u00e4nner, die &#8211; st\u00e4ndig am Rande von Rebellion und B\u00fcrgerkrieg &#8211; um die Gunst der beiden Kontrahentinnen im Zentrum der Macht ringen. Den jungen hitzig und hysterisch reagierenden Mortimer, der verdeckt auf Marias Seite gewechselt ist und bei Schirk zur tragikomischen und geradezu l\u00e4cherlichen Figur verkommt, treibt seine Besessenheit bez\u00fcglicher der Rettung Marias gar in den&nbsp; Selbstmord. Selbst Elisabeths engster und langj\u00e4hriger Vertrauter und vermeintlicher Geliebter Leicester (Dietrich Mattausch) hat Maria in einem Brief seine Hilfe angeboten und missbraucht so Elisabeths erotische Abh\u00e4ngigkeit schamlos. Seine Rolle als hinterh\u00e4ltiger und kaltherziger Opportunist wird durch Dietrich Mattauschs Interpretation hervorragend vermittelt. Marias entschiedenster F\u00fcrsprecher und Verfechter der Gesetzestreue und Barmherzigkeit in der Person von Graf von Shrewsbury wird in Schirks Inszenierung bedauerlicherweise nur geringf\u00fcgig beachtet. Auch die Figur des Barons von Burleigh, der wohl heftigste Gegner Marias und eiskalt berechnende Vertreter der Staatsraison, wirkt bei Schirk abgeschw\u00e4cht und eher blass.&nbsp; In ihrem waghalsigen Spiel um Liebe und Verrat werden die M\u00e4nner zur eigentlichen Gefahr f\u00fcr Maria und deren Leben, woraufhin Maria am Ende hingerichtet wird.&nbsp;<\/p>\n<p>Heinz Schirk hat sich bei seiner klassischen Inszenierung sehr stark an Schillers Werk gehalten, sowohl was die Zeit des Geschehens als auch die Charakterz\u00fcge der einzelnen Figuren angeht. Kost\u00fcme und prunkvolles B\u00fchnenbild mit Holzvert\u00e4felungen in den R\u00e4umen des Schlosses sind wie die Requisiten dem zeitgem\u00e4\u00dfen Rahmen und den damit verbundenen Lebensverh\u00e4ltnissen am Hof angepasst und selbst die Sprache wurde, von K\u00fcrzungen des Textes abgesehen, nahezu unver\u00e4ndert aus Schillers Werk \u00fcbernommen, auch wenn die Intention des St\u00fccks sicherlich auch auf die Gegenwart \u00fcbertragbar gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Gelungen ist die Inszenierung in jedem Fall, auch wenn sie, &#8211;&nbsp; trotz der \u00fcberzeugenden Leistung der Schauspieler -, nicht so einzigartig ist, dass man sie f\u00fcr immer in Erinnerung behalten wird.<\/p>\n<p>Kathrin Mohler&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p>(K. Mohler befasst sich im Grundkurs Deutsch hauptberuflich mit Fernsehinszenierungen, daneben ist sie hauptberuflich auch noch in anderen F\u00e4chern aktiv und erfolgreich; Grundkurs S. Orth)<\/p>\n<p>Redaktion: D. Zink &nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs steht und f\u00e4llt ein Volk mit seinen Frauen&#8220; (Schiller) Intrigen, Religionskrieg, Machtgier, verletzte Eitelkeit&nbsp; &#8211; mit dieser Verfilmung von Schillers klassischem Drama \u201eMaria Stuart&#8220;, welches im Zeitalter von Aufkl\u00e4rung und Revolution verfasst wurde und die Thronstreitigkeiten im absolutistischen England des 16. 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