{"id":760,"date":"2009-11-24T13:22:00","date_gmt":"2009-11-24T11:22:00","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/rollenerwartungen-2009-die-sicht-eines-schuelers\/"},"modified":"2014-07-26T15:58:07","modified_gmt":"2014-07-26T14:58:07","slug":"rollenerwartungen-2009-die-sicht-eines-schuelers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2009\/11\/rollenerwartungen-2009-die-sicht-eines-schuelers\/","title":{"rendered":"Rollenerwartungen 2009: Die Sicht eines Sch\u00fclers"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Mann findet sich heutzutage in einem Konflikt wieder: wie modern darf, wie traditionell muss er sein? Wo liegen die Grenzen und bis zu welchem Punkt d\u00fcrfen diese ausgereizt werden? <\/strong><\/p>\n<p>Traditionell gilt der Mann im Sinne der Bezeichnung als \u201eHerr im Haus&#8220;, Ern\u00e4hrer, Versorger und Besch\u00fctzer seiner Familie. Doch auch Frauen dr\u00e4ngen zunehmend in diese Rolle. Noch vor wenigen Jahren herrschte ein festes Rollenbild: der Mann geht arbeiten, macht Karriere und verdient den Lebensunterhalt, w\u00e4hrend die Frau zu Hause bleibt, den Haushalt \u00fcbernimmt, sich um die Kinder k\u00fcmmert und abends das Essen auf den Tisch bringt. Was aber, wenn die Frau ihren Karrierew\u00fcnschen nachgeht? Wenn \u201eMann&#8220; nach einem harten Arbeitstag nach Hause kommt und ihn weder eine herzliche Begr\u00fc\u00dfung, noch ein warmes Essen erwartet? Ein vielleicht sogar \u00fcberschaubares Problem, doch gleichzeitig nur die Spitze des Eisbergs. Denn was tun, wenn die Frau am Monatsende auf einmal mehr Geld per Gehaltsscheck in die Beziehung einbringt? Wenn eine Bef\u00f6rderung ansteht, der Job pl\u00f6tzlich von der Halbtags- zur Vollzeitbesch\u00e4ftigung wird? F\u00fcr den Mann ist es schwer, mit dieser empfundenen Abwertung der eigenen Leistungen umzugehen. Und weder der Haushalt noch der Nachwuchs k\u00f6nnen auf Aufmerksamkeit zu Gunsten m\u00fctterlicher Karrierechancen verzichten. Die Frau bringt sich auf einmal voll in ihrem Job ein, der Mann muss zur\u00fcckstecken, traditionell weibliche Aufgaben \u00fcbernehmen und sich zu Hause einbringen. Die Rolle des Hausmannes ist geboren. Putzen, Kochen, W\u00e4sche waschen, die Kinder von morgens bis abends betreuen: welcher Mann br\u00fcstet sich vor Freunden und Kollegen damit, diese eigentlich zweifellos wichtigen und verantwortungsvollen Aufgaben \u00fcbernehmen zu m\u00fcssen? Wie m\u00e4nnlich darf \u201eMann&#8220; sich als Hausmann noch f\u00fchlen? Die Emanzipation der Frau schreitet stetig voran, Frauen stehen l\u00e4ngst in vielen Bereichen auf einer Stufe mit den M\u00e4nnern und niemand w\u00fcrde bestreiten, dass diese Entwicklung eine gute ist. Doch wie vertr\u00e4gt sich dieses Voranschreiten weiblichen Selbstbewusstseins mit dem Ego der M\u00e4nner? Wie lange k\u00f6nnen M\u00e4nner das Eindringen der Frauen in typische M\u00e4nnerdom\u00e4nen noch ertragen und akzeptieren? Aufgaben, die einst klar der Frau zugeordnet waren, m\u00fcssen weiter erf\u00fcllt werden, folglich zwangsweise zunehmend durch M\u00e4nner. Wie viel Frau muss \u201eMann&#8220; werden um dies ausreichend zu bewerkstelligen, wie viel Frau darf \u201eMann&#8220; werden um gleichzeitig nicht das Gesicht vor Geschlechtskollegen und auch sich selbst zu verlieren? Ein schmaler Grat den es hier zu bewerkstelligen gilt, Grenzen sind beidseitig schnell \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Der Mann als starkes Geschlecht ist also eine Bezeichnung, die zunehmend eingegrenzt wird. Gleichzeitig aber steigt die Erwartungshaltung der Frau an den Mann, sodass mittlerweile schon eine gewisse Schizophrenie von N\u00f6ten ist, um allen Anforderungen bestm\u00f6glich gerecht zu werden. Stark sein, mutig sein, Besch\u00fctzer sein, selbstbewusst sein, keinen Schmerz zeigen, nicht weinen; alles andere macht den Mann zum Weichei. Gleichzeitig wird ihm aber Einf\u00fchlverm\u00f6gen, liebevolles und r\u00fccksichtsvolles Verhalten sowie F\u00fcrsorge abverlangt. Dinge die sich zwar nicht ausschlie\u00dfen, aber doch so gegenteiligen Charakterz\u00fcgen entsprechen, dass sie kaum in ein und derselben Person zu finden sein k\u00f6nnen. Wer Gef\u00fchle zeigt enth\u00fcllt einen sensiblen Charakter. Eine sympathische Eigenschaft im richtigen Moment, im falschen jedoch geradezu ein Armutszeugnis f\u00fcr einen Mann. Die Situation richtig einzusch\u00e4tzen erscheint offensichtlich, gestaltet sich aber durchaus kompliziert. Schnell schl\u00e4gt die Stimmung um und der Sensible sieht sich dem Vorwurf des Weicheis ausgesetzt. Ebenso kann aber auch der Starke, Selbstbewusste in der weiblichen Wahrnehmung von einem Moment auf den anderen zum gef\u00fchlskalten Klotz werden.<\/p>\n<p>Viele Fragen, die \u201eMann&#8220; sich stellt, doch die Suche nach den richtigen Antworten gestaltet sich schwierig. Nur eines wird deutlich: ohne dies vielleicht zu wollen, engen Frauen auf der Suche nach pers\u00f6nlicher Erf\u00fcllung in ehemals vor allem durch M\u00e4nner gepr\u00e4gten Bereichen diese zunehmend ein, dr\u00e4ngen sie in Gewissenskonflikte und erkennen doch gar nicht, wie belastend sich das alles auf das m\u00e4nnliche Seelenleben auswirkt.<\/p>\n<p>Aurel Staller, K13, 23.11. 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Mann findet sich heutzutage in einem Konflikt wieder: wie modern darf, wie traditionell muss er sein? Wo liegen die Grenzen und bis zu welchem Punkt d\u00fcrfen diese ausgereizt werden? 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