{"id":806,"date":"2006-02-06T07:18:55","date_gmt":"2006-02-06T05:18:55","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/ausstellung-ueber-elias-canetti\/"},"modified":"2014-07-26T15:58:24","modified_gmt":"2014-07-26T14:58:24","slug":"ausstellung-ueber-elias-canetti","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2006\/02\/ausstellung-ueber-elias-canetti\/","title":{"rendered":"Ausstellung \u00fcber Elias Canetti"},"content":{"rendered":"<h3>Das Jahrhundert an der Gurgel packen<\/h3>\n<p>Der Roman \u201eDie  Blendung\u201c. Noch nie geh\u00f6rt? Elias Canetti. Unbekannt? Mangel an Bildung  w\u00fcrden nun sofort einige Kulturjournalisten attestieren und frohlocken,  dass Elias Canettis Roman \u201eDie Blendung\u201c zum Kanon der deutschen  Literatur geh\u00f6re.<\/p>\n<p>Ausgerechnet zum Deutschen. Als Kind h\u00e4tte  Elias Canetti das wohl ge\u00e4rgert: Deutsch war die \u201eZaubersprache\u201c der  j\u00fcdischen Eltern. Alles was die Kinder nicht verstehen sollten wurde  nicht auf Bulgarisch oder Spaniolisch, sondern auf Deutsch gesagt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" title=\"canetti.jpg\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2006\/02\/canetti.jpg\" border=\"0\" alt=\"canetti.jpg\" \/><\/p>\n<p>Die  Methode, mit welcher Canetti nach dem Tod des Vaters der geheimen  Sprache m\u00e4chtig wurde, eher brachial: Die Mutter sagt ihm S\u00e4tze auf  Deutsch vor, erkl\u00e4rt dann auf Englisch die Bedeutung. Danach ist den  ganzen Tag eigenst\u00e4ndige Wiederholung im Kopf angesagt um f\u00fcr die  Abfrage am n\u00e4chsten Tag gewappnet zu sein und sich dabei die Klagen der  Mutter anh\u00f6ren zu m\u00fcssen: \u201eIch habe einen Idioten zum Sohn.\u201c<\/p>\n<p>Immerhin  war Elias Canetti nicht idiotisch genug, sich schon als j\u00fcnger Sch\u00fcler  an einem M\u00e4dchenpensionat so richtig von den Frauen verw\u00f6hnen zu lassen.  Es hat ihm dort gefallen, dem \u201ekleinen Prinz\u201c; nur von Frauen und  B\u00fcchern umgeben. Wenn man seine zahlreichen Aff\u00e4ren betrachtet, die  Elias Canetti sp\u00e4ter zu f\u00fchren pflegte, k\u00f6nnte man durchaus sagen, dass  ihn diese Zeit irgendwie gepr\u00e4gt hat.<\/p>\n<p>So sagte einmal eine  Freundin \u00fcber ihn \u201eEs sei, als k\u00f6nnte er einem die Sch\u00e4deldecke abnehmen  und hineinschauen.\u201c Fr\u00fch \u00fcbt sich, was einmal ein Frauenversteher  werden will.<\/p>\n<p>Doch auch nachdem die roten Lebenss\u00e4ulen mit Elias  Canettis Biographie abgehakt sind, taucht in dem Teil der Ausstellung,  die sich mit den Werken Canettis besch\u00e4ftigt, das Thema Deutsch aus  seiner Kindheit wieder auf: Er w\u00e4hlte es als seine Werkssprache, unter  anderem aus Protest gegen die Nationalsozialisten, die ihm zwar  Deutschland wegnehmen konnten, aber nicht die Sprache. Auch eine Art  Widerstand gegen das Regime.<\/p>\n<p>Als er 1981 die Nachricht im Radio  h\u00f6rt, dass er den Literatur- Nobelpreis erh\u00e4lt, schreibt er mit einem  seiner 40 gespitzten und st\u00e4ndig auf dem Schreibtisch bereit liegenden  Bleistifte folgenden Satz: \u201eIch m\u00f6chte in Stockholm die Rede gegen den  Tod halten. Es soll die Rede meines Lebens sein.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;\u201eAber ich werde sie nicht halten\u201c steht am n\u00e4chsten Tag darunter gekritzelt.<\/p>\n<p>Elias  Canetti- ein Mann zwischen dem Anspruch perfekt zu sein und der eigenen  Blockade ihn zu erf\u00fcllen. Doch eine Sache, die hat er perfekt  inszeniert: sich selbst. Seine Tageb\u00fccher d\u00fcrfen erst 2024  ver\u00f6ffentlicht werden, das wollte er so. Mal sehen, was wir in der  Zukunft Spannendes aus dem Jenseits h\u00f6ren werden.<\/p>\n<p>Franziska Ernst, K13<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Jahrhundert an der Gurgel packen Der Roman \u201eDie Blendung\u201c. Noch nie geh\u00f6rt? Elias Canetti. Unbekannt? Mangel an Bildung w\u00fcrden nun sofort einige Kulturjournalisten attestieren und frohlocken, dass Elias Canettis Roman \u201eDie Blendung\u201c zum Kanon der deutschen Literatur geh\u00f6re. Ausgerechnet zum Deutschen. 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