{"id":928,"date":"2011-07-17T14:59:10","date_gmt":"2011-07-17T12:59:10","guid":{"rendered":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/neue-perspektiven-im-deutschunterricht\/"},"modified":"2014-07-26T15:57:52","modified_gmt":"2014-07-26T14:57:52","slug":"neue-perspektiven-im-deutschunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/2011\/07\/neue-perspektiven-im-deutschunterricht\/","title":{"rendered":"Neue Perspektiven im Deutschunterricht"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"kamera1\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2011\/07\/kamera1.gif\" width=\"492\" height=\"369\" \/><\/p>\n<p>Schule aus, Fernseher an. Ein bisschen abschalten, sp\u00e4ter Computer anschalten. Erst mal Facebook-Account checken, mal schaun, was es so Neues gibt. Ah, da hat ja wer einen Link zu einem lustigen Youtube-Video gepostet.<\/p>\n<p>Dass moderne Medien einen gro\u00dfen Stellenwert im Leben der Sch\u00fcler haben, ist nun wahrlich keine Neuigkeit mehr. Das kann man nun gut finden oder auch nicht, \u00e4ndern jedoch kann man diese Angewohnheiten kaum. Was man jedoch \u00e4ndern kann, ist der Umgang mit diesen neuen Formen der Unterhaltung. Hier ist es Aufgabe der Schule, sich auf die Neuerungen in der allt\u00e4glichen Welt der Jugendlichen einzustellen und entsprechend zu reagieren. Es darf dabei nicht aber darum gehen, die neuen Medien zu verteufeln, sondern vielmehr, den Sch\u00fclern Hilfestellungen f\u00fcr einen kompetenten Umgang mit ihnen zu geben. Das meint weniger die unmittelbare Bedienung als vielmehr die F\u00e4higkeit, diese neuen Kulturg\u00fcter kritisch betrachten und in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang einordnen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Seit einigen Jahren laufen deshalb bunte Filmchen auf den Projektionsfl\u00e4chen im Graf-Rasso, die dem routinierten Fernsehkonsumenten nur allzu gut aus unz\u00e4hligen Werbepausen bekannt sind. Bunte Filmchen? Wunderbar, mag sich da der eine oder andere Sch\u00fcler denken. Da lehn\u2019 ich mich zur\u00fcck und lass mich mal ordentlich berieseln. Weit gefehlt! Ganz genau hinsehen soll man, und dann auch noch \u00fcberlegen, wieso der Regisseur wohl das beworbene Produkt in Sekunde 0.12 in der Einstellungsgr\u00f6\u00dfe Nah aus der Vogelperspektive darstellt und das Ganze mit sanfter Musik unterlegt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"kamera 2\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2011\/07\/kamera%202.gif\" width=\"492\" height=\"369\" \/><\/p>\n<p>Das 21. Jahrhundert hat mit all seinen medialen Herausforderungen Einzug gehalten in den Deutschunterricht: Filme, das sind besondere Texte, die nach bestimmten Mustern und mit verschiedenen Mitteln ihre Botschaften transportieren. Einen Film in seiner Wirkung auf den Zuschauer zu durchschauen, das ist gar nicht so viel anders, als einen Zeitungsartikel oder einen Prosatext unter die Lupe zu nehmen. Wer einem Film genauso kritisch begegnen kann wie einem Text, der erkennt erst, mit welcher Finesse hier gearbeitet wird: Ein 20-sek\u00fcndiger Werbefilm ist \u00e4hnlich durchkonstruiert wie ein Gedicht, keine Stelle ist dem Zufall \u00fcberlassen, alles ist bis ins Detail durchdacht und auf den Punkt gebracht. Ist es Zufall, dass die Werbebranche mit den gleichen sprachlichen Mitteln arbeitet wie ein Dichter? Wohl kaum\u2026<\/p>\n<p>Um den neuen \u201eTexten\u201c Herr zu werden, ist wiederum eine F\u00e4higkeit gefragt, die bereits aus dem Deutschunterricht bekannt ist: Die ganz genaue Betrachtung aller Details. Wer das einmal bei einem kurzen Film versucht, der merkt, wie viele Ebenen es hier gibt, auf die man achten muss: Neben dem reinen Geschehen spielen die Kameraf\u00fchrung, die Perspektiven, die Musik, diverse Ger\u00e4usche, der Schnitt, die Beleuchtung und vieles andere eine Rolle. Um all diese Ebenen fassen zu k\u00f6nnen, ist die Kunst des exakten Protokolierens gefragt, denn erst nach einer detaillierten Mitschrift wird klar, wie die einzelnen filmischen Mittel zusammenwirken. Dem guten alten Protokoll, hinl\u00e4nglich bekannt aus Vereinssitzungen und Gesch\u00e4ftstreffen, wird somit ein ganz neuer Zweck zugef\u00fchrt, es entsteht ein Medienprotokoll.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" alt=\"kamera3\" src=\"https:\/\/home.graf-rasso-gymnasium.de\/home\/files\/2011\/07\/kamera3.gif\" width=\"492\" height=\"369\" \/><\/p>\n<p>Um genau beschreiben zu k\u00f6nnen, mit welchen Mitteln im Film gearbeitet wird, m\u00fcssen au\u00dferdem neue Fachbegriffe gelernt werden. Um diese f\u00fcr die Sch\u00fcler greifbarer zu machen, ist die Klasse 9d dieses Schuljahr ausger\u00fcstet mit einer Kamera losgezogen und hat \u00fcberlegt: Wie weit m\u00fcssen wir heran zoomen, damit aus einer Totalen eine Halbtotale wird? D\u00fcrfen wir bei Halbnah die F\u00fc\u00dfe abschneiden oder ist das dann schon Amerikanisch? Und wer traut sich, im Detail aufgenommen zu werden? Die Bilder wurden anschlie\u00dfend im Klassenzimmer aufgeh\u00e4ngt, dienten als Hilfestellung f\u00fcr weitere Analysen und halfen oftmals der Antwortfindung auf die Frage: Welchen Effekt erzielt eine bestimmte Darstellungsform? Da gen\u00fcgte oft schon ein schneller Blick auf die Bildergalerie. Und ganz unabh\u00e4ngig von aller medialer Kompetenz und kritischer Reflexion, ob nun Kameraeinstellung Detail oder Totale: Gerade das Kopfeinschalten hat bei der Arbeit mit Filmen sehr viel Spa\u00df gemacht!<\/p>\n<p>Text und Photos: Claudia Gschweng<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schule aus, Fernseher an. Ein bisschen abschalten, sp\u00e4ter Computer anschalten. Erst mal Facebook-Account checken, mal schaun, was es so Neues gibt. Ah, da hat ja wer einen Link zu einem lustigen Youtube-Video gepostet. 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