Terry Swartzberg im Religions- bzw. Ethikunterricht der 9. Klassen – Er verkörpert gelebtes Judentum im 21. Jh.

Am 27.1.2026, zufällig genau am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, war der Journalist Terry Swartzberg bei uns am Graf-Rasso-Gymnasium zu Gast. Als ich ihn bei einem öffentlichen Gespräch der Religionen Münchens zufällig kennenlernte, bekam ich mit, dass er auch an Schulen geht, um sein Anliegen, von jüdischem Leben zu erzählen und die Erinnerungskultur wachzuhalten, umzusetzen. Da sowohl im Religions- wie im Ethikunterricht das Thema Judentum im Lehrplan vorgegeben ist, lag es ziemlich nahe, ihn zu bitten, doch auch mal zu uns zu kommen.

Mit seiner zugewandten und fröhlichen Art kam er sofort mit allen, die unseren Schulaufgabenraum für diese Begegnung betraten, ins Gespräch und bezog im Handumdrehen alle in die Unterhaltung ein, die schnell noch nach einem freien Platz suchten.

Seit 13 Jahren trägt er jetzt immer, wenn er das Haus verlässt, die Kippa, die er in vielen verschiedenen Ausführungen hat. Mal ist er mit einer Bayern-München-Kippa unterwegs, mal mit einer, die zu einer bayerischen Tracht passen würde. Er setzt damit ein Zeichen gegen Antisemitismus und zeigt, dass es keine gute Idee ist, sein Judentum zu verstecken. Er ist gern Jude und das soll man auch sehen können. In fast allen Fällen macht er in der Öffentlichkeit damit auch gute Erfahrungen. Einmal hat er von einem Moslem auf der Straße dafür sogar ein Küsschen bekommen, weil der fand, so sollten es die Muslime in Deutschland auch machen: einfach offen zeigen, was sie glauben und sich nicht verstecken.

Wird Terry, der als gebürtiger Amerikaner darauf bestand, dass wir ihn alle duzten, wegen seiner Kippa angefeindet, setzt er sich zur Wehr. Natürlich gibt er zu, dass man sich zuerst einmal selbst schützen muss, wenn man bedroht wird. Aber in dem einen Fall handelte es sich um vier Schüler eines Gymnasiums und nachdem er den Direktor informiert hatte, dass er eingekreist und beschimpft worden war, kam sogar eine schriftliche Entschuldigung der Schüler und demnächst soll auch ein Gespräch stattfinden. Terry machte uns Mut sich nicht einschüchtern zu lassen und mit Betroffenen Solidarität zu zeigen.

Eineinhalb Stunden haben wir über Terrys lustige Ausführungen und Einfälle geschmunzelt, dann wieder gespannt seinen Erklärungen gelauscht und bei Videos und Gedichten über den Holocaust mit ihm zusammen in großer Stille Respekt gezeigt. Wir hatten alle zusammen vergessen, dass wir eigentlich gerade im Unterricht saßen.

Friederike Heine