In Begleitung unserer Lehrkräfte Frau Heine und Frau Then-Ikas haben wir, die Lateinkurse der Q12 und Q13, am 23. Januar die Glyptothek in München besucht. Dort durften wir die spannende Führung des Museumspädagogischen Zentrums „Porträts der Mächtigen. Die Selbstdarstellung der Römer“ erleben.
Besonders die Büsten des berühmten Dichters Homer, des einflussreichen Feldherren Alexander des Großen und des ersten römischen Kaisers Augustus haben wir bestaunen dürfen. Dabei lernten wir, dass diese Kunstwerke aus Stein in der Tat nicht primär zur Abbildung des tatsächlichen Aussehens der Personen dienten. Stattdessen haben die antiken Künstler sie genutzt, um die besten, inneren Charaktereigenschaften der verschiedenen Persönlichkeiten darzustellen. Gut und gerne wurde dabei auch etwas übertrieben.
Während etwa tiefe Falten heute als Makel angesehen werden, den es auf Fotos zu verdecken und zu retuschieren gilt, gaben sich Bildhauer in der Zeit der römischen Republik besonders große Mühe, diese Gesichtscharakteristik deutlich herauszuarbeiten – denn dieses Merkmal zeugte von der wertvollen Erfahrung, die der Römer in seinem Leben bereits gesammelt hat. Damit besaß er „Dignitas“, wie das erstrebenswerteste Ziel eines antiken römischen Politikers genannt wird, die Würde.
Oder die ursprünglich griechische Abbildung mit muskulösem Hals, vom Wind verwehten Haaren und einem markanten Gesicht: Deutlicher könnte man sich den erfolgreichen Feldherren Alexander den Großen nicht vorstellen.
Auch wenn wir heute zum Glück wissen, dass man die Eigenschaften eines Menschen nicht von seinem Aussehen ableiten kann und sollte, war diese Erkenntnis in der Antike nicht von Bedeutung. Vorurteile dominierten damals – es war jedem klar, dass ein schöner Mensch klug sein musste und ein hässlicher Mensch dumm. Wenn wir also eine Lehre aus der Selbstdarstellung der Antike für unser modernes Leben ziehen können, dann wäre das: „Animus valet.“ – Das Innere zählt.
Franziska Jaser und Friederike Heine
