Pompeji – Ergebnisse jüngster Ausgrabungen und deren Relevanz im Hinblick auf Lehrplaninhalte des Lateinunterrichts

Unter diesem Titel gab es bei uns am GRG am 13.10. eine RLFB (regionale Lehrerfortbildung). Dafür konnten wir die ausgewiesene Kennerin der jüngsten Ausgrabungen in Pompeji Renate Markoff gewinnen, die sich einen Teil jeden Jahres vor Ort aufhält, Kontakt zu Grabungsleitern und zum Generaldirektor des Archäologischen Parks Gabriel Zuchtriegel hält und als ehemalige Lateinlehrerin unermüdlich Fortbildung für Lehrkräfte und Studienfahrten für SuS anbietet.

Wie auch schon in vergangenen Veranstaltungen verzauberte sie uns mit ihren Fotos und ihrem Wissen über die neuesten Grabungen und Forschungsergebnisse.

Vor Kurzem konnten beispielsweise noch einmal 1000 neue Graffiti sichtbar gemacht werden, die noch gar nicht ausgewertet sind. Was erwartet uns da? Liebesschwüre, Verwünschungen, Wahlwerbung, Aufschluss über Personen, die in Pompeji gelebt haben, Zitate aus verschollenen Werken? Frau Markoff ermutigte uns, auch in der Wissenschaft Umstrittenes mit den SuS zu besprechen. Die SuS lieben es ihrer Erfahrung nach, in die Gedankenarbeit einbezogen zu werden und eigene Hypothesen aufstellen zu können.

Neue Ergebnisse gibt es auch zu den Hohlräumen, die schon der Archäologe Guiseppe Fuorelli (1823-1896) mit Gips ausgießen ließ und damit die beim Vesuvausbruch Umgekommenen sichtbar machen konnte. Was wir erst heute wissen: Trifft der heiße pyroklastische Strom eines Vulkans direkt auf die Menschen, dann bleiben nur Knochen übrig. Sterben die Menschen aber, weil der Bimsstein beispielsweise ihr Dach eingedrückt hat, so dass sie ganz von Bimsstein eingeschlossen wurden und wurde diese Bimssteinschicht später durch den pyroklastischen Strom verschlossen, so kann das organische Material zwar durch Sauerstoffreste verwesen, aber der Hohlraum bleibt wie von einer unsichtbaren Haut umgeben erhalten. Fuorelli ist es zu verdanken, dass er bei seiner Grabung ziemlich schnell auf diese Hohlräume aufmerksam wurde, sie dann bei seinen Grabungen systematisch durch Abklopfen des Bodens suchte und mit dem Gipsausguss eine Methode fand, ihrem Ursprung auf den Grund zu gehen. Die frühere Jagd der Bourbonen nach wertvollen Plastiken im verschütteten Pompeji hatten da schon einige Hohlräume zerstört. Auch die Methode, erst die Straßen und dann von der Seite die Häuser auszugraben, war dem Erhalt der Funde nicht gerade dienlich. Erst Fuorelli setzte durch, an jeder Stelle gleich vorsichtig von oben zu graben.

Dem bereits erwähnten Gabriel Zuchtriegel ist es nach Renate Markoff auch zu verdanken, dass wir unser Bild von der Zeit des Augustus noch einmal überdenken müssen. Wie er in seinem zweiten Buch „Pompejis letzter Sommer“ erläutert, gärte es auch zur Zeit des Augustus schon mächtig in Rom. Die alten Götter überzeugten nicht mehr. Mehr und mehr wandte man sich neuen Kulten und Geheimreligionen zu. Im Mithraskult und auch im frühen Christentum fanden die Menschen der damaligen Zeit offenbar viel eher Antworten auf ihre Fragen und Bedürfnisse als in der traditionellen Verehrung der olympischen Götter. Diese durch viele Inschriften untermauerte These von Zuchtziegel hat sicher die Kraft unser Bild von der Ruhe der augusteischen Zeit noch einmal ordentlich in Frage zu stellen.

Was kann man sich als Lateinlehrerin mehr wünschen, als dass es auch in unserem Fach etwas Neues zu entdecken gibt und es deshalb spannend bleibt?

Friederike Heine