Mirjam Pressler: Autorin und Übersetzerin zu Besuch am GRG

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Am 28.2. 2007 war die Kinder- und Jugendbuchautorin Mirjam Pressler zu Gast am GRG. Im Gespräch mit der 5a, 5e und der 6b sprach sie über die Entstehung Ihrer beiden Romane „Wenn das Glück vorbeikommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ und „Malka Mai“.

Die erste Pause ist noch nicht vorbei und dennoch warten im Raum 207, dem Schulaufgabenraum, bereits die Schüler der Klassen 5a, 5e und 6b, einige Lehrer und ein Blumenstrauß auf das Erscheinen der Jugendbuchautorin Mirjam Pressler. Die Stühle, welche noch nicht alle besetzt sind, sind auf die Bühne ausgerichtet, auf der Tisch, Stuhl und Wasser für den Gast bereitstehen,  dahinter eine große Pinnwand, auf der ein Foto von der Autorin zu sehen ist.

Dann betritt Mirjam Pressler den Raum, wird von den Lehrern herzlich begrüßt, der Blumenstrauß wird überreicht und in einer Vase neben dem Wasser platziert. Frau Orth informiert die Schüler über die Autorin und forderte sie auf,  auf  „Google“ nach der Autorin zu suchen, um einen Eindruck von deren Popularität zu bekommen (Haben wir gemacht: Ergebnis ca. 276.000 Einträge). Herr Körner geht anschließend noch auf Frau Presslers Übersetzung des Tagebuchs der Anne Frank ein.

Frau Pressler erzählt selbst etwas zu ihrer Person und eröffnet die Fragerunde. Die Schüler haben einige Fragen vorbereitet. Uns so erfahren sie dann eine ganze Menge über die Schriftstellerin:

Mirjam Presslers Lieblingsfächer waren Deutsch und Kunst, sie wollte in ihrer Kindheit unbedingt Malerin werden, was sie dann auch in die Tat umsetzte und freie Kunst studierte. Danach heiratete sie, brachte drei Töchter zur Welt, ließ sich scheiden und musste ihre Kinder alleine großziehen. Sie führte einen Jeansladen, der ihr aber nach acht Jahren gekündigt wurde. Das mit dem Schreiben entwickelte sich erst danach, als sie schon 39 Jahre alt war.

Sie liest für ihr Leben gern und seitdem sie lesen kann, hat sie immer ein Buch bei sich. Früher hatte sie mal versucht Tagebuch zu schreiben, doch fand ihre Pflegemutter das Buch und sie führte es lieber im Kopf weiter. Am liebsten liest sie realistische Romane von Jugendbuchautoren, was aber nicht immer so war. Das kann man heute zwar nicht ganz nachvollziehen, aber in ihrer Kindheit erzählten die meisten Kinder- und Jugendbücher von Geschichten, die man unter dem Namen „Hanni und Nanni“ zusammenfassen kann und es gab sonst nur Karl-May-Romane. Mit zwölf Jahren hätte man dann lieber zu Erwachsenenbüchern gegriffen. Deswegen war sie so überrascht, dass die Jugendbücher ihrer Töchter so wunderbar realistisch waren und las sie mit Begeisterung.

Angefangen zu schreiben habe sie dann mit 39 Jahren- natürlich ein realistisches Jugendbuch. Es heißt „Bitterschokolade“ und wurde 1980 mit dem „Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis“ ausgezeichnet. Ihre Vorbilder sind Autoren realistischer Bücher. Seitdem übersetzt sie auch aus den Sprachen Hebräisch, Jiddisch, Englisch, Niederländisch und Afrikaans,. Sie verfasst auch Gutachten, für Verlage, ob ein Buch übersetzt werden sollte.

Auf die Frage, ob ihr das Schreiben Spaß machen würde, antwortet sie schmunzelnd, dass sie seither nicht mehr gemalt habe. Sie liebt das Schreiben, es macht ihr Spaß, es ist fesselnd – ideal, um sich darin zu vertiefen. Man kann sich besser auf ein Thema konzentrieren und sich Gedanken darüber machen. Ob man nun ein guter Autor sei oder nicht, das ließe sich nicht schon an der Deutschnote festmachen, die hätte damit wenig zu tun. Sie kenne einen sehr guten Autoren, der früher bestenfalls eine Vier schrieb.

Ihre Themenbereiche sind sehr unterschiedlich, sie interessiert sich jedoch besonders für das Dritte Reich. Zu ihren eigenen Lieblingsbüchern zählen „Novemberkatzen“, welches auch verfilmt wurde, „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“, „Malka Mai“, „Ich sehne mich so“ (eine Anne Frank Biographie)  und „Lauf, Junge lauf!“.

Mit ihrem Vermutungen über die Entstehungszeit eines Buches überschätzten die Schüler die Autorin. Für ein Buch benötigt Mirjam Pressler ungefähr ein Jahr Zeit. Danach meint sie, ist sie zwar erleichtert, dennoch fällt sie in ein schwarzes Loch, da ihr plötzlich die tägliche Aufgabe fehle. Sie sei schließlich ein „Workaholic“. Meist arbeite sie dann an Übersetzungen weiter.

Ihre einzelnen Kapitel und auch fertige Bücher lässt die Autorin von ihren drei Töchtern zur Probe lesen, da sie sehr viel Wert auf deren Meinung legt. Eines der bevorzugten Elemente in ihren Büchern sind Sprichwörter, egal ob sie bereits existieren oder selbst erfunden sind. Für ihren Roman „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ betitelte sie jedes Kapitel mit einem Sprichwort. In der engeren Auswahl für den Buchtitel stand auch „Was braucht man Honig, wenn auch Zucker süß ist“. Den schließlich gewählten Titel findet sie besonders schön, da es wichtig sei, sein Glück zu erkennen und sich darüber zu freuen und es zu genießen.

Dieser Roman entstand, nachdem sie die Anfrage bekommen hatte, ein Kurzgeschichte von sechs bis sieben Seiten zu schreiben. Das Thema sollte eine wahre Geschichte aus der eigenen Kindheit sein. Frau Pressler dachte daran, über ihre Zeit in einem Heim zu schreiben, allerdings wollte sie sich selbst auf keinen Fall zum Hauptthema machen. Sie entschied sich dazu, einiges zu erfinden, um sich davon zu distanzieren. Als sie ihre Kurzgeschichte beendete, lag jedoch ein ganzer Roman vor ihr. Sie verriet, dass das Geheimversteck, in das die Romanheldin Halinka aus dem Buch immer flüchtet, auch in der Realität existierte, man es jedoch nur in der Nacht aufsuchen konnte, dennoch wurde es nie entdeckt.

Mirjam Pressler erzählte auch etwas über die Entstehungsgeschichte von „Malka Mai“. Eine alte Frau aus Palästina, welche den Holocaust überlebte, bat die Autorin, ihre Geschichte aufzuschreiben. Diese Frau wurde von ihrer Mutter während der Nazizeit verlassen und überlebte sieben Monate während der Kriegszeit ganz allein auf sich gestellt, hat daran aber keine einzige Erinnerung. Für diese „Leerstelle“, sollte Frau Pressler Ereignisse erfinden. Eigentlich hatte Mirjam Pressler keine wirkliche Lust, deswegen schob sie die Arbeit vor sich her, aber die Frau ließ nicht locker und rief die Autorin in regelmäßigen Abständen an, bis sich diese sich nach zwei Jahren dem Buch widmete. Noch heute telefonieren die beiden Frauen miteinander.

Nach einer kurzen Inhaltsangabe las sie eine Passage aus diesem Roman vor, in der aus der Sicht Malkas die Deportation von Juden aus dem Ghetto während des Naziregimes geschildert wird.

Nach dem Applaus nahm Frau Pressler sich die Zeit, alle Bücher zu signieren.

 

Bericht: Stephanie Engelkes und Nina Jäger (11d)

 

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Aus „Malka Mai“ las sie eine Passage vor, in der aus der Sicht des Mädchens Malka die Deportation von Juden aus einem Ghetto während des Naziregimes geschildert wird. 

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Beim anschließenden Signieren Ihrer Bücher, wurde Mirjam Dressler von den Schülern regelrecht belagert.  

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