Rudolf Herfurtner liest am GRG

„Schule ist mehr als Unterricht“ – dieses Motto prägte seit Anfang der Woche das schulische Leben am Graf-Rasso-Gymnasium in Fürstenfeldbruck.

Warum lässt sich eine Schülerlesebibliothek mit über 3000 Büchern bereits zum zweiten Mal extra mehr als 100 Bücher aus München schicken? Haben die Schülerinnen und Schüler nicht schon genug Auswahl an Büchern, die sie sich direkt in der Schule ausleihen können?
Diese Fragen mögen sich wohl einige Schülerinnen und Schüler gestellt haben, als sich in der Woche vom 26. Februar bis zum 2. März die Münchner Wanderausstellung „Die 100 Besten – neue Kinder und Jugendliteratur“ in den Räumen der Bibliothek befand. Doch die Neugier war scheinbar wieder groß, denn zahlreiche Schülerinnen und Schüler schmökerten in den von einer Jury ausgewählten und zusammengestellten Büchern, die unterschiedlichste Themen und Altersstufen ansprachen.

Doch was wäre ein Buch ohne seinen Autor bzw. seine Autorin. Damit die Schülerinnen und Schüler einen Eindruck von den Menschen hinter den Büchern sammeln konnten, wurden auch dieses Jahr Autoren an das Graf-Rasso-Gymnasium eingeladen. Hatte am 28. Februar Katja Brandis in der Aula des Gymnasiums für die 5. und 6. Klassen aus ihrer „Woodwalkers“ Serie gelesen, stand am 1. März für die Schülerinnen und Schüler der 7. und 8. Klassen eine Autorenlesung des renommierten, in München lebenden, freien Schriftstellers und Kinderbuchautors Rudolf Herfurtner auf dem Programm. Für seine Bücher, Theaterstücke und Hörspiele wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Rudolf Herfurtner ließ das Eis zwischen sich und den Kindern schnell brechen, indem er offen und herzlich über seine Kindheit in Wasserburg am Inn, den frühen Tod seiner Eltern und die sich anschließende Zeit auf einem Münchner Internat für Jungs sprach. Sein Vormund, ein evangelischer Pfarrer, schenkte ihm ein Tagebuch, in dem er seine ersten Erzählungen aufschrieb. Auch verfasste er Geschichten für die Schülerzeitung und sprach in diesem Zusammenhang von seiner Angst vor der Preisgabe von Gefühlen und der Veröffentlichung seiner Texte. Nach seinem Schulabschluss studierte er, obwohl es eigentlich sein Wunsch gewesen war, Theaterschauspieler zu werden, zunächst Germanistik und Anglistik, er entschied sich allerdings später für Theaterwissenschaften, was seinem weiteren Lebensweg prägen sollte. Besonders amüsant fanden die Schüler, dass Rudolf Herfurtner während seiner zehnjährigen Tätigkeit von 1970 bis 1980 bei einer Münchner Tageszeitung unter anderem auch als Kritiker für Rockmusik tätig war und aufgrund seiner Jugend Konzerte wie die der Rolling Stones und anderen Rockgrößen besuchen musste bzw. durfte und anschließend Kritiken darüber verfasste. Während seines Studiums schrieb er bereits Bücher, sein erstes wurde 1973 veröffentlicht. Erstaunt waren die Schüler auch, als der Autor ihnen erzählte, dass er noch nach guter alter Manier nur ein weißes Blatt und seinen Füller benötige, um seine Bücher zu schreibe, ein Computer habe auf seinem Schreibtisch keinen Platz.

In Anknüpfung an das Lutherjahr 2017 las er anschließend aus seinem historischen und spannenden Roman „Magdalena Himmelstürmerin – Ein Roman aus der Lutherzeit“ und zog die jugendlichen Zuhörer schnell in seinen Bann. Dabei brachte er den jungen Zuhörern aber nicht nur die historischen und sozialen Umstände der Zeit näher, sondern auch die Wichtigkeit einer möglichst genauen Recherche vor dem Schreiben eines Werkes. Er erzählte von seiner vierjährigen Vorbereitungszeit und schließlich war noch ein Jahr Schreibarbeit nötig.

Der Roman spielt im brandenburgischen Jüterbog zur Zeit der Reformation im Jahr 1517. Magdalenas kleine, überschaubare Welt gerät aus den Fugen, als der Vater und auch ihr zärtlich geliebter kleiner Bruder bei einem Bergwerksunglück ums Leben kommen: Statt für einen Arzt gibt die Mutter ihr Geld für Ablassbriefe aus. Als die Mutter die kleine Kate nicht mehr halten kann, wird Magdalena ins ferne Wittenberg zu ihrer Tante Elsbeth geschickt. In Wittenberg trifft sie nicht nur Veit wieder, einen Freund aus Kindertagen, sondern hört auch einen gewissen Doktor Luder predigen, bei dem Veit Theologie studiert. Die Tür zu einer neuen Welt öffnet sich Magdalena. Begierig nimmt sie Luthers Gedanken in sich auf. Sein Aufbruch ermutigt Magdalena, ihr Leben in die Hand zu nehmen – und dadurch bringt sie nicht nur sich selbst in große Gefahr.
Bereitwillig beantwortete Rudolf Herfurtner anschließend die Fragen der Schülerinnen und Schüler und signierte Bücher, sodass der Vortrag für alle Beteiligten ein interessantes und unterhaltsames Ereignis wurde. Es ist einfach ein Erlebnis, wenn ein Autor oder eine Autorin zum Anfassen in der Schule ist und Literatur an der Schule lebendig wird.