Vive l’amitié franco-allemande!

Hängen neben der bayerischen die deutsche, die französische und die europäische Flagge in der Aula, so kann das bedeuten: Wir haben Gäste aus Frankreich an der Schule. An einem 22. Januar jedoch ist dies ein Hinweis darauf, dass auch hier der Deutsch-Französische Tag (la journée franco-allemande) gefeiert wird. Um diesen Tag in angemessener Weise zu begehen, ist es am GRG seit einigen Jahren liebgewordene Tradition, dass in der Pause in der Aula fran­zösische Songs zu hören sind und die Fachschaft Französisch süße Nougatcroissants verkauft. Selbstverständlich werden auch im Unterricht immer wieder anlassbezogene Inhalte aufge­griffen. Erstmals konnte in diesem Jahr zudem ein Film über den Austausch mit La Chaux-de-Fonds gezeigt werden, das zwar in der französischsprachigen Schweiz liegt, aber unzweifel­haft ein attraktives Ziel für unsere französischlernenden Neuntklässler*innen darstellt.

Übrigens werden die Flaggen schon bald wieder hängen: vom 21. bis zum 28. März nämlich, wenn die französischen Austauschpartner*innen unserer Zehntklässlerinnen und Zehntklässler aus Chambéry am GRG zu Gast sind.

Zum Hintergrund des Deutsch-Französischen Tages:

Aus Feinden sollten Freunde werden – das war das Ziel des Élysée-Vertrags (Traité de l’Elysée) von 1963, den Bundeskanzler Konrad Adenauer und der französische Staatspräsident Charles de Gaulle am 22. Januar 1963 im Pariser Élysée-Palast unterzeichneten. Ein Ziel, das nur 18 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs keine Selbstverständlichkeit war!

Der Élysée-Vertrag legte den Grundstein für die Freundschaft zwischen den beiden Ländern Deutschland und Frankreich und den dauerhaften Frieden in Europa. Neben regelmäßigen Treffen von Regierungsvertretern fordert der Vertrag unter anderem Absprachen für eine möglichst gemeinsame Außen-, Europa- und Verteidigungspolitik. Auch die Gesellschaft und die Jugend sollen z.B. durch Sprachunterricht miteinander in Austausch kommen.

Ganz bewusst wurde beschlossen, sich gemeinsam den Erziehungs- und Jugendfragen zu widmen, um so eine Brücke für die Zukunft zwischen beiden Ländern zu schlagen. In der Folge dieses Beschlusses wurde bereits im Juli 1963 das Deutsch-Französischen Jugend­werks (DFJW) gegründet, das seither Treffen zwischen Jugendlichen beider Völker ermög­licht. Seit seiner Gründung habe das DFJW rund acht Millionen jungen Deutschen und Fran­zosen die Teil­nahme an rund 300.000 Austauschprogrammen ermöglicht.

Anlässlich des 40. Jahrestages der Unterzeichnung des deutsch-französischen Vertrages am 22. Januar 2003 erklärten der französische Präsident Jacques Chirac und Bundeskanzler Gerhard Schröder den 22. Januar zum „Deutsch-Französischen Tag“. Der erste „Deutsch-Fran­zösische Tag“ wurde am 22. Januar 2004 gefeiert.

Erst im vergangenen Jahr – am 22. Januar 2019 – unterzeichneten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Staatspräsident Emmanuel Macron im Krönungssaal des Aachener Rathauses einen weiteren Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit und Integration (frz. Traité sur la coopération et l’intégration franco-allemandes), kurz als Vertrag von Aachen oder Aachener Vertrag (frz. Traité d’Aix-la-Chapelle) bezeichnet. Deutschland und Frankreich erklären in diesem bilateralen Abkommen, sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts gemeinsam stellen zu wollen: Dazu gehören eine enge Abstimmung in der Europapolitik, eine starke gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und ein Wirtschaftsraum mit gemeinsamen Regeln.