Vorschläge zur Leseförderung (für Väter und Mütter)

Lesen: Vorschläge und Anregungen zur Förderung – für Väter und Mütter von (zukünftigen) Gymnasiasten

Lesen Sie selbst

Noch orientieren sich Ihre Kinder an Ihrem Freizeitverhalten. Nutzen Sie diesen Umstand und zeigen Sie Ihrem Kind, dass Ihnen Lesen wichtig ist, indem Sie selbst lesen –  nicht nur im Urlaub und nicht nur die Tageszeitung oder Sachbücher –  sondern auch im Alltag, am Wochenende. Bücher, die Sie selbst als Kind oder Jugendlicher als spannend und beeindruckend  erfahren haben, sind auch für Ihre Kinder interessant. Erzählen Sie von ihren eigenen Leserfahrungen. Selbst eher seltene Kinder- und Jugendbücher sind heute einfach über das Internet zu beschaffen. (siehe Adressenteil am Schluss).

Lesen Sie vor und lassen Sie sich vorlesen

Für das Lesen muss man sich Zeit nehmen, am besten regelmäßig, immer zu einer festgelegten Uhrzeit, an einem bestimmten Tag der Woche. Lesen Sie selbst vor. Gerade anspruchsvollere Bücher eignen sich für eingeschobene oder abschließende Verständnisgespräche mit Kindern. Lassen Sie sich vorlesen. Bleiben Sie dabei geduldig und verbessern Sie nicht ständig.

Seien Sie kritisch bei der Auswahl von Büchern: Ihr Kind soll nach und nach lernen, dass seine Lektüre Ansprüchen genügen muss, wenn das Lesen spannend bleiben soll.

Machen Sie es also nicht zu einfach: Lesestoff, den Sie aussuchen oder vorlesen, sollte sich am oberen Verständnisniveau orientieren. Kinder- und Jugendliteratur wird meistens mit einer recht vorsichtigen Altersempfehlung veröffentlicht. Bücher für 10- und 11-Jährige sind häufig schon für Ihr Kind im Alter von neun Jahren geeignet.

Achten Sie aber darauf, wenn Ihr Kind desinteressiert und gelangweilt wirkt, oder sogar Ablehnung signalisiert. Möglicherweise ist der Text noch zu schwierig. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die Gründe für einen Abbruch der Lektüre.

Lesen zu dürfen und Vorlesen sind eine Belohnung!

„Nur noch fünf Seiten!“ Wer liest, sollte abends ein wenig länger aufbleiben dürfen. Vorlesen kann auch als Belohnung eingesetzt werden, für gute Leistungen in der Schule, Mithilfe im Haushalt usw. 

Lesevorrat: Gehen Sie regelmäßig in die öffentlichen Büchereien

Beschaffen Sie für sich und Ihr Kind einen Bücherei-Ausweis der Gemeindebibliothek oder der Stadtbibliothek Aumühle. Erkunden Sie gemeinsam die Bestände der Bibliothek. Lassen Sie dabei Ihr Kind ruhig auch mal allein dort, so dass es Zeit findet, sich umzusehen.

Achten Sie auf Sonderveranstaltungen der Büchereien (Themennachmittage, Lesenächte, Autoren-Lesungen) und nutzen Sie diese Angebote, sie werden regelmäßig in den Tageszeitungen angekündigt.

Lesehunger stillen: preiswerte Bücherflohmärkte

Bücher lassen sich kostengünstig (Preise zwischen 0,25 und 2,00 €) auf Bücherflohmärkten beschaffen. Große Frühjahrs-Bücherflohmärkte finden in Gröbenzell, Puchheim und Fürstenfeldbruck (dort im Klosterareal) statt. Räumen Sie Ihrem Kind bei einem Bücherflohmarkt ein kleines Budget ein und lassen Sie es selbst dort einkaufen. Riskieren Sie dabei auch, dass auch gelegentlich noch Ungeeignetes gekauft wird.

Leseanreize schaffen: Museen, Kino und Video

Mit zusätzlichen Anreizen lassen sich manche Kinder zum Lesen verführen. Die „Belohnung“ sollte lektürenah sein: Erst nach der Lektüre  von „Das fliegende Klassenzimmer“ (Erich Kästner) sollten Sie die Verfilmung im Kino besuchen oder das betreffende Video ausleihen.

Auch andere Belohnungen kommen in Frage: Tiergeschichten könnten mit einem Besuch im Tierpark verbunden werden, Science Fiction Bücher mit einem Besuch im Deutschen Museum.

Lesechancen nutzen: Zeit zum Lesen 

Anlässe vorzulesen und selber zu lesen gibt es viele, z.B. eine mehrtägige Erkrankung, anhaltendes Regenwetter, lange Autofahrten oder S-Bahn-Wartezeiten. Mit etwas Phantasie lässt sich auch ein Kindergeburtstag mit Lesen und Lesespielen bestreiten. Langweilt sich Ihr Kind, sollten Sie nicht gleich nachgeben, indem Sie Fernsehen/Video oder Computerspielen zulassen. Kinder brauchen Langeweile, um Erlebtes (und auch Gelesenes) zu verarbeiten, um kreatives Spielen oder das Interesse an einem Buch zu entwickeln. Allzuviele Kinder lesen deshalb nicht, weil jeder zeitliche Freiraum sofort mit anderen Aktivitäten zugeplant wird. 

Leseeinstellungen vermitteln: Bücher als besonderer Gegenstand

Bücher werden „hergenommen“, das wird nicht zuletzt auch an den lernmittelfreien Schulbüchern deutlich, die bereits nach dem Gebrauch in nur einem Schuljahr teilweise sehr „mitgenommen“ an uns zurückgelangen.

Essen und Trinken während des Lesens sollte die Ausnahme sein.

In unserer Gesellschaft scheint mittlerweile die Einstellung vorzuherrschen, Bücher seien ein Verbrauchsgegenstand wie jeder andere auch. Der Zustand so manchen teuren Buchs in Leihbibliotheken etwa, lässt darauf schließen, dass sich viele Leser keinen Deut darum scheren, dass er sein Lesevergnügen auch achtsamen vorherigen Benutzern verdankt. Wer Bücher gedankenlos in den Altpapier-Container oder mit dem Hausmüll entsorgt, oder zum Beispiel zulässt, dass Kinder im unaufgeräumten Zimmer auf Büchern herumlaufen, verdeutlicht ungewollt damit auch seine eigene Einstellung zu Büchern.

Woran Sie merken, dass Ihr Kind auf dem richtigen Weg ist:

Ihr Kind

  • ist für längere Zeit „auffällig ruhig“ in seinem Zimmer;
  • lässt Bücher herumliegen; 
  • nutzt „Leerlauf“ im Tagesgeschehen, um zu lesen;
  • erzählt von seinen Leseerfahrungen;
  • spielt Figuren und Handlungsabläufe seiner Lektüre nach;
  • will mehr Titel einer Buchreihe lesen. 

Unterstützen Sie Ihr Kind, z.B. indem

  • Sie eine ungestörte Leseecke, einen gemütlichen Sessel, ein Sofa für’s Lesen einrichten;
  • Sie für Rücksicht sorgen: Lesen hat Vorfahrt vor dem Fernsehen, Computerspielen und Radiohören anderer; 
  • Sie Büchern einen prominenten Platz im Kinderzimmer einräumen, ein Regal ist besser, als eine Kiste unter dem Bett. 

Text, Redaktion: D. Zink 5/10/04