Besuch im Regenwald

Leistungskurs Erdkunde

Ein Abend mit dem Präsidenten des Ashaninka-Volks und Bürgermeister Monatzeder

Der LK Erdkunde (K13) informierte sich am 12.10. 2004 im Eine-Welt-Haus München aus erster Hand über aktuelle Entwicklungen im peruanischen Regenwald. Mit einem Kurzfilm illustrierten Guillermo Naco, Präsident der Ashaninka-Indianer im peruanischen Quellflussgebiet des Amazonas, und Hep Monatzeder, Münchens 3. Bürgermeister, ihren Bericht über eine gemeinsame Peru-Reise im August 2004.

Zweck der (privat vom Bürgermeister finanzierten!) Reise war die Intensivierung der Beziehungen zwischen der Stadt München und den Ashaninka-Indianern im Rahmen des Klimabündnisses, dem mittlerweile mehr als 2000 europäische Städte angehören. Die Stadt München unterstützt die Ashaninka seit 1999 in finanzieller, organisatorischer und politischer Hinsicht. Infolge ihrer politischen Anstrengungen kontrollieren die Ashaninka in Peru mittlerweile 700 000 ha intakten Regenwald.

Die von Guillermo Naco vertretenen Ashaninka zählen etwa 60 000 Menschen in der peruanischen Regenwaldregion, die über den Ucayali–Fluss mit dem Amazonasbecken verbunden ist. Die Existenz dieser traditionell wirtschaftenden Ureinwohner ist in mehrfacher Hinsicht bedroht.

Guillermo Naco schätzt, dass in den Jahren zwischen 179 und 1999 mehr als 60% der Ashaninka von den Bürgerkriegsaktivitäten des Leuchtenden Pfades („Sendero Luminoso“), einer vorgeblich maoistischen Guerillatruppe in Peru, und den Gegenmaßnahmen der peruanischen Regierung betroffen waren.

Heute sind gefährden vor allem amerikanische Abholzungsunternehmen, Rohstoffkonzerne und Neusiedler die Lebensgrundlagen der Ashaninka

Der Indianerpräsident kritisierte das Verhalten der peruanischen Regierung in Bezug auf den Schutz des Regenwaldes mit deutlichen Worten. Noch immer sei die Ansicht weitverbreitet, dass Indianer den Regenwald ja gar nicht nützten und deshalb zum Anbau gewinnträchtiger Pflanzenkulturen, z.B. Kaffeesträuchern, zu zwingen seien, andernfalls man ihnen das Land wegnehmen könne, ja müsse.

Eine weitere Nutzungskonkurrenz erwächst den Ashaninka durch die Neusiedler, die aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in Peru (ca. 1,7 %) auch in bisher unberührte Gebietes des Regenwaldes vordringen. Im Streit um Regenwaldgebiete entscheidet sich die peruanische Regierung im Zweifel zur Unterstützung der Neusiedler, deren marktorientierte Landwirtschaft zur Erhöhung des Steueraufkommens beiträgt.

Gemeinsam mit europäischen NGOs (Non-Governmental Organizations, dt.: Nichtregierungsorganisationen) versuchen die Ashaninka der peruanischen Regierung die Ausweisung von Schutzgebieten abzuringen, deren Verwaltung und Nutzung von Indianern kontrolliert werden soll. Im konkreten Fall geht es um ein Gebiet, das die bisher eingerichteten Schutzzonen erweitern und verbinden soll. Die Umweltorganisation Pro Regenwald e.V. stellte mit den Ashaninka einen Antrag auf Förderung des Projekts beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ), dem gute Chancen eingeräumt werden.

Deutlich wurde jedoch an dieser Veranstaltung auch, welcher Unterschied zwischen Fernsehsendungen oder Unterrichtsstunden und einer persönlichen Begegnung besteht. In München musste alles, was der Gast aus Peru darzustellen wusste, erst für das Publikum übersetzt werden, weil nur wenige Anwesende Spanisch sprachen. Karten- und Filmmaterial erschlossen sich nur bei genauem Hinschauen und gehörigem Hintergrundwissen.

Die Veranstalter hatten ein beziehungsreiches Datum für den Auftritt des modernen Indianerhäuptlings gewählt. Am 12. Oktober 1492 erlangte die Tatsache festen Landes weit westlich Europas die Aufmerksamkeit eines genuesischen Kapitäns in spanischen Diensten. Ureinwohner Nord- und Südamerikas nehmen spätestens seit 1992 diesen Tag zum Anlass gegen bis heute fortbestehende Diskriminierung, Land- und Ressourcendiebstahl und Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen zu protestieren.