Die Kammerspiele unter Wasser

Michael Skasa (19.12.06):
„… Grandiose Formulierungen in einer abgründig knappen Geschichte, dazu spürbar begeisterte, durchgeisterte Schauspieler.Schon jubelt das Haus: Welch großer Abend!“

Ijoma Mangold (19.12.06):
„Großartig, wie die Figuren zwischen strukturierten Süddeutsche Zeitung Blackouts Gestalt gewinnen.“

Deutschlandfunk Kultur (18.12.06):
„Ein ganz und gar außergewöhnlicher … Theaterabend mit grandiosen Menschendarstellern“

Und jetzt wir: Grundkurs 12/1 bei Frau Birnstiel  

Ödön von Horvaths „Glaube Liebe Hoffnung“ :  Ein Totentanz in Unterwäsche

Kein Rohrbruch oder Wasserschaden hatte die Kammerspiele heimgesucht sondern ein experimentierfreudiger Bühnenbildner. Für die Inszenierung von „Glaube Liebe Hoffnung“ verwandelte Regisseur Stefan Kimmig die Bühne in ein rutschiges Planschbecken, um auf diese Weise die Unbeständigkeit und Schlüpfrigkeit des Lebens der Hauptfigur darzustellen. Das Bühnenbild allgemein wurde von Stephan Kimmig und seinen Bühnenbildnern sehr steril und kalt in weiß mit Plastikvorhängen gehalten. Dabei verfehlt die Atmosphäre aber jene, die im gleichnamigen Drama von Ödön von Horváth herrscht.

Die Geschichte von Elizabeth, die hier erzählt wird, ist an sich überaus tragisch; Elizabeth, gespielt von Brigitte Hobmeier, die übertrieben kindliche Protagonistin des Theaterstücks versucht ein glückliches Leben zu führen, indem sie sich in ein Netz aus Lügen immer tiefer verstrickt. Als ihr Freund, ein ahnungsloser aber karrieregeiler Polizist, dahinter kommt, droht das ganze Netz in sich zusammenzufallen und Elizabeth ist am Ende so bitter enttäuscht und verzweifelt, dass sie im Wasser Selbstmord begeht. Neben dieser Hauptgeschichte erhält man immer wieder Einblick in das Leben der Personen die irgendwie mit dem von Elizabeth in Kontakt kommen, wie zum Beispiel in die Beziehungsprobleme des Amtsgerichtsrats, als Wiener-Würschtel vernichtender Egoist, der seine Frau nur noch als lästiges Anhängsel betrachtet. Jener wird hervorragend von Wolfgang Pregler gemimt, welcher im Stück auch noch zwei weitere Rollen spielt.

Das Ende des Stücks zögerte sich sehr hinaus. Ewig lang versuchte Elizabeth, sich in den Wasserlachen der Bühne zu ertränken, was einfach nicht gelingen kann, sodass einige Zuschauer begannen, nervös auf ihren Sitzen herumzurutschen und sich fragten, warum die Gute nicht endlich sterben könne, was bei anderen wiederum strafende Blicke und böses Gemurmel hervorrief.

Bei der versprochenen anschließenden Gesprächs- und Diskussionsrunde mit den Schauspielern fehlten dieselbigen. Sie bieten diese wohl auch nur an, weil es gut klingt und meistens keiner kommt. Und kommt eben doch jemand, so wie unser Deutsch Grundkurs zusammen mit unserer Lehrerin Gisela Birnstiel, dann schicken sie einfach eine Vertretung der dramatischen Gestaltung, die so ein fesselndes Auftreten hat, dass man gar nicht erst auf die Idee kommt, die leeren Stühle neben einem zu zählen.

Alles in allem ist es ein Stück, das sich in die derzeitigen Produktionen der Kammerspiele ohne weiters einreiht. Die Inszenierung ist gewöhnungsbedürftig, mit ihren knappen Szenen und harten Lichtwechseln, doch trotzdem strahlt das Stück einen gewissen Charme aus, der nebst dem eigenartigen Bühnenbild und der krassen Inszenierung dazu beiträgt, dass wir uns noch länger an dieses Theaterstück erinnern werden.

Janina Fröhlich & Florian Greppmair