Krabatgeschichten – neu erfunden (5.Klasse)

Ein fliegendes Schwein

von Jana Albiker

„Komm jetzt,“ sagte Juro, „wir müssen los!“ Krabat zog sich seine Jacke über und folgte Juro nach draußen.

„Für was brauchen wir denn eigentlich ein Schwein?“, fragte Krabat. „Ich weiß es auch nicht, aber besser ist es, wir holen es einfach.“

Somit machten sie sich auf den Weg nach Hoyerswerda auf den Viehmarkt. Als sie dort ankamen, wurden sie sogleich von mindestens fünfzehn Viehhändlern umringt. Alle wollten ihre Tiere für möglichst viel Geld verkaufen. „Hier, seht, das hier ist ein Prachtexemplar, dieser Ochse hat alles, was ihr euch nur wünschen könnt: Traumhaft glänzendes Fell, ist zahm wie eine Katze und frisst auch nicht so viel.“ Die meisten wollten vor allem ihre Ochsen verkaufen.

Nachdem sich die beiden Mühlknappen ein wenig umgesehen hatten, machten sie sich auf die Suche nach einem Schwein. Sie sahen auch gleich einen Händler, der von vielen Schweinen umringt war. „Sieh mal einer an, da kommt ja doch noch jemand zu mir“, sagte der Händler.

„Wir hätten gerne ein Schwein“, sagte Krabat. Der Verkäufer deutete auf seine Tiere und sprach: „Sucht euch eines aus.“ Juro nahm den Strick eines noch etwas kleinen Schweines, gab dem Händler zwanzig Gulden und ging mit Krabat wieder in Richtung Koselbruch. Das Schwein sah sehr friedlich aus mit seinen Kulleraugen, doch wenn die Mühlknappen wüssten!

Noch lief alles wie geschmiert: Krabat und Juro schlenderten pfeifend den Feldweg entlang und das Schwein trottete hinterher. Doch plötzlich blieb es stehen und Juro, der den Strick in der Hand hatte, taumelte von dem Ruck und fiel hin. So sehr sie auch zogen, das Schwein bewegte sich keinen Zentimeter mehr. Da hatte Juro eine Idee: „Wir machen es leichter, dann muss es doch mitgehen.“

Und – schwuppdiwupp! – hatte Juro einen Zauberspruch aufgesagt und das Schwein war so leicht, dass es regelrecht hinter ihnen her flog.

Fast waren sie an der Mühle angekommen, da bemerkte Juro, dass das Schwein ein wenig zu leicht war. Er drehte sich um und sah voller Entsetzen, dass das Schwein nicht mehr da war. Krabat versuchte inzwischen den Zauberspruch wieder rückgängig zu machen, indem er jede Menge Zaubersprüche ausprobierte. Doch es klappte nicht. Sie rannten verzweifelt herum und riefen: Schwein, Schwein, wo bist du?“ Als sie schon fast aufgegeben hatten, sah Krabat etwas Rosafarbenes in der Luft fliegen: Das Schwein!

„Jetzt konzentriere dich noch einmal genau und sage einen Zauberspruch auf“, sagte Juro. Er sagte einen einen Spruch, das Schwein plumpste herunter und landete auf allen Vieren im Gras.

Auf dem restlichen Weg ging das Schwein zum Glück mit. Heute hatten sie etwas sehr Ungewöhnliches erlebt: Ein fliegendes Schwein.

Red.: D. Zink