Ausstellung „Macht und Wahnsinn“

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Valerie Rall (Mitte) bei ihrer Eröffnungsrede zu „Macht und Wahnsinn“

Am 19.10. 2012 eröffnete das P-Seminar Geschichte (Q12) seine Ausstellung über „Macht und Wahnsinn“ in der Weltgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Zum Auftakt der Ausstellung im Mehrgenerationenhaus am Niederbronner Weg hielt Valerie Rall stellvertretend für ihr Seminar die Eröffnungsrede, der sich Grußworte der Schulleiterin Doris Hübler („stolz auf die Schülerergebnisse“) und auch von Andreas Lohde („coole Rede“, Stimmen aus dem Seminar) als offiziellem Vertreter der Stadt Fürstenfeldbruck anschlossen. Gemeinsam mit Seminarleiterin Elke Schussmann durchschnitt Frau Hübler dann das Band zum Eingang.

Die Präsentation von 15 Gewaltherrschern der Geschichte stieß schon am ersten Tag auf reges Interesse (mehr als 100 Besucher!) und erhielt von den zahlreichen Eröffnungsgästen viel Lob. Mit einem Kuchenverkauf, dessen Erlös an die Organisation „Wings of Hope“ gespendet werden soll, ziehen die Seminarteilnehmer ihre eigenen Lehren aus der Geschichte: Es reicht nicht, über Diktaturen genau Bescheid zu wissen, gefragt ist auch ein konkretes Engagement gegen totalitäre Systeme und die Solidarität mit deren Opfern. Die Stiftung „Wings of Hope“ kümmert sich um traumatisierte Kinder aus dem Irak, Bosnien-Herzegowina und den palästinensischen Autonomiegebieten, Regionen also, deren Alltag in den letzten Jahrzehnten entweder von Gewalt oder totalitären Verhältnissen geprägt war.

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Als einziger der Porträtierten noch am Leben: Fidel Castro – hier eine der Parolen der kubanischen Revolution

Die Ausstellung selbst bietet Informationen auch zu weniger bekannten biographischen Details der vorgestellten Machthaber, über die man schon alles zu wissen glaubte (Erich Honecker hatte eine Zahnarztphobie). Für den Berichterstatter waren jedoch die Stellungnahmen und persönlichen Bezüge der Seminarteilnehmer zu ihrem jeweiligen Thema von besonderem Gewicht: War Ludwig der II. von Bayern wirklich wahnsinnig oder war er nicht doch ein frühes, verkanntes, – gar postmodernes – Genie? War Fidel Castro in den 50er und 60er Jahren tatsächlich in der Lage anders zu handeln, als er das Batista-Regime auf Kuba stürzte? Die anwesenden Q12-Schülerinnen konnten kompetent dazu Stellung nehmen.

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Besucher orientieren sich am Eingang über die Herkunft der Gewaltherrscher, Diktatoren und Monarchen

Zwei Beiträge ragen besonders heraus, weil die zukünftigen Abiturientinnen auch über die Opfer in der eigenen Familie den Zugang zu ihrem jeweiligen Thema darstellen konnten. Damit ist die Ausstellung auch ein gelungener Versuch, die Würde der Opfer von Diktaturen aufrechtzuerhalten, die ihnen die Gewaltherrscher zu nehmen versuchten.

 

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Die hygienischen Details seines Versailler Hofs kennt jeder Paris-Tourist, aber wie steht es mit dem Thema politische Hygiene im Absolutismus: Fehlanzeige

Am Schluss des Besuchs dieser vielschichtigen Ausstellung drängt sich dem Besucher dann noch eine wichtige Frage auf: Waren die porträtierten Scheusale der Weltgeschichte tatsächlich wahnsinnig? Und wenn ja, würde diese Sicht die dann als krank geltenden Täter nicht von ihrer Verantwortung befreien? Oder besteht unsere Reaktion nicht eher darin, die Untaten der Diktatoren als Wahnsinn zu bezeichnen, weil man sich in unserem sicheren Land oft kaum erklären kann, wie dünn die Schichten des zivilisierten Umgangs zwischen Menschen zu allen Zeiten wirklich sind?

Photos und redaktionelle Mitarbeit: Sabrina Burgmaier (Q12)

Text: D. Zink