Benediktbeuern

Mit wenig Hoffnung, dass es überhaupt etwas bringen würde, brach die Klasse 10b am 15.1.18 zu den Orientierungstagen nach Benediktbeuern auf. Nach der eineinhalbstündigen Bahnfahrt kamen wir im Kloster an. Als wir uns in unseren Quartieren eingefunden hatten und wieder gestärkt waren, ging es auch schon zur ersten Session.

Der Stuhlkreis versetzte uns zurück in Kindergartentage und zu den damaligen Versuchen unsere Klassengemeinschaft dadurch zu stärken, dass wir uns nach Haarfarbe sortierten. Auf Grund dessen war das Mitteilungsbedürfnis sehr groß. 10 min lang tauschten wir uns aus oder unterhielten uns wie immer. Unser Trainer Sebastian wurde zuerst kaum wahrgenommen. Er machte keine Anstalten uns irgendwie zu beruhigen oder zu schimpfen. Irgendwann wurde es dann doch etwas komisch und wir wurden leiser. Diese Taktik, uns Zeit zu geben, sollte im Laufe der Tage dazu führen, dass wir anstatt erst nach 10 min innerhalb von Sekunden leise wurden.

Am ersten Tag war die Stimmung in der Gruppe noch wie im Unterricht: Wir hörten einander nicht zu und waren eher respektlos. Doch Sebastian hatte ein paar Spiele auf Lager und zu unserer Erleichterung beinhaltete keines davon uns irgendwie nach äußerlichen Merkmalen zu sortieren. Nein, dort ging es tiefgründiger zu.

Die ersten Spiele erlaubten es uns zu analysieren, wie die Aufteilung der Klasse in Cliquen ist und welche Aussagen auf unsere Klassengemeinschaft entweder voll oder gar nicht zutreffen, oder irgendwas dazwischen.

Den Abend verbrachten wir zusammen bei dem breiten Angebot an Billiard, Tischtennis und Klettern, gespannt darauf, was der nächste Tag uns bringen würde, und mit deutlich besseren Erwartungen als bei der Anreise.

Den Vormittag begannen wir mit einem Spiel namens „Stehe schweigend auf….“ Dabei stellte Sebastian oder eine/r von uns eine Frage der Form: Stehe schweigend auf, wenn du … gerne in die Schule gehst. Jeder, der zustimmte, würde dann aufstehen, jedoch ohne dass dies irgendwie kommentiert wurde oder man sich rechtfertigen musste. Etwas von sich preiszugeben und über die anderen zu erfahren gefiel uns so gut, dass wir das Spiel gute 3 Stunden lang spielten.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit der „Wundertüte“ weiter, was noch für viele zum Highlight der Tage wurde. Jeder bekam eine Tüte, auf die er zwei Fragen aus einer vorgegebenen Auswahl schrieb und außerdem das Wort „Module“. Jeder aus der Klasse sollte dann von jedem anderen die Fragen beantworten und bei Module etwas, das man dem Mitschüler sagen möchte, hinschreiben. Obwohl dieses Verfahren sehr zeitaufwändig ist, blieben wir dabei und arbeiteten noch in unserer Freizeit weiter.

Als jeder wieder seine Tüte hatte und die Kommentare der Mitschüler las, wussten wir, dass es jede Sekunde wert gewesen war. Alle waren über das positive Feedback und die ehrliche Kritik überrascht und freuten sich über die schönen Module, auch von Kameraden, mit denen man nur selten etwas zu tun hatte.

Den Abend verbrachten wir entspannt beim Billiard, in unseren Zimmern oder lauschten der Geschichte in der „Zeit für mich“.

Den Abschluss machten am nächsten Tag ein paar kleinere Übungen und eine Feedbackrunde. Auf der Rückfahrt waren wir zwar geschafft, aber alle froh, dass sich unsere Befürchtungen nicht bestätigt hatten und hofften, dass wir nun auch im Unterricht besser zusammenarbeiten würden.

(Hanna Hoogen, 10b)