Alle Vögel fliegen hoch!

Während dieses Kinderspiel den meisten Schülern vermutlich unbekannt sein wird, ist es den Lehrern und Eltern sicherlich ein Begriff. Dass Vögel also im Gegensatz zu Tischen, Stühlen oder Autos (was man in diesem Spiel als Wissen unter Beweis stellen muss) fliegen können, stellte schon früher kaum jemanden vor eine Herausforderung. Weshalb Vögel fliegen können, ist dagegen schon eine ganz andere Frage. Im Natur-und-Technik-Unterricht der 6. Klassen ist es deshalb nur eine logische Konsequenz, beim Thema „Vögel“ auch dieser Frage auf den Grund zu gehen.

Leider ist die Antwort darauf nicht ganz so trivial wie die Begründung für das fehlende Flugvermögen von Tischen: durch die spezielle Form des Vogelflügels (unten relativ flach, oben gewölbt) strömt die Luft während des Fluges auf der Oberseite schneller über den Flügel als auf der Unterseite. Dies führt zu einer Sogwirkung auf der Flügeloberseite und somit zu einem Auftrieb. Je schneller der Vogel fliegt, desto größer diese Sogwirkung, was man sich beispielsweise auch in der Technik bei Flugzeugen zu Nutze macht, deren Flügelform dem Vogelflügel nachempfunden ist.

Alles zu kompliziert? Zu wenig anschaulich? Sie glauben es nicht?

Dann machen Sie doch ein ganz einfaches Experiment: bauen Sie sich aus einem Blatt Papier, einem Strohhalm und einem ca. 50 cm langen Stück Schnur ein Modell eines Vogelflügels (siehe Abbildung), gehen Sie nach draußen auf den Gehweg und rennen Sie diesen – ihr Flugmodell am Faden senkrecht vor sich haltend – schnellstmöglich entlang. Zwar werden Sie vermutlich einige irritierte Blicke zufällig anwesender Zuschauer ernten, eine Erkenntnis ist Ihnen aber garantiert: es funktioniert!

Die Schüler der 6a und 6c hatten den Schulgang als Laufstrecke zu Verfügung und Ihnen gegenüber damit einen entscheidenden Vorteil: weniger irritiertes Publikum. Denn Attacken auf Augen, Ohren und Nase sind im Biologie- und Chemieunterricht ein (meist) erfreulicher Normalfall. Und über fehlende Anschaulichkeit kann man sich dann auch nicht mehr beschweren.

Nina Ostermeier