Da kam einiges ins Rollen… Inklusionsprojekt der 7. Klassen

Einen Perspektivwechsel der besonderen Art durften die siebten Klassen am Mittwoch, den 20.3. im Sportunterricht erleben. Statt auf zwei Beinen durch die Halle zu flitzen, hieß es „ab in den Rollstuhl“. Dass dies durchaus sportlich sein kann, zeigten unsere langjährigen Referenten Peter Schadt und Klaus Häfner wieder auf eindrucksvolle Weise. In atemberaubendem Tempo fegten die beiden Rollstuhlbasketballer vom USC München mit ihren wendigen Sportrollstühlen gekonnt durch die Halle, passten blitzschnell den Ball hin und her und trafen präzise in den Korb. Nach dieser beeindruckenden Darbietung waren nun die SchülerInnen an der Reihe. Beim ersten Training am Hindernisparcours spürten die Jungen und Mädchen schnell, dass einiges dazu gehört, wendig über das Spielfeld zu rollen und dabei noch den Ball zu kontrollieren. Aber schnell gewannen die SchülerInnen mehr und mehr Kontrolle über ihr Fortbewegungsmittel und hatten dabei sichtlich Spaß. Engagiert nutzten sie die Gelegenheit, mit den Behindertensportlern gemeinsam zu trainieren und ihre Geschicklichkeit auszubauen. So gelangte schließlich der Basketball souverän von einem Spieler zum nächsten und unter tosendem Applaus der MitschülerInnen und ZuschauerInnen sogar in den Korb.

Auch für die anwesenden ElternbeirätInnen, die mit Unterstützung des Fördervereins dieses Projekt seit vielen Jahren erfolgreich organisieren, stand am Ende fest, dass es wohl kaum eine schönere Art gibt, Berührungsängste abzubauen und ein gegenseitiges Verständnis zwischen „Fußgängern“ und „Rollstuhlfahrern“ zu schaffen. Mit ihrer offenen und unkomplizierten Art ermöglichten die beiden Rollstuhlsportler den SchülerInnen einen sehr persönlichen Einblick in ihr Leben mit Handicap. So hoffen wir, dass Klausi und Peter auch im nächsten Jahr wieder Körper und Geist unserer SiebtklässlerInnen „ins Rollen“ bringen.

Ein besonderer Dank gilt der Firma Streifeneder, die wieder sämtliche Rollstühle zur Verfügung gestellt und so diesen großartigen Tag erst ermöglicht hat.

Auch am zweiten Tag unseres Inklusionsprojektes für die 7. Klassen wurden die SchülerInnen auf praktische und anschauliche Weise mit  dem Thema „Behinderung“ vertraut gemacht. Nach dem sie am Mittwoch bereits ganz konkret erfahren haben, was es bedeutet, im Rollstuhl zu sitzen, ging es am Freitag den 22.3. nun darum, sie für Blindheit, Gehörlosigkeit und Autismus zu sensibilisieren.

Über das Wiedersehen mit Oliver Gnam, der unsere Schule nun schon im vierten Jahr als Referent besucht, hat sich die Schulfamilie sehr gefreut. Seine lebhaften Schilderungen aus dem Alltag als Gehörloser und seine positive Art haben die SchülerInnen sichtlich beeindruckt und hinterließen oft ein nachdenkliches Schmunzeln. Die beiden Gebärdendolmetscherinnen und ihr Praktikant kamen mit dem Übersetzen kaum nach, so munter sprudelte es aus seinen Händen. Auch die SchülerInnen zeigten keine Scheu und fragten, trotz der vollkommen ungewohnten Gesprächssituation mittels Dolmetscherinnen, interessiert drauf los. Oliver, dem die Interaktion mit den engagierten SchülerInnen sichtlich Freude bereitete, beantwortete jede Frage gerne und kramte dazu auch mal die ein oder andere amüsante Anekdote aus. 

Solche wusste auch unser Referent für Sehbehinderung zu erzählen. Dieter Dürr hatte zur großen Freude der SchülerInnen nicht nur seinen Blindenstock, sondern auch Blindenhund Henry dabei, der ihn im Alltag zuverlässig unterstützt. Es war beeindruckend zu sehen, wie gut sich beide aufeinander eingestellt haben und was Henry in seiner Ausbildung als Blindenhund alles gelernt hat. Aber auch technische Hilfsmittel wie das Smartphone mit seinen vielen hilfreichen Apps für Blinde (wie etwa die Farberkennungs-App), sprechende Maßbänder und Küchenwaagen, erleichtern Herrn Dürr den Alltag ungemein, wie er den SchülerInnen anschaulich vorführte. So war es ein toller Mix aus sachlichen Informationen, persönlichen Erfahrungen und praktischen Einblicken in das Leben mit Sehbehinderung. Die Offenheit, mit der Herr Dürr den SchülerInnen begegnete und von seinem Lebensweg berichtete, ließ Berührungsängste sofort schwinden. So kamen viele interessante Fragen auf, nicht nur zu Henry, der brav neben dem Lehrerpult lag und – sobald er sein Arbeitsgeschirr anhatte – hoch konzentriert seinem Herrchen zu Diensten stand. 

An der dritten Station durften die Kinder gleich selbst aktiv werden und sich einigen Herausforderungen stellen. Mit dicken Handschuhen kleine Perlen auffädeln oder eine bestimmte Seite in einem Buch aufschlagen, war ungewohnt schwierig. In weiteren Wahrnehmungsexperimenten durften die Kinder mit einer seltsamen Brille auf einer geraden Linie laufen und etwas schriftlich zu Papier bringen, einen Stern spiegelverkehrt zeichnen, ein bestimmtes Geräusch deuten, mehreren Vorlesern gleichzeitig zuhören und unterschiedliche perspektiven eines Bildes erkennen. Nach diesen interessanten Erfahrungen gelang es unserer Referentin Beate Fürst, einen verständlichen Einblick in die Wahrnehmungswelt von Menschen mit Autismus zu vermitteln. Das aktive Nachempfinden der vielfältigen Schwierigkeiten autistischer Mitmenschen half den SchülerInnen sehr, sich in dieses komplexe Störungsbild einzufühlen. Dabei waren die Kinder sehr engagiert und wollten vieles genauer wissen. Frau Fürst, die seit etlichen Jahren die Eingliederung und Integration autistischer SchülerInnen in Schulen begleitet, beantwortete alle Fragen sehr kompetent und mit vielen Beispielen. Zum Schluss machte noch ein kleiner Dokumentarfilm deutlich, wie sehr sich die Wahrnehmung autistischer Menschen von unserer unterscheidet. So bekamen die Kinder eine Ahnung von den zum Teil massiven Einschränkungen, die diese ansonsten gar nicht sichtbare Behinderung im Alltag mit sich bringt. Auch wertvolle Tipps im Umgang mit den verschiedenen Ausprägungen von Autismus konnte die Referentin unseren SchülerInnen mit auf den Weg geben.

Ein wirklich lehr- und erlebnisreicher Vormittag ging für die vier siebten Klassen zu Ende und wird wohl noch lange nachwirken. Dem Elternbeirat, der dieses einmalige Projekt seit vielen Jahren mit Hingabe organisiert, war es wieder eine große Freude, einen so wertvollen Beitrag für ein gegenseitiges Verständnis und Miteinander auf Augenhöhe leisten zu können. Der persönliche Kontakt zu den sympathischen und überaus engagierten ReferentInnen hat die Sicht auf und den Umgang mit Behinderung wohl nachhaltig verändert. Ein ganz herzliches Dankeschön an alle ReferentInnen für ihren Besuch. Besonders danken möchten wir auch der Hans-Kiener-Stiftung, die erneut die Kosten für die beiden Gebärdendolmetscherinnen übernommen hat, sowie unserem Förderverein, der alle weiteren Kosten trägt.

Auch im kommenden Jahr sollen die SchülerInnen wieder die Gelegenheit haben, ihre Perspektive zu wechseln und sich durch die persönliche Begegnung mit behinderten Menschen bereichern zu lassen.