Chronik 1945-1995

In Fürstenfeldbruck gab es 1945 nur zwei Schulgebäude, zwei Volksschulen, keine weiterführende Schule, auch keine Realschule. Eine Mädchenschule im Gebäude der heutigen Grundschule-Mitte am Niederbronnerweg 3 und eine Knabenschule im direkt daran angrenzenden Gebäude, dem heutigen Nebenhaus des Graf-Rasso-Gymnasiums. In einem hinteren Raum dieser Knabenschule war noch die Berufsschule untergebracht. Bis zu ihrem fünfundneunzigsten Lebensjahr war Amanda Wohlmuth eine muntere Frau. Zu unserem tiefen Bedauern verstarb sie vor einigen Wochen (Oktober). In ihrem bisherigen Leben hat sie viel gearbeitet, ist erst mit einundsiebzigeinhalb Jahren als Lehrerin in Rente gegangen. Damals 1945, als die amerikanischen Panzer kamen, hat sie ein weißes Handtuch aus dem Fenster gehängt, „ein Betttuch war ja viel zu schwer“. ‚Fräulein‘ wurde sie von ihren Schülerinnen an der Mädchenschule genannt, ‚Fräulein‘ war damals der übliche Begriff für eine Lehrerin auch mit Mann und Kind. Während des 3. Reiches war sie als Gegnerin des Regimes bekannt gewesen und so wurde ihr nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen 1945 die Leitung der Knabenschule in Fürstenfeldbruck übertragen. „Die meisten Kolleginnen und Kollegen waren Nazis oder zumindest als Mitläufer verdächtigt und des Unterrichts enthoben“, erzählt sie. Es gab nur noch Frl. Schnecker, eine Handarbeitslehrerin, die nach Maisach versetzt wurde und die Englischen Fräulein. Mater Wilhelma leitete die Mädchenschule und die Nonnen unterstützten auch Amanda Wohlmuth an der Knabenschule.

Amanda Wohlmuth und ihre Tochter Ada Adler

„1945, der Krieg war aus, mir ist die ganze Landschaft hintennach so vorgekommen wie jetzt, so trübes Tauwetter, obwohl man die Freud gehabt hat, dass jetzt das alles rum ist“, so schildert sie im kalten Februar 1997 die damalige Stimmung. Als Lehrerin sah sie die Lage der Kinder, die nach München zur Oberschule gehen wollten: „Also jetzt haben die Kinder keine Schuh gehabt, keine Kleider, nichts zu Essen, haben gefroren. Die Bahn war doch furchtbar! Sie können sich keinen Begriff machen! Es fuhr ja nur zwei- dreimal am Tag ein Zug mit Dampflok. Da ist man auf dem Trittbrett gefahren! Da ist man hinten auf den Puffern gesessen! Die Menschen hingen doch draußen an den Türen!“ Sie wollte ‚ihren Kindern‘ diese Bahnfahrten in den überfüllten Zügen zur Pasinger Oberschule ersparen, und erst recht in diesem Zustand.

Schuluntersuchung durch die Alliierten

So war es ihr eine zwingende Notwendigkeit, sich für eine Oberschule einzusetzen. Ihre Idee war nicht neu; schon in den 20er Jahren war der Gedanke einer höheren Lehranstalt für die Jugend von Fürstenfeldbruck und Umgebung verfochten worden. Mitstreiter in ihrem Anliegen wurde jetzt schnell ihr ‚brüderlicher Freund‘ Karl Sporrer, Pianist und Klavierpädagoge, später auch Gründer und Stadtrat für die parteipolitisch unabhängige ‚UAG-Freunde der Stadt‘ (Unabhängige Arbeitsgemeinschaft…). Er war als Nazigegner bekannt, seine Mutter Anna war wegen regimekritischer äußerungen sogar vorübergehend verhaftet worden. Er hatte gute Kontakte zu den politisch Verfolgten und konnte diese für das Entstehen unserer Schule nutzen.

Karl Sporrer

Schüler ohne Schule

„Da habe ich mit Karl Sporrer geredet, haben wir gesagt, ‚das geht nicht so weiter! Bruck ist so groß, die Schülerzahlen sind so groß. Da gehört eine Oberschule her.‘ Und da haben wir das alles unternommen. Bin ich gleich zu den zwei Bürgermeistern gegangen. Wenn ich zu denen gekommen bin, der Neumeier hat hinten gesessen, wie eine Spinne ist er zurückgegangen. Hab ich schon gesehen, wenn ich kam. Ich bin ja fast jeden Tag hin. Ich hab ja keine Ruh gegeben“, so schildert Amanda Wohlmuth ihr beständiges Wirken für ihre Idee. Sie hat sich an keine Sprechstunde gehalten, monatelang hat sie fast täglich ihr Anliegen vorgetragen, nicht locker gelassen. Zeitungen gab es zu diesem Zeitpunkt in Bruck noch nicht, wo sie ihr Anliegen hätte öffentlich machen können. Sie versteht heute, dass es damals viel aufzubauen gab und die gewählten Bürgervertreter anderes im Kopf hatten als den Aufbau einer Schule. Die Bürgermeister Neumeier und Wachter wussten nicht, wo eine solche Schule unterzubringen sei. Und der historische Dialog muss sich laut Amanda Wohlmuth so angehört haben: „‚Wir haben doch kein Haus. Wie bringen wir die unter?‘ Hab ich gesagt: ‚überlegt es Euch, wofür seid Ihr Bürgermeister?!'“

Schule ohne Lehrer

Auch Lehrkräfte mussten gefunden werden, die meisten durften noch nicht wieder unterrichten, da ihre Beteiligung am Naziregime noch nicht näher untersucht worden war. Die dafür zuständige Spruchkammer war im ‚Schorerhaus‘; so hieß das Haus des ehemaligen Nazi-Bürgermeisters Adolf Schorer, das Haus, in dem heute unser Elternpflegschaftsvorsitzender Dr. Kainzinger seine Praxis hat. Amanda Wohlmuth war von der Spruchkammer häufiger als Zeugin hinzugezogen worden, sie kannte sich dort aus. Auch kannte sie einige Lehrkräfte. Bestärkt durch Karl Sporrer meinte sie: „Da habe ich mir alle sagen lassen, die noch nicht entnazifiziert waren.“ Der später erste Direktor der Schule, Dr. Hans Lindemann (klassische Sprachen, Deutsch, Geschichte) gehörte dazu, und die dann so prägende Lehrerin Edeltraut Deisenhofer (Chemie, Biologie, Erdkunde).

Frau Deisenhofer und Herr Lubos, dahinter Herr Scheid beim Klassentreffen der Gründungsschüler 1993

„Lindemann war noch nicht entnazifiziert. Er gehörte halt zu denen, die so dazu sind. Man hat ja dabei sein müssen. Er war wohl Parteimitglied gewesen. Und dann bin ich auf die Spruchkammer und hab gesagt: ‚Da sind so und so viele Lehrer, die könnten wir in der Oberschule gleich einsetzen. Geh, schickts Euch mal, tutís die mal entnazifizieren.‘ Es geschah! Dr. Lindemann wurde entnazifiziert und die SS-Witwe Frau Deisenhofer.“ Zu dieser Zeit hatten offensichtlich ehemalige Regimegegner auf unbürokratische Weise allerlei Einfluss. Damit ist Amanda Wohlmuth eine wesentliche Initiatorin dieser Schule. Karl Sporrer bestärkte sie und half ihr dabei, mit ihm besprach sie den jeweils nächsten Schritt. Jetzt war das Projekt immer noch eine ‚Schule ohne Raum‘. Karl Sporrer hatte den glänzenden Einfall, mit leitenden Persönlichkeiten des Jüdischen Komitees zu sprechen, die den Gasthof Bichlerbräu beschlagnahmt hatten. Sie reagierten ausgesprochen verständnisvoll und er konnte sie überzeugen, das Gebäude für eine Oberrealschule zu räumen. Das Jüdische Komitee fand daraufhin im ehemaligen CafÈ Härtl eine Ersatzunterkunft. ‚Locus regit actum‘ – ‚Der Raum bestimmt die Leistung‘, sagt ein lateinisches Sprichwort. Zunächst war der Raum für die Leistung gefunden.

Wirtshausschild Bichlerbräu

Schule ohne Genehmigung

Inzwischen bemühten sich Baudirektor Landschreiber, der Sohn des Brucker Kunstmalers und Nazigegners Max Landschreiber, und Dr. Hans Lindemann, eine Genehmigung für die Gründung einer Schule zu bekommen. Helmut Geys z.B., der Sohn unserer späteren Lehrerin Martha Geys, traf Dr. Lindemann, wie er im Zug nach München saß und Schülerzahlen berechnete, überlegte, ob diese wohl ein ausreichendes Argument für eine Schule sein würden. In einer Denkschrift hatten er und andere 121 Unterschriften ‚von besorgten Eltern‘ gesammelt, die Stadtrat Huber dem Staatsminister für Unterricht und Kultus am 27.10.1947 überreichte. Am 20. November 1947 genehmigte das Staatsministerium für Unterricht und Kultus die Verlegung von drei Klassen der Oberrealschule München-Pasing nach Fürstenfeldbruck.

Eine Gründungsversammlung unter Leitung von Dr. Lindemann fand im Jungbräu statt. Der Versammlungsleiter dankte in seiner Rede der Stadt und einzelner Personen, z.B. auch der Schülermutter, die die anstrengenden Putzarbeiten für die Schule auf sich genommen hatte. Später entschuldigte er sich bei Amanda Wohlmuth, dass er sie in seiner Dankesrede vergessen hatte. Das Bichlerbräu wurde besichtigt, zunächst waren dort drei Räume für die 111 Schüler und 53 Schülerinnen von der amerikanischen Militärregierung genehmigt. Wirtsräume als Schulsäle? Vorgeschichte als Bräugeschichte?

Die Mädchen scheinen besonders froh über die neue Schule gewesen zu sein, wurde ihnen doch die Fahrt in den überfüllten Zügen, das ‚Herumlungern‘ auf den Bahnhöfen, und die ‚Charakterschädigung durch die Großstadt‘ erst recht nicht zugemutet, in dieser abenteuerlichen Zeit. „Ohne diese Schule wäre ich nicht zur Oberschule gegangen, ganz bestimmt nicht!“ sagt Anneliese Sponer (Schnödt 1947-53), eine der Gründungsschülerinnen. „Ich war so ein unterernährtes Krischperl und es war auch nicht so wichtig, ‚Mädchen müssen nicht auf die Oberschule gehen‘.“
Anneliese Gammel (geb. Huber, 47-50, Tochter des Stadtrats Huber) gehörte z.B. zu den wenigen Mädchen, die schon drei Monate täglich nach Pasing zur Schule fuhren, bis sie davon durch die Schulgründung erlöst wurden. Die frühe Form des ‚S- Bahn Surfens‘ fand sie schlimm, aber auch erlebnisreich. „Wir Kinder sind draußen auf den 40 cm breiten Auftrittbrettern vor den Türen der überfüllten Züge gestanden, auf diese Weise von einer Station zur anderen gefahren , bis Erwachsene gekommen sind und uns durchs Fenster reingehoben haben. Das Fahren draußen am Zug war zwar verboten, aber was sollte man machen?!“

Eine Schule wird gegründet (1947-1950)

Als die Schule ins Leben trat – in der Stunde Null – gab es noch keine Bundesrepublik Deutschland, auch wenn Bayern schon wiedererstanden war. Kein Fernseher stand in den Wohnzimmern, kaum ein Auto war in der Garage, auch wenn der elektrische Strom und das Telefon schon erfunden waren. München war weithin ein Trümmerfeld, viele Väter waren noch in Kriegsgefangenschaft, Lebensmittel gab es nur gegen Marken und die Währungsreform hatte noch nicht stattgefunden.

‚Den Unterrichtsbetrieb der Zweigstelle eröffnete am 5.12.47 ein Gottesdienst beider Konfessionen und eine schlichte, musikalisch umrahmte Feierstunde im Jungbräusaal, an der auch Vertreter der Besatzungsmacht und der Behörden teilnahmen‘, so schildert der erste Jahresbericht von 1951 den Anfang. Die ‚164 Schüler, darunter 53 Mädchen‘ waren in drei 1. Klassen, eine 2. Klasse und eine 3. Klasse gegliedert, heute würden sie als drei 5., eine 6. und eine 7. Klasse gelten. In der Klasse 1 c gab es ‚Realisten‘ und ‚Humanisten‘, d.h. Oberrealschüler und Gymnasiasten. Die Schulmöbel kamen von der Landespolizeischule, der Volksschule und der Berufsschule. Im März 1948 trafen endlich die von der Stadtverwaltung neubeschafften 70 Schulbänke ein.

Mit dem Schuljahr 48/49 vermehrte sich die Zahl der Klassenzimmer für die nunmehr 261 Schüler um zwei große Räume im 1. Stock des Bichlerbräus. Trotz der Raumenge wurde in zwei Schichten voller stundenplanmäßiger Unterricht, von 1949 an sogar in den vorgeschriebenen 50-Minuten-Stunden erteilt.

Am Anfang hat man einfach gehandelt, einfach getan was möglich war. Irgendwie wurden ein Epidiaskop, ein Projektionsapparat, eine Schreibmaschine, eine Nähmaschine und schwarze Bretter als Schultafeln beschafft. Es wurden erstaunliche Kräfte lebendig. Jemand hat die bacchantischen Bilder an den Wänden im 1. Stock überweißelt. Man hat nicht daran gedacht, dass sich später mal jemand für dieses Tun interessieren würde. Und was ist von diesen sagenumwobenen Pioniertaten heute in Erinnerung geblieben? Meist sind es Räume, die die Anfangsschüler erinnern. Ein ganz bestimmter Raum im Bichlerbräu, und da steht ein ganz bestimmter Lehrer, eine ganz bestimmte Lehrerin – Frau Geys z.B. mit ihrem Haarnetz. Frau Geys und das Haarnetz gehören zusammen. So ganz bildhaft. Sie ist ohne Haarnetz gar nicht vorstellbar.

Wenn gezeichnet wurde, dann noch auf beiden Seiten des Blatts, um Papier zu sparen.

Logo von Guido Zingerl: 50 Jahre Graf-Rasso-Gymnasium

In der Erinnerung sind auf einmal die grünen Wirtshausbänke der Löwenbrauerei wieder da, oder die Pappwände, durch die Klassenräume geschaffen waren, ein multidimensionaler Unterricht. Hat man doch immer den Lehrer in der Nachbarklasse mitgehört. Eine saubere Wirtschaft! Auf einmal sieht man das Loch in der Wand, durch das man Botschaften in die Nachbarklasse beförderte, oder auch die Rauferei, bei der jemand durch die Pappwand ins Nachbarklasszimmer kugelte.

Die lädierten Stühle sind wieder da, die Mitschüler, wie sie brav auf ihren Stühlen saßen, aufsprangen, wenn sie eine Antwort geben sollten, oder auch die Papierkügelchen, die hin und wieder durch die Luft flogen. „In der kleinen Pause, beim Lehrerwechsel, haben wir Samba getanzt und sind gesaust, wenn der Lehrer kam“, fällt Dr. Hertha Bargmann-Huber (1947-53) sofort ein. Denn so anders als heute waren die Schüler von damals gar nicht.
Man sieht vielleicht diese Inschrift ‚Cellar‘ an der Kellertür, die noch aus der Zeit des Jüdischen Komitees übriggeblieben war, und die zur Kegelbahn führte, dem Turnsaal. Die Luft dort unten war immer sehr stickig, bei Gymnastik und Ballspielen. Im Eingangsraum, ein Tisch für die Schulspeisung, Kakao von den Amerikanern. Gustav Bürger, der Hauswart, holte sich immer zwei kräftige Burschen aus einer Klasse, um die schweren Kannen tragen zu lassen. Und da die Schulglocke. Wenn man sie zog, dann läutete es. Alle 50 Minuten durfte einer läuten.
Auch die Aufschrift ‚Sekretariat‘ gab es schon und der Weg die Treppe hinauf brachte die Jungen und Mädchen zum ‚Kauf-Laden‘ für Landkarten und Hefte, zu Frau Magdalena Kauf, die in manch heimlicher Not wie eine Mutter half. Lehrerzimmer, Sekretariat und Direktorat waren zusammen in diesem Raum vereinigt. Der Kiosk auf der Hauptstraße steht plötzlich vor Augen, wie man in den Pausen durchs Fenster die Kaufverhandlungen um Süßigkeiten führte. Gab es dort Bienenstich oder Amerikaner? Und an Markttagen kamen nach alter Gewohnheit die Händler ins Bichlerbräu und wollten eine Maß. Sie trafen statt der Kellnerin den Lateinlehrer.

Weihnachten 1947 muss es gewesen sein, als amerikanische Soldaten die Schüler im offenen LKW über die ’staden‘ Straßen hinüber zum Fliegerhorst fuhren. „Wir hockten eng gedrängt auf Holzbänken unter der Plane, erwartungsvoll und gespannt. Dann brach Weihnachten auf angelsächsisch über uns herein: Christbäume, an denen sich Farbfanatiker ausgetobt hatten. Pink, diesen Ton sollten wir erst hier kennenlernen. überwältigende Dekorationen mit Stechpalmen, roten Weihnachtssternen, Misteln und Papiergirlanden, Kugeln, deren Durchmesser sportliche Ausmaße hatten. Freundliche Khakimänner geleiteten uns in die Unteroffiziersmesse. Dort waren liebevoll Tische gedeckt, und nach Kakao und Kuchen wartete auf uns die Offenbarung: Ice cream!…Ice cream, knallbunte Candies in Röllchen, wie kleine Rettungsringe geformt, Plumpudding aus grünen Dosen. Nie wieder wird mir Plumpudding so schmecken wie damals und dann das Kino, Kinderchöre mit und ohne Bing Crosby – nichts säuselnd Trauliches, sondern kraftvolle Munterkeit. Wohlige Wärme umfing uns, und ich sehe immer noch Rot und Pink vor mir. Einen friedlich brummenden Santa Claus auf dem Podest mit rotem, pelzverbrämtem Samtmantel und weißem Rauschebart. Feengleiche Ladies in Traumgewändern – rot, pink, schwarz, türkis – die uns umsorgten. Ihr Schmuck glitzerte, die Gesichter waren verschönt mit ‚Happy-End‘ Make-up (das hieß wirklich so!), Klimperwimpern und Lippenstiftfarben, wie sie meine Mutter immer bevorzugt hatte, unter völliger Missachtung der NS-Parole: ‚Eine deutsche Frau schminkt sich nicht.'“(Ada Adler, Fürstenfeldbrucker Tagblatt, Weihnachten 1991)

Die Orte der Wandertage sind nicht zu vergessen, liegen sie doch bescheiden in unmittelbarer Umgebung von Fürstenfeldbruck, das Wildmoos und die Rothschwaige. ‚Durch Besichtigungen und Wanderungen wird der Gesichtskreis der Schüler erweitert‘, erläuterte die Chronistin des 1. Jahresberichtes die dahinterliegende pädagogische Absicht. Und da das Wildmoos nun mal im Freien ist, fällt sofort das Wetter ein. Eigenartigerweise soll es dabei auch im Frühsommer fast immer geregnet haben.

Ausflug 1952

Ada Adler: „Ich erinnere mich noch, dass wir immer gebibbert haben, weil es merkwürdigerweise meistens geregnet hat. Frau Deisenhofer hat uns auch mal sicher durch das Wildmoos (von Schöngeising zum Jexhof hin) geleitet. Es war nämlich damals noch ein richtiges Wildmoos und es war gar nicht so einfach, die richtigen Wege zu finden, dass man nicht wirklich im Sumpf gelandet ist. Man hat in den Wasserläufen noch Feuersalamander gesehen. Die Maiglöckchen haben geblüht, das weiß ich noch, wie wir mit der Frau Deisenhofer vorbei sind.“

Lehrergeschichten:

Verantwortlich für den gesamten Lehrbetrieb war der ‚Anstaltsleiter‘ der Oberrealschule München-Pasing, Herr Oberstudiendirektor Hartmannsgruber. Bei einem feierlichen Anlass soll er sogar einmal von Brucker Schülern gesehen worden sein, auch wenn er mit seiner Arbeit dort in Pasing ausgelastet war. Hier wirkte stellvertretend Dr. Hans Lindemann und hatte wohl vor allem auf die Schüler des humanistischen Zweiges einen prägenden Einfluss. Als er längere Zeit erkrankt war, vertrat ihn Martha Geys, die Chronistin des 1. Jahresberichts. Ada Adler, geb. Wohlmuth, und Tochter der Hebamme unserer Schule, sieht, wenn sie an das Bichlerbräu denkt, zuerst Dr. Adolf Layer (Deutsch, Geschichte, Erdkunde) vor ihrem inneren Auge, vielleicht, weil er der Deutschlehrer war, vielleicht auch weil er als Kriegsversehrter mit einer Krücke ging.

Dr. Adolf Layer

Dr. Layer war wohl so, wie er auf dem Bild aussieht: heiter. Gerade seine Heiterkeit hat viele Schüler für ihn eingenommen.

Unterrichten ist ja eine Angelegenheit der Persönlichkeit. Und da erinnert man eben die Lehrerpersönlichkeit, ihr äußeres Erscheinungsbild und die angenehmen oder unangenehmen Auswirkungen. Otto Sponer (Schüler 47-53): „Frau Silbernagel (Zeichnen, Erdkunde, später hieß sie Merz) war hübsch anzuschauen, eine angenehme Erscheinung. Ihr Unterricht bestand hauptsächlich darin, dass sie sich vorne aufs Pult setzte, ihre schönen langen Beine übereinanderschlug und sagte: ‚Jetzt zeichnet einmal eine Rose.'“

Heimlich wurde sie ‚Zenzi‘ genannt, da sie einmal einer Klasse den Auftrag gegeben hatte, eine Magd zu zeichnen, die Zenzi hieß. Anneliese Sponer: „Es war noch im Bichlerbräu in der 3. Klasse. Wir hatten Zeichenunterricht und Frau Silbernagel verließ den Unterrichtsraum und dann hat sich der Olms Dieter umgedreht und hat hinterhergerufen, ‚Pfürti, Zenzi‘. Sie hörte es, drehte sich um, ‚Wer war das?‘, ging hin, gab ihm eine schallende Ohrfeige und ging wieder hinaus. Kein Ton! Kein Wortwechsel, nichts. Otto Sponer: „Natürlich war das für unsere Begriffe damals eine freche und despektierliche Bemerkung. Sie hat es sofort geahndet – fertig. Das war doch keine Prügelstrafe! Das war doch nur ne Watschn. Es war das einzige Mal, wo so etwas passierte.“ Und das Paar meint, dass nur die Watschn der Grund ist, warum man sich heute an das Ereignis erinnert. Wäre Frau Silbernagel nur zur Tür hinausgegangen, wer würde daran noch heute denken?!

„Sie war a rechts pfiffigs Frauenzimmer. Sie hatte ein Dixie-Auto, so ein kleines Cabriot. Auf dem Dach war eine große Fußstapfe draufgemalt, für die 50er Jahre erstaunlich“, so sieht Peter Seitz diese Kunstlehrerin. „Wir haben mit der Zenzi viel gemacht, z.B. einen Festumzug, wie er heuer wieder stattfindet. Römerschilder haben wir gemalt, alles bei ihr. Sie war sehr engagiert.“

Josef Dering war Kunstlehrer im Bichlerbräu. Später hat er die grünen Kacheln der Sparkasse entworfen. Auf vielen Schülerzeichnungen von damals sieht man seine ‚Handschrift‘, hat er doch an den Rändern der Blätter oft seine Vorstellungen vorgezeichnet.

Zeichnung von Ada Wohlmuth

Auch Schönschrift wurde von ihm sehr gepflegt, mit Tusche und einer breiten Feder

Schönschriftseite von Anneliese Sponer (Schnödt, 1947-53)

Von Dr. Gabriele Funk (Deutsch, Geschichte, Englisch, später hieß sie Limmer) hören wir heute, ‚die haben wir mögen.‘ Otto Sponer: „Sie hatte einfach Atmosphäre, Ausstrahlung; wenn sie nur reinkam, war es mucksmäuschenstill. Sie ist mit den Buben fertig geworden.“ Mit den ‚Buben fertig zu werden‘ war offensichtlich gar nicht immer eine sehr leichte Aufgabe, denn es soll auch eine junge Lehrerin gegeben haben, die weinend aus der Klasse lief, weil die Jungen dem Zeitgeist entsprechend ‚gejazzt‘ haben, d.h. getrommelt und gesungen, während die Lehrerin vorne um Aufmerksamkeit rang. Anneliese Sponer: „Wir Mädchen waren immer brav. Wir haben ja Respekt und Angst vor den Lehrern gehabt. Uns Mädchen hat es gar nicht gepasst, wenn die Buben die Lehrer terrorisiert haben. Wir hatten dann ein schlechtes Gewissen.“

Viele Schüler sehen Gerda Konrad (Musik, Deutsch, später hieß sie Frank) vor sich, ihre Musiklehrerin, den Kopf betulich in Schräghaltung, wenn sie von ‚Schubet‘ sprach, von ‚dem schweren Schicksal, dass Schubet so früh gestorben ist.'(Peter Seitz)

Ada Adler: „Wenn man einen 1er im Singen hatte, kam man in den Chor. Ich formuliere das einmal extra neutral, man hätte vielleicht sagen können, ‚durfte‘ man in den Chor, zumindestens in unserer Ausdrucksweise war es ‚musste‘ man in den Chor, und der Chor war nämlich nachmittags oder in der letzten Stunde, wenn die anderen schon heim durften. Und ich weiß, dass ich mal absichtlich versucht habe, möglichst schlecht zu singen, nur um nicht in den Chor zu müssen. Wenn man nur einen 2er hatte, war man schon aus dem Schneider. Es waren aber auch Lieder wie ‚Kommt, ihr Gspielen, wir wolln uns kühlen, bei diesem frischen Taue‘, – also Sachen, die uns nicht sonderlich begeistert haben“.

Dabei soll die Melodie zu diesem Lied ganz ansprechend sein und satirische Geister könnten im Text sogar einen frühen Aufruf zur Einführung der Sommerzeit entdecken:
‚Kommt, ihr Gspielen, wir wolln uns kühlen, bei diesem frischen Taue. Werdet ihr singen, wird es erklingen, fern in dieser Aue. Hört, ihr Gsellen, die Hündlein bellen, was wollen wir beginnen? Lasset uns kriegen, lasset uns siegen, Sommerzeit gewinnen. Ist es nicht Schande, weit in dem Lande, wenn wir uns besinnen.‘ (T.u.W. Melchior Franck, 1630)

Als Vertreterin der evangelischen Minderheit hat Ada Adler Pfarrer Julius Stockmeier noch als Religionslehrer erlebt. Wir kennen heute nur den Stockmeierweg.

Pfarrer Stockmeier, April 1952 (Foto: Anneliese Sponer)

„Pfarrer Stockmeier hatte Schwierigkeiten mit uns. Er war ein Pfarrer alten Schlags, ein friedlicher, korrekter und pflichteifriger Mensch, aber jemand, der immer sehr gern seine Schäfchen um sich scharte, und es auch erwartete, dass die Schäfchen das Ihrige dazu beitrugen. Wir waren aber in ganz anderer Richtung Schafe. Frech wie wir waren, sind wir mit beachtlicher Verzögerung, 10 oder 15 Minuten später in den Religionsunterricht gekommen, und als wir reinkamen, hat uns der Anblick schier erschlagen: Der Pfarrer Stockmeier ist nämlich nicht naus, er hat nicht geschimpft, er hat nicht von seinen Disziplinarmaßnahmen Gebrauch gemacht, er ist in der Bank gesessen und hat gebetet. Und das hat uns ungemein ergriffen und beeindruckt und da hat er für alle Zeiten bei uns einen Stein im Brett gehabt. Das war etwas von gelebtem Glauben, das uns angerührt hat. Wir haben auch noch darüber gesprochen, was uns aber nicht gehindert hat, uns in kommenden Stunden wieder blöd zu benehmen. Das war sowieso das Flegelalter und die Zeit der Aufmüpfigkeit. Aber dass wir da von seinem Glaubensbereich etwas so direkt vorgelebt bekommen haben, das hat uns sehr gerührt“, erzählt Ada Adler.
Martha Geys dichtete zum Fasching 1950 über ihn:

‚Herr Pfarrer Stockmeier
raucht große Zigarrn
und lacht in sein Bauch
über die Welt voller Narrn.‘

Ada Adler: „Der Mathematiklehrer Hans Knuth aus Berlin ist auch mal mit uns durchs Wildmoos gegangen, und zur höchsten Gaudi der Klasse hat er sich am Kompass orientiert. Das war für uns natürlich ein gefundenes Fressen, weil bei der Frau Deisenhofer hatte man den Eindruck, die findet sich im Schlaf zurecht. Und der Herr Knuth, wie soll er denn als Berliner sich im Wildmoos auskennen?!“
Edeltraut Deisenhofer mit ihren drei Töchtern (Ingrid, Roswitha und Mechthild) darf also in der Geschichte dieser Schule nicht fehlen. „Sie war immer eine gerade stehende, aufrechtgehende Frau mit hoch erhobenem Kopf, eine imponierende Gestalt“, meint Otto Sponer. In der Zeit, als es weder Schulbücher noch Wandbilder gab, bot sie einen höchst anschaulichen Biologieunterricht. „Aus der benachbarten Metzgerei Kneissl holte sie nämlich, was immer sie brauchen konnte: Gebisse von Rindern, Hörner, Hufe; ja ganze Schädel erbettelte sie sich; auch zu Tierärzten und Pferdemetzgern nahm sie entsprechende Beziehungen auf. Die ‚Exponate‘ kochte sie zu Hause aus und schleppte sie dann in die Schule. Einige Produkte dieser Pioniertaten stehen heute noch in unserer biologischen Sammlung – einfach unverwüstlich.“ (Therese Risinger zum 25jährigen Abitur an dieser Schule, 1984)
Wenn schon 1951 biologische Präparate mit einem Katalogwert von 1200 DM für die Schule hergestellt waren, so ist dies sicherlich vor allem Frau Deisenhofer zu verdanken. „Es war ja damals alles ungemein schwierig ohne Geräte. In der Chemie hat man einen Bunsenbrenner gehabt und damit musste Frau Deisenhofer improvisieren,“ erzählt Otto Sponer. Auch wenn es im Unterricht manchmal ‚drunter und drüber ging‘, „war sie doch so menschlich“, meint Anneliese Sponer. „Die Deisenhoferin hat bei ihren Versuchen alles zsambracht. Sie hat immer gewusst, wo es was gibt, damit sie es sich für die Schule holen konnte.“ (Peter Seitz) Fasching 1950 dichtete Martha Geys über sie:

‚Fischköpf und Kalbsfüß
Skelett, Kiemen, Haut
hat Frau Deisenhofer
bei uns drin anbaut.
Doch solcherne Nahrung
die tut ihr net guat.
Sie hat schon seit Wochen
jetzt Faschingstollwut.
Sie geht bald ägyptisch
als Nofretete,
und bald schmeißt sie spanisch
die Füß in die Höh.‘

Allseitig entwickelt, wie man damals war, vermochte Frau Deisenhofer natürlich auch die Mädchen in ‚weiblicher Handarbeit‘ zu unterweisen – vom Bettuchflicken bis zum Häkeln von Filethandschuhen war alles geboten. Frau Deisenhofer war offenbar sehr kreativ und ‚findig‘, bei Wandertagen, Radausflügen, allen Schulaktivitäten immer zugegen. Hat jemand auch mal die Vögel, Frösche, Lurche und Mäuse gesehen, die sie zu Hause für ihren Unterricht hielt? Unser heutiger Schüler Moritz Schütte ist ihr Urenkel. Weiß er um die Bedeutung seiner Urgroßmutter für diese Schule? Was wissen die Menschen über die Geschichte ihrer Familien und ihrer unmittelbaren Umgebung?
Ada Adler (Wohlmuth) meint:“Frau Deisenhofer war bei den Schulausflügen immer sehr aktiv dabei. Das dürfte zu ihrer Beliebtheit beigetragen haben. Sie war auch immer zuständig, wenn man für die Theaterstücke geschneidert hat. Sie war sehr modisch und sehr elegant angezogen, hatte einen Hang zum Extravaganten. Bei Schulfesten sind die Lehrer edel gekleidet in der 1. Reihe der Jahnhalle gesessen. Damals war ja noch nicht die Jeans-ära. Frau Deisenhofer hatte einmal einen sehr ungewöhnlich geformten leuchtend weißen Hut auf. Da erinnere ich mich an eine Schülerbosheit, dass bei uns ein Gekicher durch die Reihen ging, weil irgendein Blödl das Gerücht aufgebracht hatte, ‚Frau Deisenhofer hat einen BH auf dem Kopf‘. Ein Teil war in der Mitte und der andere Teil war am Ohr. Da gings natürlich durch die Reihen ’schauts euch doch mal die Frau Deisenhofer an, die hat einen BH auf dem Kopf.‘ Wie ein Lauffeuer. Das mit dem BH ist mir in Erinnerung.“
Hier ist unsere Frau Deisenhofer eindeutig das Opfer des Zeitgeistes. Dauernd diese amerikanischen ‚Bombenbusen‘ sehen, das war wohl zu aufregend neu, als dass man an was anderes hätte denken können. Dabei trug sie doch gar kein ‚Happy-End Make-up‘! „Frau Deisenhofer hat mit Leidenschaft enge Röcke mit Schlitz und Stöckelschuhe getragen. Sie war etwas Besonderes, auch in ihrer Selbstdarstellung, extravagante Assessoires – so ganz ungeniert,“ erinnert sich Renate Seitz (Kolb). „Frau Deisenhofer war ganz leicht zu imitieren. Im Skilager ist mal einer an eine vermeintliche Tafel gegangen, hat etwas hingeschrieben, hat furchtbar mit dem Hintern gewackelt und eine exaltierte Bewegung mit dem Arm gemacht und alle wussten, wer es war.“ (Peter Seitz) Ada Adler: „Bei Frau Deisenhofer haben wir auf der Kot-Alm auch eine dieser keltisch-germanischen Sonnenwendfeiern gemacht. Wir sind über das offene Feuer gesprungen. Es war für uns ganz aufregend, denn wenn Junge und Mädchen zusammen über das Feuer sprangen, dann kamen sie später im Leben zusammen.“

Gipfelstürmer Dr. Brückner, Geys,Baumann

Anneliese Sponer (Schnödt, 1947-53): „Herr Ludwig Baumann (klassische Sprachen, Deutsch, Geschichte) hat ‚Hecht‘ geheißen, war eigentlich kein schlechter Lehrer, er war nur so ein Choleriker“. Und ihr Mann ergänzt: „Freilich, da hat man schon aufpassen müssen. Er ist aufgegangen wie eine Dampfnudel. Er hat losgebrüllt wie ein Wahnsinniger.“ Anneliese Sponer zeigt ein Foto von Anfang der 50er Jahre, wo sie – welch eine Revolution! – in Hosen in der Schule erschienen war und prompt ein heftiges Gewitter durch Herrn Baumann auslöste

Anneliese Schnödt 1952 in Hose

Ehemalige Schüler erzählen, wie sie im Lateinischen bei Herrn Baumann in den ersten Jahren ‚unerbittlich gedrillt wurden‘, dass in der 4. oder 5. Klasse dieser Drill aber plötzlich aufgehörte. „Wir mussten auf einmal nicht mehr aufspringen und die Grammatik runterrattern, seitenweise, wie das vorher üblich war.“ (Ada Adler)
Martha Geys hat die Schule wesentlich mitaufgebaut. Da sie während des 3. Reiches nicht in einer Nazi-Partei gewesen war, hatte sie nicht entnazifiziert werden müssen und von Anfang an zur Verfügung gestanden. Sie führte die Schule während einer längeren Erkrankung des ersten ‚Anstaltsleiters‘ Dr. Lindemann. Als Angestellte wurde zum allgemeinen Bedauern ihr Arbeitsvertrag in Bruck 1951 leider nicht verlängert, sie wechselte an eine Münchner Schule und erlebte insgesamt 12 verschiedene Schulen. ‚Nur eine Gleichung ist das ganze Leben, und mehr als eine Grösse ist uns unbekannt.‘ (Geys)

Ada Adler: „Frau Geys war Mathematik- und Physiklehrerin und ein etwas herber Typ. Man hatte den Eindruck, sie hatte sehr viel Zuneigung zu den Schülern, sie hat sich aber nicht sehr leicht getan, diese Zuneigung auch zu übermitteln. Sie kam aber indirekt zum Ausdruck, denn gerade die Naturwissenschaftler haben in der Regel ja nur ihren Fachbereich wahrgenommen und Frau Geys hat aber von sich aus den Wunsch gehabt, dass sie uns auch etwas Lebenshilfe gibt und da hat sie eine Art Anstandsunterricht eingeführt. Zu Beginn ihrer Stunden hat sie uns das gute Benehmen in der Gesellschaft beigebracht. Wer geht zur Tür zuerst hinein? Wie geht man die Treppe hinauf? Ich glaub, das ging sogar bis zum ‚Wie isst man Hummer?‘ Diese ganzen Regeln, die sonst in den Tanzkursen vermittelt wurden, die hat uns Frau Geys am Anfang des Unterrichts beigebracht und dann hat sie uns in regelmäßigen Abständen, jede Woche oder jeden Tag, einen weisen Spruch mitgegeben. Der eine hat mich so beeindruckt, dass ich ihn heut noch weiß: ‚Es gibt drei Arten, weise zu werden, durch Nachahmung, das ist die einfachste, durch Nachdenken, das ist die edelste, durch Erfahrung, das ist die bitterste.'(chinesische Weisheit) Ein Spruch, der mir auch bei gewissen Gelegenheiten geholfen hat und allein die Tatsache, dass sich eine Mathematiklehrerin um sowas bemüht hat und dass man sich als Schülerin sowas gemerkt hat, zeigt schon, dass solche Bemühungen auf fruchtbaren Boden gefallen sind.“

Martha Geys war offensichtlich vor und auch noch nach ihrem Scheiden die wesentliche Gestalterin der alljährlichen Faschingsfeiern. Zur Verabschiedung ihres zweiten ‚Anstaltsleiters‘ Dr. Straßer trat sie als leibhaftige Mathematik auf, in schwarzem Tuchkleid, mit Integral am Kopf, auf der linken Brustseite einem weißen Seidenherz mit Wurzel aus x und rechts einem Kongruenzzeichen. Ihr ging es um die Kongruenz von Herz und Verstand:

‚Geheimnisvoll mit Zeichen und Symbolen
zeigt meine Wissenschaft sich der Gesellschaft hier.
Ihr denkt: Der Teufel soll die Mathematik holen,
verdirbt sie uns auch heute das Pläsier!
Nur eine Gleichung ist das ganze Leben,
und mehr als eine Grösse ist uns unbekannt.
Doch ist sie uns nun einmal aufgegeben,
drum lösen wir sie möglichst elegant!
Die Summe aller Pläne und Gedanken
sitzt hier im Kopf, ein ganz „bestimmtes Integral
mit klaren Grenzen“. Wenn sie heut auch schwanken
im Faschingstaumel, ist uns das egal!
Jedoch die Wurzel unsrer Gleichung, die verzwickte,
das grosse X, des Lebens Lust und Qual,
wir suchen sie – nicht nur im Fasching – auf verrückte
Manier, denn leider ist sie i r r a t i o n a l !
Dem Scheidenden, bei dem ich heut zu Gast bin,
erweist die Wissenschaft gebührend Reverenz,
und wünscht ihm als der Lebensgleichung Tiefsinn
stets zwischen Kopf und Herz die rechte Kongruenz.‘

Und noch 1980 schrieb sie in der für sie bekannten Reimform an Dr. Straßer:

‚Ach! Der Unterschied wird immer krasser
zwischen mir, Homer und Joseph Straßer!
Diesen beiden Lob und Preis
von der alten Brucker Geys.‘

Eine Schule etabliert sich (1950-1955)

„Die verstaubten 50er Jahre begannen“, meint Ilse Greif (Englisch, Deutsch, Geschichte), ab 1961 Lehrerin an unserer Schule. Doch war die Zeit wirklich so verstaubt? Urteilen Sie, verehrte Leserin, verehrte Leser bitte selbst!

Eine Klasse der evangelischen Volksschule im heutigen Zeichensaal, Raum 43

Durch die rechte Eingangstür (vgl.Foto unten) gingen die evangelischen Volksschüler, durch die linke Tür die Oberrealschüler, und zwar im Schichtbetrieb

Knabenschule (Foto: Erich Landschreiber)
Eingang der alten Knabenschule (heute Nebenhaus)

Im September 1951 kamen zwei weitere Klassenzimmer und 1 Büroraum hinzu, da die Berufschule auszog. So erhielt die Oberrealschule für ihre nunmehr 403 Schüler den gesamten ersten Stock des alten Knabenschulhauses und verfügte über sechs Klassenzimmer, einem Ausweichraum, einem ‚Physik- bzw. Chemiesaal‘. Wenn Schüler und Lehrer aus dieser Zeit das heutige Gebäude sehen, wundern sie sich über die Weite des Flurs im 1. Stock, war hier doch zu ihrer Zeit selbst der Flur ein Durchgangs-Klassenzimmer, durch das sie in weitere Klassenzimmer gelangten. 1952 wurde die neue Knabenvolksschule bei der Jahnhalle fertiggestellt und im September 1952 erhielt unsere Schule das gesamte Gebäude der alten Knabenschule. Herr von Schmädel sollte diese ‚Herberge‘ später ein ‚Elendsquartier‘ nennen.
Bis 1950 war unsicher, ob die Schule überhaupt weiter als die ersten drei Jahre geführt werden dürfte. Dann bekam sie die ersehnte Erlaubnis, die Mittelstufen Klasse 3 – 6 aufzubauen.

Mit Wirkung vom 1.1.1951 erhielt die Schule sogar ihre schulische Selbständigkeit; sie blieb jedoch haushaltsrechtlich der Oberrealschule München-Pasing angeschlossen. Aus diesem Anlass feierte das halbselbständige ‚Adoptivkind‘ die Teilunabhängigkeit vom ‚Vormund‘ Fasching 1951 besonders fröhlich, hatte es doch unter der ‚Kritisierung der Noten durch z.T. jüngere Pasinger Kollegen gelitten‘ und freute es sich über die ‚Vereinfachung der umständlichen Verwaltung‘ (Martha Geys). Ein ‚geschmackvoller Berichterstatter‘ denunzierte das Brucker Fest in Pasing als ‚Befreiungsfeier‘ und hinterließ beim empörten Oberstudiendirektor Hartmannsgruber ein ‚bitteres Dolchstoßgefühl‘.

Martha Geys (Aus Privatbesitz Helmut Geys)

Martha Geys bekannte sich als Urheberin der inkriminierten Scherzverse: ‚Wir haben’s getragen über drei Jahr, wir tragen’s nicht länger mehr: Stets, wenn die Zeit der Zeugnisse war, wurde der Kopf uns schwer. Denn über allem stand heilig die Form und dass sie befriedigte wohl, Und vor lauter Form und vor lauter Norm ward manchmal der Inhalt hohl. Es lebe die Freiheit, die eigene Tat und die eigene Maschinerie Und der eigene Oberstudienrat und – die eigene Pedanterie! Dem Pasinger Vormund danken wir sehr für das mühvolle Protektorat! Wir brauchen ihn nur als Geldgeber mehr und grüssen ihn herzlich privat!‘

Wegen der bedrückenden Finanzlage der öffentlichen Hand konnten staatliche Mittel kaum erwartet werden. Auf Elternversammlungen wurden die ‚verehrlichen Eltern‘ zu Spenden für den Schulhausbau und die fehlende Einrichtung aufgerufen. Dabei galt eine einfache Rechnung: Was sparen Eltern, indem sie ihr Kind nicht zu einer Münchner Schule schicken müssen? – Mehrausgaben für Kleidung und Essen, auþerdem im Monat 8,50 DM Fahrgeld nach München, in 10 Schulmonaten 85 DM für ein Kind und für 300 Kinder 25 000 DM. Dieses Geld sollte auf ein Sparkonto der Elternschaft als freiwilliger monatlicher Betrag eingezahlt werden, damit der schwierige Aufbau der Schule nicht an irgendeiner finanziellen Klippe scheitere.

‚Freilich nur etwa ein Fünftel der Eltern folgte damals diesem Vorschlag, und zwar, was besonders hervorgehoben werden muss, nicht etwa die Begütertsten, sondern vielfach gerade solche Eltern, die trotz bescheidener Verhältnisse aus tiefer Verantwortung heraus geglaubt haben, sich einer Pflicht gegenüber der Jugend nicht entziehen zu dürfen. Die Spargroschen waren in zwei Jahren auf rund 2000 DM angewachsen. Ein Darlehen aus diesem Betrag ermöglichte es, die notwendigen Schultische und Stühle einzukaufen und dringend erforderliche Reparaturen im neuen Schulgebäude, soweit diese von der Stadtverwaltung nicht übernommen wurden, durchzuführen.“ Der Chronistin des 1. Jahresberichtes erschien es als ‚Ehrenpflicht‘, die Namen der Sparer dankbar einzeln aufzuführen.

Später, als das Schulgeld wegfiel, spendeten Eltern z.T. über 20 000 DM jährlich für ihre Schule. Und eine andere Geschichte über die Finanzierung wurde aus dem Jahr 1949 bekannt. Amanda Wohlmuth war Vorsitzende des Kreisbürgerkomitees, als der Resident Officer, Mr Feehan, ihr ein paar tausend DM für den schulischen Neubeginn anbot, eine Riesensumme so kurz nach der Währungsreform von 1948, wo es nur ein ‚Kopfgeld‘ von 40 DM pro Person gegeben hatte. Sie griff sogleich zu:“‚Ja, die Oberschule ist neu. Die brauchen viel.‘ Und da hab ich dann das Geld gekriegt und konnte es der Schule geben.“
Im heutigen Nebenhaus gab es nur 8 Räume für die 464 Schüler der 13 Klassen. Schichtunterricht war notwendig, von 8 Uhr morgens bis 17 Uhr 30 abends – der ‚Stundenplankünstler‘ Ludwig Baumann konnte davon ein Lied singen. Es bedeutete manche Unannehmlichkeit für die Schüler, aber auch eine starke Belastung für die Lehrkräfte, die fast alle in beiden Schichten, also vormittags und nachmittags zu unterrichten hatten.

Musiksaal in der alten Knabenschule (heute Raum 53)

Zudem fehlte es vor allem an Lehrsälen für den naturwissenschaftlichen Fachunterricht. ‚Locus regit actum‘ – ‚Der Raum bestimmt die Leistung.‘ Jeglicher Fachunterricht konnte nur ‚Kreideunterricht‘ sein, physikalische Experimente wurden mit ein paar Kreidestrichen auf der Tafel plausibel gemacht. Für die Durchführung von Versuchen fehlten nicht nur die Räume, sondern auch die Geräte. Wenn ein Experiment nicht klappte, konnte man es immer auf die mangelhaften Bedingungen schieben. Die Bücher konnten nur notdürftig verstaut werden, das Lehrerkollegium musste sich auf engstem Raum zusammendrängen und der Schulleiter Johann von Schmädel musste Elternbesuche in einem Kammerl abfertigen, das sich Direktorat nannte.
Therese Risinger (Deutsch, Geschichte, Erdkunde), die 1955 an unserer Schule anfing zu unterrichten, erinnert sich: „Die Treppen waren von einer lebensgefährlichen Enge; die Bodenbretter des oberen Ganges waren so morsch, dass einmal ein Schüler eingebrochen ist; auf dem Tisch des sog. Lehrerzimmers stapelten sich ausgestopfte Füchse, Eulen, Wiesel, Vogelnester, weil sonst im Schulhaus kein Platz war. Und aus dem Raum im Parterre, der Physik- und Chemiesaal in einem war, strömten unbeschreibliche Düfte, nicht nur durch das ganze Haus, sondern auch hinaus in den Hof zu den Passanten. Schlimm war es im Winter, weil die Winterfenster mit ihren Rahmen auþen festgenagelt waren – ein Lüften war unmöglich. Jedenfalls musste der Chemiesaal – nicht gerade zum Leidwesen der Schüler – des öfteren evakuiert werden, z.B. als die Bromflasche auf dem hölzernen Experimentiertisch umgefallen war.
Für Herrn von Schmädel war die Schule ein ‚Elendsquartier‘ „mit ihren modrigen und dumpfen Zimmern, ihren überaus engen Gängen, den völlig unzureichenden Treppen und den äußerst leidlichen sanitären Einrichtungen“. (Brucker Nachrichten, 1./2. Dezember 1956)

Zu den räumlichen Verhältnissen in der alten Knabenschule erzählt die damalige Lehrerin Irmingard Dietrich (Kunst/Sport): „Wir haben keine Zeichensäle gehabt. Nichts. Es war alles in diesen einfachen, ramponierten Schulklassenräumen. Wassereimer musstest du schleppen, alles musste hereingeschleppt werden. Aber dieses Improvisieren hat auch seine Vorteile. Das gibt mehr Kreativität, sowohl bei den Schülern, als auch bei den Lehrern. Wenn allzu viel gegeben ist, dann entstehen Forderungen, Forderungen, Forderungen. Vom Krieg her war man froh, man hatte ein Dach überm Kopf. Es war alles da. Es war auch warm. Der Hausmeister hat die Ofenheizung besorgt. Am Nachmittag, wenn die Temperatur abgesunken ist, da hat man dann selber Heizmaterial mitbringen müssen. Da war keine Zentralheizung.“
Auch damals gab es schon Wettbewerbe zur Klassenzimmerverschönerung. „Meine Klasse (heute Raum 42) mit 49 Schülern bekam den ersten Preis, einen freien Tag.“ (Peter Seitz) Der besondere Gag müssen wohl die Blumenkästen drauþen am Fenster gewesen sein.

Theater unserer Gründungsschüler (vorn Georg Burghart;hinten von links Anneliese Huber, Heidi Gallasch, Irene Mister, Ingrid Karl, Edith Stegmaier, Christa Welsch)

Man versuchte sich das schulische Leben mit den geringen Mitteln so schön wie möglich zu machen. Die jährlichen Faschingsfeste wurden mit beträchtlichem Aufwand an Selbstgeschneidertem und Selbstgedichtem begangen. Es wurde sehr viel Theater gespielt.
Beim jährlichen Krippenspiel sind Talente zum Ausdruck gekommen, die im normalen Unterricht gar nicht sichtbar waren. Alfred Bierling soll dort einen unnachahmlich rasenden Herodes ‚hingelegt‘ haben und die vielen Engelflügelchen waren bis ins Detail perfektioniert. Auch Kästners ‚Pünktchen und Anton‘ war eine vielgerühmte Aufführung in der Jahnhalle. „Diese Stücke haben uns sehr viel Gemeinschaftsgefühl gegeben, auch Gemeinschaftsgefühl mit den Lehrern. Die Rollen haben wir wirklich mit ganzem Herzen gespielt. Und für uns war es damals selbstverständlich, dass die Eltern mehr oder weniger vollzählig in die Jahnhalle geströmt sind und sich das angeschaut haben. (Ada Adler)

Unten: Die Gründerklasse muss gehen, da die Schule nur bis zur 6. Klasse geführt wird. Foto: Anneliese Sponer

Abschluþfeier der Gründerklasse Juli 1953 im Bichlerbräu, links Edeltraut Deisenhofer

Am 1. Februar 1954, anlässlich des 70. Geburtstags von Bundespräsidenten Theodor Heuss, war ein ganzer Tag unterrichtsfrei. Am 1.6.1954 firmte der langjährige Dachau-Häftling und Weihbischof Neuhäusler 42 Schüler. Und im gleichen Jahr 1954 pflanzten Schüler im Rothschwaiger Forst Freundschaftsbäume für die UNESCO und es wurde das erste Tonbandgerät angeschafft.

Im Juni 1954, zu einem Zeitpunkt als diese Schule noch ‚Oberrealschule München Pasing‘ hieþ, wurde der 1000jährige Todestag des Grafen Rasso in Grafrath begangen und die Schüler besuchten die Theateraufführung ‚Graf Rasso – Der Heerführer Bayerns‘.
Peter Seitz spielte darin einen Hunnensohn, der später ins Kloster eingetreten ist. Im Stück kämpfte Graf Rasso gegen diverse Ungarn/Hunnen-Einfälle, während in der realen Welt gerade die Fuþballweltmeisterschaft 1954 in der Schweiz lief, das Endspiel Deutschland gegen Ungarn. „Drei Wochenenden lang haben wir es aufgeführt. An einem Wochenende war das Endspiel zur Fuþballweltmeisterschaft Deutschland gegen Ungarn. Wir haben zwischendurch immer Radio gehört, wie das Ergebnis stand. Verlängerung gabs doch auch. Auf der Bühne mussten wir schreien: ‚Die Ungarn kommen! Die Ungarn kommen!‘ Aus dem Publikum antwortete einer aufgeregt: ‚Aber der Turek im Tor hält schon!'“ (Peter Seitz)

Schülergeschichten

Auch unsere Gründungsschüler kamen in die Pubertät – nur die Jungen, versteht sich, die Mädchen blieben immer brav – und so lieferten sie uns die Geschichte vom ‚Wurm im Schrank‘, die sich im heutigen Raum 52 zutrug:
„In der alten Knabenschule waren die Knaben der Fünften vorübergehend auf die Unsitte verfallen, sich am Ende der Pause mit roher Gewalt eines Schülers der Unterklassen zu bemächtigen und das arme Kerlchen trotz ehrenhaften Widerstands in unser Klassenzimmer zu schleppen, wo es dann erst beim Eintreffen der Lehrperson freigelassen wurde. Das Opfer musste dann auf dem kürzesten Weg durch das Ganglabyrinth in seine Klasse rasen, um nicht von der eigenen Lehrkraft wegen Trödelei mit Missbilligung oder Schlimmerem empfangen zu werden. Um das Maþ voll zu machen, sperrten die übeltäter eines Tages zu Beginn des Deutschunterrichts (oder war’s Französisch?) ihre zappelnde Beute auch noch in den Schrank.Viktor Barausch betrat alsbald das Klassenzimmer, ein Philologe, der sich bei anderen Anlässen durch ein geradezu inflationäres Erteilen von Verweisen einen besonderen Platz in der Erinnerung seiner Zöglinge gesichert hatte. Die erste Sturmwarnung bei nicht verebbendem Schülergemurmel war zuweilen die indignierte Frage: ‚Haben Sie nicht gehört, dass ich ‚also, also‘ gesagt habe??‘ Diesmal blieb die Unruhe, der ärger des Pädagogen entwickelte sich proportional dazu, und hinten hämmerte der Eingesperrte gegen die Schranktür. Die Nächstsitzenden wussten auf Befragen natürlich wie immer von nichts. Aber das verhaltene Kichern, das unübersehbar breite Grinsen auf manchen Gesichtern, unterdrücktes Lachen und allerlei Rumoren, um das Hintergrundgeräusch im Schrank zu übertönen, machten den Lehrer erst recht nervös.Schlieþlich richtete sich sein Interesse voll auf den Schrank, von dem einzelne Schüler reinsten Gewissens behaupteten: ‚Da is der Wurm drin!‘ Dieser scheinbar blanke Hohn ging Viktor Barausch denn doch über die Hutschnur und er durchmaþ erbost das Klassenzimmer, riss die Tür des verdächtigen Möbels auf … und vor dem verblüfften Blick des Lehrers stolperte der verschreckte Wurm Hanni heraus, sauste in Richtung Saaleingang und weg war er. Zurück blieb eine vor Begeisterung über diese fulminante Unterrichtsauflockerung berauschte, Tränen lachende Klasse und ein genervter Viktor Barausch, der sich, obgleich Philologe, in diesem Moment auþerstande sah, am offensichtlichen Wortwitz Gefallen zu finden. Hans Wolfgang Wurm, so möchte man fast meinen, habe sich später auf subtile Weise an Kraftmeierei jeder Art gerächt: Er wurde Zahnarzt!“ (Ada Adler)

Oberrealschule Fürstenfeldbruck (1955-1959)

Am 1. Dezember 1956 begann eine neue Epoche: Die Schule wurde endlich eine selbständige staatliche Höhere Schule, eine ‚Vollanstalt‘ und trug ab jetzt die Bezeichnung ‚Oberrealschule Fürstenfeldbruck‘. Als Folge konnte 1959 der erste Jahrgang das Abitur ablegen.

Hauptgebäude ca. 1957 (Foto: Erich Landschreiber)

Am 1. Dezember 1956 wurde schließlich das neue Schulgebäude auf der sog. Theresienwiese (!) eröffnet, unser heutiger sogenannter Altbau, der Teil, in dem sich heute das Lehrerzimmer befindet. Zunächst waren Erdgeschoss und 1. Etage bezugsfertig, 1958 wurde auch die 2. Etage fertiggestellt. Stadt und Landkreis hatten den Bau mit der damals beachtlichen Summe von 800.000 DM ermöglicht, für die Einrichtung kam der Staat auf. Der Architekt war Franz Gickler, der Vater unseres Kunstlehrers Andreas Gickler.Der Apotheker und Stadtrat Hans Kolb, aber sicherlich noch viele andere Brucker Bürger, hatten jahrelang darum gerungen, dass ihre Kinder endlich ein anständiges Schulgebäude bekamen. Die Finanzierung wurde letztlich nur dadurch möglich, dass die Elternschaft sich verpflichtete, einen Teil der Zinsen für das Dahrlehen zur Errichtung der Schule selbst zu tragen.

Apotheker Kolb

Therese Kolb, seine Witwe, erzählt heute: „Die Eltern haben gesagt, das Bahnfahren kostet 10 DM pro Kind und wenn wir das zusammentun, diese 100 oder 400 Eltern oder wie viele es waren, dann haben wir 1000 DM oder 4000 DM im Monat beisammen zum Bau des Gymnasiums. Und wir Eltern bezahlen den Zins. Mein Mann war im Stadtrat und bei der Sparkasse im Aufsichtsrat, und wir hatten ja selber vier Kinder. Er hat sich finanziell Tag und Nacht bemüht. Er war ein ständiger Bettler unter den Eltern. Die haben ihn direkt gemieden. Er hatte so viele schlaflose Nächte, wissen Sie, wenn ihm wieder nichts gelungen ist. Da hat man ja doch drunter zu leiden gehabt. Es war ja damals kein Geld da.“

Neubau (vom Schulhof aus gesehen)

Wolfgang Jank, Elternbeirat und auch Vater von vier Kindern, bestätigt Therese Kolbs Erinnerungen: „Die Stadt hat den Grund gegeben, sie hat die Oberrealschule gebaut und bei der Sparkasse ein Darlehen von 800.000 DM aufgenommen. Nach meiner Erinnerung war es so, dass die Elternschaft sich verpflichtet hat, in welcher Form weiß ich nicht, den Zinsendienst zu tragen. Dazu wurde im Jungbräusaal die erste Elternversammlung des Jahres abgehalten, wo dann insbesondere der Apotheker Kolb als Werberedner aufgetreten ist, aber auch Polizeidirektor Hacker, Richter Heilmann und Dr. Lampl, und haben den Eltern, insbesondere den neu hinzukommenden Eltern, deren Kinder in die 1. Klasse des Gymnasiums kamen, gesagt, ‚die Kinder liegen nicht auf den Bahnhöfen herum, hier oder in Pasing, und die Kinder können ihre Zeit sinnvoller nutzen, indem sie heimgehen.’Wir waren ein nichteingetragener Verein – heute undenkbar, dass sich etwa 10 Männer zusammentun und sagen ‚das machen wir‘. Wir waren uns einig, haben gesagt, das machen wir und dann haben wir das gemacht. Die Klassleiter haben dann mittels des Wirtschaftskundelehrers Helmut Preidel bei mir abgerechnet. Ich hatte eine einfache Anschreibeliste, da habe ich geschrieben, wieviel die einzelnen Klassen eingezahlt haben und dann habe ich, wenn die Zinsen fällig waren, dieses Geld jeweils aufs Konto überwiesen. Meiner Erinnerung nach waren das 10 Mark pro Kopf bei 4-500 Schülern. So sind 4-5000 DM monatlich aufgekommen. Ich habe nicht den Eindruck, dass irgendeiner gesagt hat, ‚ich will nicht zahlen‘.“

Chemiesaal im Neubau

Mit dem Neubau begann für Schüler der Mittel- und der beginnenden Oberstufe und ihre Lehrer ein ganz neues Leben, auch wenn zunächst nur das Erdgeschoss und der erste Stock fertiggestellt waren. Man freute sich an den großen, freundlichen und lichten Räumen, stolz wurden die neuen, ansteigenden Stuhlreihen im Physiksaal präsentiert, auch wenn viele Beteiligte noch bis 1958 vom Leben auf der Baustelle zu berichten wussten. Im Dachgeschoss hatte Franz Gicklers Planung eine Werkstätte für den Hausmeister vorgesehen, die Lernmittelbücherei und einen Saal für kleinere Vorführungen und Veranstaltungen. Diese sind nie realisiert worden.

Flur Neubau

„Raum bietet das neue Haus den 450 Schülern nun in überreichem Maße“ frohlockte der Bürgermeister Dr. Fritz Bauer. (Brucker Nachrichten 1./2. Dezember 1956) Endlich hat die Schule ohne Raum einen Raum! ‚Locus regit actum‘ – ‚Der Raum bestimmt die Leistung.‘ – Nein, der Raum bestimmt nicht die Leistung, aber er kann sie fördern.
„Sogar an das leibliche Wohl wurde in diesem sonst den Geisteswissenschaften gewidmeten Haus gedacht. In der Eingangshalle ist ein kleiner, gefliester Raum eingebaut, in dem die Milch für die Schüler ausgegeben wird“, schwärmte damals Bürgermeister Dr. Fritz Bauer. Und „Eltern, die einmal ‚unter vier Augen‘ Gutes oder Böses über ihren Sprößling erfahren wollen, können sich mit dem Lehrer in das Elternsprechzimmer zurückziehen,“ war offensichtlich ein erwähnenswerter Luxus zur Beförderung der Leistung.

Tisch im Lehrerzimmer

1959 legten die ersten Schüler das Abitur ab. „Von den 100, die 1950 angefangen hatten, haben vielleicht 30 Abitur gemacht. Genau kann man es nicht ausrechnen, da die Humanisten nach der Mittleren Reife nach München gegangen waren. Und die Mittlere Reife war auch für viele ein erstrebenswerter, sehr guter, Abschluss,“ meint Peter Seitz. Da am Ort noch keine Realschule existierte, waren 6 Jahre an unserer Schule die einzige Möglichkeit, zu einem mittleren Schulabschluss zu gelangen.

1959, die Schülerinnen und Schüler des ersten Abiturjahrgangs

Hedwig Liebl, gelernte Sozialarbeiterin, hat von März 1963 bis Oktober 1978 die gesamten Finanzen der Schule bearbeitet und zum Schluss ihrer Zeit auch noch die Oberstufenbücherei aufgebaut. Sie war der Schule von den ersten Anfängen her verbunden, gehörte sie doch zusammen mit Herrn Kolb und Herrn Lindemann schon zu den Unterzeichnern der Denkschrift von 1947, die das Entstehen der Schule forderte. Sie bezeugt, dass diese Denkschrift beim Richtfest im Erdgeschoss eingemauert wurde, und zwar genau hinter den Stein mit der Aufschrift: „Baubeginn 23. Juni 1955 Richtfest 9. Dezember 1955 Einweihung 1. Dezember 1956″.“Meine Klasse hat den Entwurf für den Stein im Kunstunterricht gemacht“, erinnert sich Peter Seitz. Hinter dem Stein befindet sich auch die Urkunde: ‚Bauherr ist die Stadt. Architekt ist Herr Franz Gickler. Kostenvoranschlag 1 175 000 DM‘ und es folgt der Wunsch: ‚Möge in dieser Bildungsstätte eine Jugend heranwachsen, die, in Heimat und Volk verwurzelt, dereinst beiträgt zum Glück und Wohlstand des deutschen Volkes und der ganzen Welt.‘

Eingangsbereich Neubau

„Kaum war der Neubau 1958 ganz fertig, stand bald wieder das Gespenst von Wanderklassen und Schichtunterricht vor uns, auch das von Mammutklassen bis zu 60 Schülern. Hauptursache war vor allem der starke Zuzug von Bundeswehrangehörigen in dieser Zeit. Herr von Schmädel, seine Mitarbeiter und der Elternbeirat kämpften also weiter, sie kämpften um eine eigene Turnhalle, sie kämpften um einen Erweiterungsbau, sie kämpften um die Gestaltung des Pausenhofes, der jahrelang als Steinwüste mit gewaltigen Staubwolken unsere Schule umgab. Und die Stadt stöhnte: ‚Das Gymnasium wächst uns über den Kopf.‘ (Brucker Merkur, 1960)“ (Therese Risinger)
Damals muss der erste Eindurck von unserer Schule kein sehr freundlicher gewesen sein. Zahlreiche Zuschriften erinnern jetzt an ‚Oberstudiendirektor‘ Mayer, wie der Hausmeister Adolf Mayer spöttisch genannt wurde. Wolfgang Heilmann, von 1960 – 66 Schüler, erklärt, warum der Hausmeister damals der ‚wichtigste Mann‘ der Schule und ‚Herrscher über den Haupteingang‘ war: „Er öffnete den Haupteingang – egal bei welchem Wetter – erst kurz vor Unterrichtsbeginn und stellte sich mitten hinein, um mit Argusaugen darauf zu achten, dass keiner die Schule betrat, ohne seine Schuhe abgestreift zu haben. Er war Herrscher über alle Flure und den Verkauf von Semmeln und Kakao.“ Und Dr. Herbert Müller (Schüler von 1960-69): „Herr Mayer war an einem Arm amputiert und wenn man nicht parrierte, drohte er manchmal (ich glaube, er hätte es nie getan): ‚Ah, mit oam Arm konn i dia so oane schmiern, dass da langt!'“ Welch ein Wunder muss es nach jahrelang geführtem Kampf um das öffnen der Eingangstüren gewesen sein, als wie durch göttlichen Erlass eines morgens in den 60er Jahren beide Flügel der Eingangstüren den Eindringenden ihre Leere entgegenstreckten?!

Lehrergeschichten:

Kollegium Dezember 1958 ( hinten: Aumann, Salzmann, Lerner, Patscheider, Preidel, Baumann, Zierl, Schmitt, Hausmeister Mayer; mitte: Engel, Barausch, Wolfseher, Zimmermann, Dörnhöfer, Mathes, Deutsch, Kollmer, Grubmüller; vorn: Risinger, Deisenhofer, Birnmeyer, von Schmädel, Ernst, Krakowitzer, Aunhammer, Brunner)

Und auch im Lehrerkollegium war die Koedukation eine Chance: Martha Elisabeth Beck (Deutsch, Geschichte, Erdkunde) unterrichtete von 1957 bis 58 an dieser Schule.Wolfgang Schöne, damals Schüler des humanistischen Zweiges, und heute unser Mathe- und Physiklehrer, bestätigt, was Dr. Renate Seitz (Kolb) schmunzelnd erzählt: „Die schönste Geschichte der Schule, von allen Schülern beäugt, war die Liebesgeschichte zwischen Herrn Professor Zierl und damals noch Frau Professor Beck, meiner Klassenlehrerin in Deutsch. Man traf sich im Sommer immer im Schwimmbad, zumindestens die Fürstenfeldbrucker Schüler, und Herr Prof. Zierl und Frau Prof. Beck waren auch des öfteren an heißen Nachmittagen dort. Es wurde natürlich haaaargenau beobachtet, was da lief. Sehr romantisch. Sie haben dann sehr bald geheiratet und Frau Zierl ist ziemlich bald vom Unterricht ausgeschieden. War eigentlich ein Verlust.“Peter Zierl (Mathematik, Physik) war von 1953 bis 1984 Lehrer dieser Schule. Ihre gemeinsamen vier Kinder haben alle unsere Schule durchlaufen. „Köstlich war als Herr Zierl einmal im Skilager nachts mit Bett bewaffnet in unseren Schlafsaal kam, mit 20 oder noch mehr Leuten. Er hat sich zu uns in den Schlafsaal gelegt, in der Hoffnung, uns zu beruhigen. Er hat das Gegenteil erreicht. Wir haben Witze erzählt; er ist wieder aufgerumpelt, um den übeltäter zu finden. Es gelang ihm nicht. Nüsse wurden in Dosen umgefüllt ‚popp, popp, popp, popp‘. In der nächsten Nacht ist er nicht mehr bei uns gewesen.“ (Peter Seitz)

Martha und Peter Zierl

„Da kam eine, die war ganz lustig. Sie hieß Grießbach, hatte Zungenschlag. Köstlich. Sie ist reingegangen mit der Gitarre und hat uns in der 7. und 8. Klasse was vorgesungen. ‚Schwarz-braun ist die Haselnuss‘ mit Zungenschlag. Schallendes Gelächter. Die Frau hat sozusagen nichts mehr zu melden gehabt. Aber sie hatte uns dann über kurz oder lang wieder an der Leine, indem sie mit unserer Klasse das Finale von Don Giovanni einstudiert hat. Und das haben wir aufgeführt. Man stelle sich vor, ein Opernfinale! Mit einer einzigen Klasse! Ich habe den Don Giovanni gesungen. Der Wimmsi Neumaier hat den Comtur gesungen.“ Dagmar Trabert ist als Opernsängerin aus diesem Unterricht hervorgegangen. Die Uraufführung war im alten Musiksaal, heute im alten Teil des Neubaus, zweiter Stock. Gerhard Kuhn unser heutiger Musiklehrer hält das Lied ‚Es, es, es und es, es ist ein…‘ für ein noch geeigneteres übungsfeld für jemanden der lispelt.Zur Zeit von Adelgunde Schmitt, Geigenlehrerin, gab es ein gutes Streichorchester, aus dem immer wieder hervorragende Einzelbegabungen hervorgingen. Zu Beginn eines Konzerts hat sie vor den versammelten Zuhörern alle Geigen aller Orchestermitglieder einzeln gestimmt. Eine Stricknadel war ihr Taktstock. Gibt es diese Stricknadel noch?
„Mathes war eine tolle Musiklehrerin, hat toll Klavierspielen können. Sie lebt heute in San Fransisco. Mit einem neuen Flügel, den wir von der Stadt bekommen haben, haben wir den jetzigen Musiksaal mit ihr eingeweiht. Ich hab da eine Mozartarie und Schubertlieder gesungen. Sie hat sie mit mir in der Musikstunde geübt. Die anderen haben derweil Hausaufgaben hinten gemacht und waren über mein Singen gar nicht erfreut. Der Oswald Otto hat mal gesagt: ‚plärr net da so‘, obwohl ich doch mein ganzes Schmalz hineingegeben hatte. Eine Mozart Konzertarie hab ich mit ihrem Mann einstudiert, der ist Opernsänger. Er war in San Fransisco an der Oper. Wir waren dann persönlich befreundet und per Du. Ein Schüler war mit einer Lehrerin per Du! (Ich war viel bei ihnen in der Wohnung und hab mit ihnen musiziert.) Das durfte man natürlich in der Schule nicht sagen. Dort haben wir uns logischerweise gesiezt.“ (Peter Seitz)Pfarrer Dr. Neumann lebt noch in Gröbenzell. „Er war ein ganz interessanter Mann, hat furchtbar schnell geredet, ein unwahrscheinlicher Eiferer. Diabolus Sanctus, hieß er bei uns“, erinnert sich Peter Seitz.Dr. Luise Steber (Biologie, Chemie, Erdkunde, Geschichte, Stenographie). „Wir nannten sie meistens Aloisia. Ein tolles Weib!“ meint Peter Seitz. „Sie war eine Niederbayerin, eine Handfeste mit Oberlippenbart. Konnte sehr mit dem ssspitzen Ssstein anssstossen und war im nächsten Augenblick wieder sehr gescherrt. Sie wechselte rasant ihre Sprachfarben.“ (Peter Seitz) Trotz der großen Anzahl ihrer Fächer begann sie ihren Unterricht meistens mit den Worten: ‚Wir Chemiker haben festgestellt‘ oder ‚Wir Geographen meinen‘, ‚Wir Historiker finden…“ Schüler kombinierten schließlich ihre 5 Fächer: ‚Wir Geographen meinen, dass wir die gleichen Kenntnisse als Chemiker, wie als Historiker, Biologen und Stenographen besitzen.’Privat war sie sehr nett, wohnte neben dem Deutschen Museum an der Isar, und wenn früher ins Jugendkonzert gegangen wurde, dort wo heute das Imax ist, ging man anschließend zur Steberin. Sie tischte Wein und Sekt auf – enorm! In der Chemie war der Experimentiertisch auf einem großen Podest, sodass die Lehrerin hoch an der Tafel stand, ihre Experimente ausführte. Viele Versuche funktionierten nicht, doch das lag allein an der mangelnden Ausrüstung. Die Beine von Frau Prof. Steber waren genau in Blickhöhe der Schüler. Und worauf achten sie im Unterricht wirklich? Worüber denken sie nach? Was fällt ihnen auf? Woraus ziehen sie ihre Schlussfolgerungen? Schauen sie auf den Experimentiertisch oder darunter?Als es einmal sehr kalt war, bemerkten sie zwei parallele Linien auf den kräftigen Waden ihrer Lehrkraft und schlossen messerscharf, dass Frau Professor heute zwei paar Nylonstrümpfe übereinander trug. Und obwohl sie Frau Prof. Steber sehr gerne mochten, sahen sie doch die Krampfadern und flüsterten in diese naturwissenschaftliche Atmosphäre: ‚Da müsste man noch ein paar Blutegel neimachen!‘ – Gemein!Mathilde Wagner (Geschichte, Deutsch, Latein) ‚ein Besen‘ ‚Oh, die haben wir gefürchtet. „Sie hat Stiefel angehabt, die Füße auseinander, bissl vorgebeugtes Becken: ‚Euer Benehmen ist grässslich!‘ hat sie rumplärrt. Mit ihr haben wir Ovid gelesen, den kann ich noch. Wahrscheinlich, weil ich ihn so oft wiederholt habe.Max Ernst, stellvertretender Direktor, war der Sohn eines Eiergrossisten vom Viktualienmarkt. Es muss ein Foto von ihm als Kind geben mit der Erstkommunionskerze in der alten Frauenkirche. Wer hat dieses Foto? „Ernst war ein Zyniker. In meiner Klasse hat einer aus Angst in die Hosen gepieselt als er an der Tafel stand. Es ging um Benennungen: ‚Vier Dezimeter und 8 Zentimeter ist wieviel?‘ -‚ Wieviel sind drei Affen und vier Bananen, du Hornochse?!‘ Er war so bös.“ (Peter Seitz) In der zweiten Klasse hat Lehrer Ernst seinem Schüler Peter Seitz den Spitznamen ‚Pimperl Wichtig‘ gegeben, ‚weil ich halt ein Gschaftlhuber war‘. Später hat er ihn dann als Ministrant in der Klosterkirche von Grafrath erlebt und nannte ihn daher den ‚Klingelbeutler von Grafrath‘. So ein Name muss nicht unbedingt bös gemeint gewesen sein, doch je nach psychischer Konstitution kann er verhängnisvoll wirken, wenn er von der Klasse begierig aufgegriffen wird.Dr. Herbert Müller (1960-69): „Der stellvertretende Direktor Ernst, schrieb ein zweibändiges Lehrbuch der Geometrie; er war aber vor allem wegen seiner schmutzigen und perversen Bemerkungen gegenüber Buben, die mit Händen in den Hosentaschen seinen Weg kreuzten, bekannt.“ Er war auf seinen Fachgebieten sehr ‚handfest‘, meint Peter Seitz, doch auf ‚einem Parkett, das er nicht beherrschte, gleichzeitig recht unsicher. „Als er dann Konrektor wurde und repräsentative Aufgaben übernehmen musste, z.B. einmal eine Rede halten, da war er dann sehr unsicher und hölzern.“Hugo Wandel (Englisch) galt als sehr reich, betrieb nebenbei ein Taxiunternehmen, und die Schüler machten sich viele Gedanken um sein Junggesellenprivatleben. Mit seinem steifen Herrenfilzhut war er einfach schon äußerlich etwas Besonderes. „Er kam immer mit Homburg und Mantel ins Klassenzimmer und hat den Mantel so dekorativ aufs Pult gelegt, den Homburg verkehrt herum. Beim Nausgehn haben wir ihm einen Pfennig in den Hut neigschmissen. War er beleidigt, da er ‚die schmutzigen Pfennige‘ in seinem Hut vorgefunden hat. Ganz plötzlich verschwand er von der schulischen Bildfläche. Hat er den Staatsdienst ganz quittiert?

Die Schule wird sportlicher (1960-1965)

„1960 gab es noch ‚Schüler’Zigaretten: wenn ich mich recht erinnere, kostete eine Packung P4 DM 0,30, enthielt vier Zigaretten; das war vom Schülertaschengeld gerade noch zu bestreiten.“ (Diesen zeitgeschichtlichen Hinweis verdanken wir Wolfgang Heimann, 1960-66)1960 wurde der humanistische Zweig der Schule aufgegeben.1961/62 wird im Jahresbericht ausdrücklich betont, dass ’noch fehlendes Gestühl‘ ergänzt und die 1. Rechenmaschine angeschafft wurde. Es gab noch die Schulmilchspeisung im Rahmen des Grünen Planes, und zwar ein viertel Liter verbilligte Milch oder Kakao.1963 erhielt die Schule die erste Turnhalle. 16 Jahren lang hatte man entweder auf der Kegelbahn des Bichlerbräus oder auf dem Dachboden geturnt, draußen ‚Auf der Lände‘, im Hölzl, oder war zur Jahnhalle gewandert. Turnvater Jahn. Wieder ging eine Epoche zu Ende. Endlich konnte das Image der Schule nicht mehr darunter leiden, dass unsere Turnlehrer mit manchmal 50 Schülern über die Dachauer und Augsburger Straße zogen, manchmal 20 Minuten liefen, um 10 Minuten turnen zu können. „Zum Turnen ging es Anfang der 60er Jahre noch in die Jahnhalle. Wegen des langen An- und Abmarsches (es wurde allerdings lieber getrödelt als marschiert) blieb für den Sport nicht soviel Zeit; dafür wurden während des Weges ein paar Glimmstengel durchgezogen. Leichtathletik und Fußball gingen auf dem Sportplatz ‚An der Lände‘ (beim TuS-Vereinsheim) ab; mit ähnlich langen Wegen hin und zurück.“ (Wolfgang Heilmann)

Arbeiten am Wandbild an der alten Turnhalle

Ab 1963 gab es ‚Wanderklassen‘, die in die evangelische Volksschule auswandern mußten.
„Der musische Geist unserer Schule wurde für eine größere öffentlichkeit sichtbar, als im Sommer 63 die 700-Jahr-Feier des Klosters Fürstenfeld festlich begangen wurde und unser Gymnasium den Festzyklus eröffnen durfte. Ein großes Streichorchester, aus Schülern und vielen Lehrern gebildet, trug damals unbekannte Kompositionen Fürstenfeldbrucker Mönche vor, und Schüler unserer Oberstufe referierten in souveräner Weise u.a. über die Beziehungen der Gebrüder Asam zu Fürstenfeld.“ (Therese Risinger)Der Festredner Prof. Dr. Karl Bosl hatte kurzfristig seinen Vortrag aus Gesundheitsgründen abgesagt. Es sprangen die Schülerin Angelika Karbatsch („Der Zisterzienserorden“) und der Schüler Ignaz Fischer („Die Gebrüder Asam und ihr Wirken in Fürstenfeld“) für ihn ein.(Beide damals 9. Klasse, nach heutiger Rechnung 13.)
1964 erfolgte die Umbenennung der Schule in ‚Gymnasium Fürstenfeldbruck‘.

Schulklasse vor dem früheren Eingang des Neubaus (bevor an dieser Stelle der Anbau entstand)

1964 verließ auch die Sekretärin Magdalena Kauf die Schule. Sie hatte von Anfang an mit ihrem Rheinpfälzer Temperament stärksten Anteil genommen an allen Leiden und Freuden des Schullebens. „Rührend war es, wie sie vor allem die jungen Lehrer, unter dem Siegel der strengsten Verschwiegenheit natürlich, eingeweiht hat in alles, was sie – in ihrer grundguten Art – des Mitteilens für wichtig erachtete. Es war nicht wenig.“ (Therese Risinger)

Lehrergeschichten

„Lehrer – auch die jüngsten – waren schlicht und einfach alt.“ (Wolfgang Heilmann, Schüler 1960-66) Diese Ansicht vertritt auch Helga Januschke (Englisch,Sport), die damals noch Frl. Professor Nebl genannt wurde. „Bei allem Respekt gegenüber der ‚Schulobrigkeit‘, der damals bei uns sicher stärker ausgeprägt war als dies bei den heutigen Schülerinnen und Schülern der Fall ist, haben wir es den Lehrern, die Schwächen zeigten, schon sehr schwer gemacht. Insgesamt aber waren wir im Umgang mit den Lehrern sicher nicht so locker und unverkrampft, wie dies nach meinem Eindruck heute bei den Schülerinnen und Schülern der Fall ist“, schreibt uns Wolfgang Heilmann über seine Schulzeit von 1960 – 1966.Der Schulleiter Johann Ritter und Edler von Schmädel war mehrere Jahre ernsthaft erkrankt. In dieser Zeit – so wird oft gemunkelt – sei der Sekretär Otto Krakowitzer der eigentliche Schulleiter gewesen.

Ein alter Verweis
Herr Dr. Salzmann

Dr. Salzmann ist ganz leicht zu imitieren. Nur wie? 1981 hat er das Bundesverdienstkreuz bekommen. Bei Krako hört sich das so an:’As Graf-Rasso des kriagt jetzt a Gschau,
denn in der Zeitung stehts genau,
zwengs seim biologischen Reiz
hat da Dr. Salzi as Bundesverdienstkreuz‘

Kunstlehrer Artur Birnmeyer

„Viel beigetragen zu einer zusätzlichen musischen Bildung von Lehrern und Schülern hat – man darf es nicht vergessen – unser Herr Birnmeyer. Meisterhaft verstand er es – mit seinem Pfälzer Charme und mit vielen Körben voller äpfel aus seinem Garten – die Theater Münchens und Augsburgs für uns zu öffnen. In einem einzigen Schuljahr organisierte er einmal über 30 Theater- und Konzertbesuche und über 10 Besuche in Kunstausstellungen. Er war einfach erfüllt von einem hohen künstlerischen Eros und einem Idealismus, den er sich nicht nehmen ließ und wenn er noch so sehr draufzahlte.“ (Therese Risinger)

Und Dr. Herbert Müller (Schüler 1960-69): „Als Fahrschüler aus Schöngeising ist mir natürlich ein Lehrer, der auch dort wohnte, nämlich Artur Birnmmeyer, der Birnse, unvergessen. Wenn er uns in seinem 3-6-er DKW mitnahm und meinte: ‚Buben, passt’s auf, meine Augen sind nimmer so gut, und bei Zwielicht seh ich ganz schlecht‘, wurde der Schulweg zum echten Abenteuer. Trotzdem wagte er es, mit dem Auto nach München zu fahren, um seine ‚Mädchen‘ (die durchaus so alt wie er sein konnten) beim Theaterkartenvorverkauf zu bezirzen. So kamen auch wir Schüler zu günstigen Karten von den Kammerspielen bis zum Nationaltheater. 1964 ließ er den alten Herrn Dilger aus Schöngeising für die neunte Klasse (damals die Abiturklasse) Modellsitzen.“

Ergebnis einer Arbeit aus dem Unterricht von Herrn Birnmeyer und Widmung von Birnmeyer
Widmung von Herrn Birnmeyer

Gudrun Holzapfel (Kunst,1959-79, Schwester von Frau Deisenhofer). Gefragt, was ihr immer wichtig war, erzählt Frau Holzapfel wie sie versucht hat, alle Schüler zu fördern: „Begabt sind ja nur wenige, aber man kann aus jedem etwas rausholen.“ Zu ihrer Verabschiedung 1979 dichtete Otto Krakowitzer für sie:

‚Nicht allein das ABC, bringt den Schüler in die Höh,
nicht allein in Rechensachen, sollt er sich die Mühe machen,
sondern auch vom Zeichnen, Malen, sollte er dann später prahlen.
Dass dieses mit Verstand geschah, dazu war Frau Holzapfel da.
Auf den Fluren, in den Gängen, sieht man heut schon Bilder hängen,
von Schülern, die man gut konnt führen, meterweis die Wände zieren.‘

Zum Schönsten ihrer Schulzeit zählen für sie die vielen Klassenausstellungen (alle 3 Jahre), die sie machte, um zu zeigen, dass aus allen ‚etwas herauszuholen‘ ist. Das Bild von der Großstadt mit den Hochhäuserschluchten in der 2. Etage des Hauptgebäudes ist heute noch aus ihrer Zeit.

‚Doch ihre ganze Liebelei, galt immer schon der Töpferei.
Mit ihrer Kunst, mit der enormen, sieht man sie aus Ton was formen,
und in einer kurzen Zeit, ist Vollendetes soweit.
Wir alle, die das Töpfern kennen, wissen, so was muß man brennen.
Lange mußt sie bittend laufen, bis einen Ofen sie durft kaufen.
Im Werkraum, an dem einen Ende, wär Platz, da wo er stehen könnte.
Sie nimmt, man sieht, es macht ihr Spaß, zur Hand ein langes Metermaß
und beginnt, fast wie besessen, Höhe, Breite, Tiefe messen,
damit der Ofen, ihre Liebe, nicht gar am Ende stecken bliebe.
Und alles läuft nach ihrem Plan, bis zu dem Tag, als er dann kam.
Denn ach, im Treppenhaus, im engen, blieb dieses Monstrum Ofen hängen.
Bis dann der eine Handwerksmann, eine Säg‘ zu Hilfe nahm
und kurzer Hand – nichts überstürzen – begann, die Füße abzukürzen.
Und sieh, der Ofen rutschte munter, den Rest des Treppenhauses runter.
Nun steht er doch am richt’gen Ort, und brennt zur Freude immerfort.‘

Zu den schönsten pädagogischen Erfahrungen zählt Frau Holzapfel eine kontemplative Pflanzenbetrachtung: Sie hat eine Klasse zunächst damit schockiert, dass sie den Schülern die Pflanzen hingeworfen hat. Dann hat sie die Schüler in Stille dazu motiviert, die jeweilige Pflanze zu streicheln, zu betasten und in Ruhe eine Zwiesprache mit ihr aufzunehmen, schließlich still das Erfasste zu Papier zu bringen. In den Ergebnissen war das besondere ‚Erfassen‘ der Pflanzen spürbar Bei der Aufgabe Modemalerei dagegen hat sie die Schüler aufgefordert, das Motiv mit dem Pinsel richtig schnell und einfach ‚hinzufetzen‘, um so das Thema ‚Eleganz‘ einzufangen. An eine Situation erinnert sie sich immer wieder: Sie hatte zwei 13. Klassen zu betreuen und keinen genauen Überblick, wer ihr noch fehlte. Sie fragte gerade: „Wer fehlt hier noch?“ als die Tür aufging und Schüler eine Bahre hereintrugen, auf der ein Schüler über und über in Klopapier eingewickelt lag. Sie hatte gerade einen Pinsel in der Hand, sagte ‚och, ist der aber blass‘ und malte ihn kräftig v. a. im Gesicht an. Später wurde er dann gewaschen und musste natürlich das Toilettenpapier ersetzen.
Sie selbst malt meist großflächig realistisch. Ihre Bilder sind z.B. in der Brucker Weinstube (Café Wiedemann) und im Gilchinger Sportstudio zu sehen. Die Kupferarbeit im Eingang unserer Schule wurde von ihr ausgeführt. Für den Neubau hat sie mit einer Klasse die dort heute noch vorhandenen Kreuze angefertigt. Sie sagt, wenn sie ihr Leben noch einmal leben könnte, wäre dies ihr viel zu langweilig. „Man ist doch auf Erden, um zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Nein, da möchte ich lieber auf was Neues zugehen.“

Schülergeschichten

„Zu dem guten inneren Wachstum gehörte auch die große Bereitschaft unserer Schüler, Wahlkurse und Arbeitsgemeinschaften zusätzlich zum Pflichtunterricht zu belegen. Es war natürlich auch ein gutes Angebot da. 1965 z.B. besuchten 3/4 all unserer Schüler irgendeinen Wahlunterricht: In drei Wahlkursen konnte man Latein, in vier Französisch, in zwei Russisch, in je einem Griechisch und Italienisch lernen. Wir hatten in den 60er Jahren Abiturienten, die sich in sechs Sprachen verständigen konnten.“ (Therese Risinger)

Im Sommer 1965 ermordete ein Schüler in seiner Freizeit seinen besten Freund und Mitschüler. Täter und Opfer waren damals in der 10. Klasse unserer Schule. Der Mörder verließ kurz darauf die Schule und stellte sich 9 Jahre später selbst der Polizei. Am 12. November 1996 erinnerte Wolfgang Kleinknecht in der Jubiläumsausgabe ’50 Jahre Merkur‘ an das damalige Geschehen: „Er konnte nicht mehr schlafen, irrte nachts durch die Straßen und jedesmal, wenn er ein Polizeifahrzeug sah, fuhr ihm der Schreck durch die Glieder: ‚Jetzt holen sie mich‘. Neun Jahre nach dem Mord an seinem besten Freund stellt sich der Täter der Polizei und gestand die Tat, die im Jahre 1965 in der Kreisstadt für Aufsehen und Bestürzung gesorgt hatte. Seines inneren Friedens wegen, erklärte er einem Ermittlungsbeamten der damaligen Landespolizei-Station Fürstenfeldbruck gegenüber, müsse er die Tat gestehen und auch sühnen. Sein Schuldgefühl sei zu groß geworden, um das Tatgeschehen vergessen zu können.

Ob viele Streiche gespielt werden, das hängt davon ab, ob es dort eine kreative, führende Persönlichkeit gibt. Ich glaube, wir waren eine Durchschnittsklasse. Streiche, im Sinne von etwas Großangelegtem, Durchdachtem haben wir nicht gemacht. Wir haben halt die Lehrer geärgert. Man hat Lehrer nachgemacht. Die Klassen waren früher sicher ruhiger, im Sinne dieser Hypermotorik. Wir waren braver. Man hat einen Lehrer einfach nicht so dumm anreden können. Und die älteren Lehrer haben eine enorme Autorität ausgestrahlt. Vor denen hat man buchstäblich Angst gehabt. Da hat man einen Vorteil gehabt, wenn man sich nicht wegen der Noten fürchten musste.“

Pädagogik

Christiane Neuberger (Mössel, Schülerin 1959-68) ist heute Kunsterzieherin an der Brucker Realschule: „Frau Holzapfel war eigentlich schon eine gute Lehrerin. Ich hab mich zwar viel mit ihr gestritten und so, aber sie hat einen guten Unterricht gemacht, sich für jeden etwas ausgedacht. Da denke ich heute noch als Kunsterzieherin dran, weil ich oft noch Einführungen, die sie gemacht hat, vor mir sehe; die waren so lebendig. Sie ist fast auf den Tisch gesprungen vor lauter Begeisterung. Nachdem ich selber Kunsterzieherin bin, ist mir wichtig, dass du im Kunstunterricht viel Zeit hast, sodass ein Moment des Suchens und der Langeweile entstehen kann, und dass du nicht aufgrund pädagogischer Brillianz ständig irgendwelche neuen tollen Sachen reinbringen mußt. Da stehst du zwar gut da, aber der Persönlichkeitsentwicklung hilft es gar nix. Das wars, was meine Schwester immer so an Frau Dietrich gelobt hat, damals. Sie sagt, ‚wir saßen in Kunst und wir durften malen. Frau Dietrich hat sich zwar intensiv um uns gekümmert; sie hat genau geschaut, welche Entwicklung jeder macht, aber sie hat jeden lassen.‘ Meine Schwester schwärmt noch von damals: wenn man nicht mehr richtig weiter wußte, hatte sie genau das Richtige zu sagen, damit es wieder weiterging. Dafür würdest du aber heutzutage nicht belohnt werden als Pädagoge, da würde es heißen, ‚ja.. da muß mehr Straffung rein und zack und hier… Akzente setzen.‘ Das ist genau das Fernsehprinzip: Möglichst viel Berieselung und Führung von außen, d.h. dass du dir selber immer fremder wirst. Logisch, muß ja sein.“

Wettrüsten gegen Schülerzahlen (1965-1969)

Die Zeit der Mondlandung und der 68er begann. Die Schule wuchs stürmisch und platzte wieder einmal aus allen Nähten. Wieder einmal fand eine Phase des Bauens statt, „eines Bauens, das stets in einem fast aussichtslosen Wettstreit lag mit der raschen Zunahme der Schülerzahl. Und als 1969 der Erweiterungsbau, der sog. Neubau, eingeweiht wurde, hatte unsere Schule mit ihren nunmehr 800 Schülern einen äußeren Stand erreicht, nach 22 Jahren, wie andere ihn oft von Anfang an haben.“ (Therese Risinger) Jetzt konnte auch, nach 5-jähriger Wartezeit, der neusprachliche Zweig eingeführt werden.

Von 1964 bis 1990 gab es an dieser Schule ‚Krako – das Phänomen‘, Otto Krakowitzer, seines Zeichens Sekretär. Ja, es heißt oft, er habe während der Erkrankung des Herrn von Schmädel die Schule geleitet. Seine Frau Elisabeth Krakowitzer

‚Kennt sie an der Schui neamd mehr aus
und gibts an Durcheinander in dem Haus,
kimmt oaner, der bringts wieder hi,
i moan oiwei, des bin i.‘

In den 60er Jahren durfte an den Bayerischen Schulen am Buß- und Bettag nur dann freigegeben werden, wenn mehr als ein Drittel der Schüler evangelisch war. Da aber an unserer Schule diese Grenze nur dann überschritten wurde, wenn man die Schüler ohne Bekenntnis hinzuzählte, meldete Krako dem Herrn Direktor auf Befragen wahrheitsgemäß die Zahl der katholischen Schüler in Prozenten, also zum Beispiel 65,8 Prozent. Das hieß: 34,2 Prozent – mehr als ein Drittel – waren nicht katholisch. Der Herr Direktor war zufrieden und es wurde unterrichtsfrei gegeben. Anscheinend mißfiel dem Kultusministerium diese Art der Berechnung, denn Jahre später wurde der Buß- und Bettag zum allgemeinen Feiertag erklärt.

Während der heißen Jahreszeit konnte Krako den unter großer Hitze leidenden Schülern manchmal ein paar Stunden Hilfe angedeihen lassen: In seiner Schublade befand sich zur Messung der Temperatur ein Thermometer, das sehr empfindlich war – es stammte schließlich aus der Physiksammlung – und das auch auf Körperwärme besonders gut reagierte. Er nahm es also immer so in die Hand, dass sich der Flüssigkeitsbehälter genau zwischen Daumen und Zeigefinger befand, wenn der Herr Direktor wissen wollte, wie warm es eigentlich war. Der Weg von dem einen Schreibtisch zum anderen genügte, um die Anzeige von 26 Grad auf die erforderlichen 27 Grad ansteigen zu lassen. Damals gab es noch keine Sprechanlage und keinen Neubau und kein Nebenhaus. Sein Gang zu jedem Unterrichtsraum nach genehmigtem ‚hitzefrei‘ wurde jedesmal mit einem lauten ‚Hallo‘ begleitet. Das war auch für ihn stets ein großes Vergnügen. Bis heute weiß er noch nicht, welch böser Geist die Schulleitung dazu inspirierte, ein neues Thermometer justament an der Stelle zu installieren, die nicht nur die kälteste ist, sondern wo auch ein unangenehmer, äußerst kühler Zugwind zusätzlich dafür sorgt, die Quecksilbersäule nicht über 25 Grad klettern zu lassen.

1969 erkrankte Johann Ritter und Edler von Schmädel ernsthaft und mußte schließlich seine Arbeit ganz aufgeben. Sein Nachfolger Rolf Feuerlein schrieb über ihn: ‚Dem Adel seines Namens entsprach die Haltung, die er in jeder Situation seinen Mitarbeitern und Schülern gegenüber bewahrte und die ihn auch nicht verließ, als er, schon schwer erkrankt, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit, mit bewundernswerter Energie seinen Dienst versah.“ 1969 kam Rolf Feuerlein (Geschichte, Deutsch,Erdkunde) als neuer Schulleiter an die Schule. Er mußte sich zunächst damit auseinandersetzen, dass es bereits einen Chef gab, Krako-das-Phänomen.

Herrn Feuerlein wurde manchmal geraten, doch mehr Einfluß auf die Brucker Lokalpolitik zu nehmen. Lindemann, unser 1. Direktor, war nach seiner NSDAP-Mitgliedschaft zur CSU gegangen und hatte sogar schließlich den Posten eines Zweiten Bürgermeisters erobert. Dr. Joseph Straßer, unser zweiter Chef, hatte in seiner Faschingsansprache von 1952 geraten:

‚Um vor allem an kleineren Orten zu einer erspriesslichen Zusammenarbeit mit Bürgermeistern und Stadträten zu gelangen, rät das Ministerium dringend allen Lehrkräften, leitenden Nichtdirektoren und solchen, die es werden wollen, zu reger parteipolitischer Betätigung. Dieser Rat erfolgt freilich ohne jede Gewähr. Vom Leiter einer Anstalt muß trotzdem erwartet werden, dass er mindestens einer der beiden Koalitionsparteien als Mitglied angehört. Sollte er diesen politischen Befähigungsnachweis nicht zu erbringen imstande sein und überhaupt keiner Partei angehören, so hat er bei jedem öffentlichen Auftreten aus Scham und Zerknirschung für ein solches Versagen sich in eine Amtsrobe zu hüllen, die die Farben der beiden regierenden Parteien in sich vereinigt: schwarz und rot.‘

Die 68er Bewegung scheint sich auf unsere Schule nur verspätet ausgewirkt zu haben. 1969 organisierte Bernd Späth einen

‚Sit out‘

auf dem Schulhof. Frau Risinger und Frau Greif können von dieser historischen Stunde behaupten, dass sie dabeigewesen sind – auf dem Schulhof sitzend, während Frau Haugg derweil die aufgeschreckten Unterstufenschüler zu beruhigen trachtete. Weiß noch jemand, was Bernd Späth in dieser Rede gesagt hat? Hat noch jemand den Roman

‚Seitenstechen‘

von Bernd Späth, oder gar die Verfilmung dieses klassischens Themas, vom Mann, der ein Kind bekommt? Sollten wir es schaffen, aus dieser Geschichtsschreibung eine CD-ROM zu machen, könnten wir Filme gut gebrauchen!!! Heute ist Bernd Späth Vertreter des Bundes Junger Unternehmer. Ach, wenn er doch endlich einmal im Internet surfen würde und auf uns stieße!!!

Ilse Greif (Deutsch, Englisch, Geschichte) war schon seit 1961 an unserer Schule und verließ sie 2000 mit dem Aussehen einer 20 Jährigen. Beobachter finden, dass sie in diesen 36 Jahren täglich jünger geworden ist. Otto Krakowitzer dichtete über sie:

‚Frau Greif genannt der Bücherwurm,
fühlt sich nur wohl im Bücherturm.
Und gibt’s was Neu’s zum Lesen
im ganzen Bücherwesen,
eroberts sie es gleich im Sturm.‘

Hier ein paar Auszüge aus einem Interview mit ihr, Abizeitung 1968 (‚Auflage unter 600 000‘), mit beträchtlichen Bezügen zum Zeitgeist:

„Ilse Greif … liebt schwierige Schüler… Unsere Ilse… wurde in Kempten geboren. Als Kind wollte sie Schauspielerin werden, zur Konfirmationszeit Theologie studieren, später Mathematik, dann erst Germanistik. Englisch macht ihr am wenigsten Arbeit, Geschichte ist vom Stoff her am Interessantesten.“

Frage: Was hat Sie bewogen, einen Fernsehapparat zu kaufen?

Frau Greif:
Ich kaufte ihn rein zur Information, um hinter meinen Schülern nicht zurückzustehen.
Frage: Haben Sie irgendwelche Hobbys?
Frau Greif: Nein, keine speziellen. Ich tu alles, was Spass macht, wie z.B. Lesen, ins Theater gehen usw….
Frage: Haben Sie schon anonyme Anrufe erhalten?
Frau Greif: Einmal rief ein Vierteljahr lang jemand an. Ich glaube aber, es war kein Schüler, er war zu primitiv!
Frage: Was halten Sie von Lady Chatterly?
Frau Greif: Ich finde sie etwas kitschig, Fanny Hill ist besser!
Frage: Lesen Sie Oswald Kolle?
Frau Greif: Ja, ich habe mal eine Fortsetzung gelesen, den Film habe ich nicht gesehen…
Frage: Wie sind Ihre Eindrücke in Bezug auf die Klasse?
Frau Greif: Abgegangen ist mir Ihr Interesse an der Literatur, gefallen haben mir Ihre oft schlagfertigen Antworten.
Außerdem hatte ich den Trost eines Schülers: Die Schule rentiert sich, weil es da immer eine Gaudi gibt.
Frage: Waren Sie schon auf dem Volksfest?
Frau Greif: Nein, ich war noch nie im Leben auf dem Brucker Volksfest. Ich sehe die Schüler in der Schule oft genug….
Frage: Wären Sie gerne an einer Münchner Schule?
Frau Greif: Wohnen möchte ich in München, aber Lehrer bin ich lieber hier. Man muß dort zu streng sein.
Frage: Frage: Was erwarten Sie sich von der Abiturreise?
Frau Greif: Vor allem Erholung und Gaudi.“

Für Therese Risinger (Deutsch,Geschichte, Erdkunde), von 1955 – 1987 an unserer Schule, war fast die ganze Geschichte persönlich erlebte Realität, vom Notbehelf der Anfangsjahre über Schulhausneubau, Explosion der Schülerzahl, Raumnot und Schulteilung. Sie ist diejenige, die die Geschichte unserer Schule zum 25-jährigen 1. Abitur 1984 durchdachte und darstellte. In den 32 Jahren durfte sie hier ihrem pädagogischen Elan auch fachfremd freien Lauf lassen, so in Biologie, Sozialkunde, Mathematik, Kurzschrift und Handarbeit. Auch das Schulspiel reizte sie und einige Ludwig-Thoma-Aufführungen waren das Ergebnis der Beschäftigung mit dem Schultheater.

Ludwig Baumann

Dr. Herbert Müller besuchte von 1960 bis 1969 das GRG. Als Physiker an der Universität München betreut er jetzt diese Geschichtsschreibung im Internet. Zu Ludwig Baumann fällt ihm sofort ein, „dass man im Winter morgens vor der Schule höllisch aufpassen mußte, um ‚Herrn Professor‘ auch gebührend zu begrüßen. Riss man nicht voller Ehrfurcht die Pudelmütze (!) vom Kopf, so konnte es schon passieren, dass die von Lehrerhand geschleuderte Kopfbedeckung im Nachbargrundstück landete. Wagte man es, die Mütze zu holen, bestand durchaus das Risiko, sich einen Verweis wegen unerlaubten Verlassens des Schulgrundstücks einzuhandeln.“

Und weiter: „Mein Klassenleiter in der Abiturklasse war der Mathe-Physik Lehrer Herbert Vogel. Mein Leben lang kann ich ihm nie vergessen, dass wir keine Abiturreise machten, da Herr Vogel die große Verantwortung als Betreuer nicht tragen wollte oder konnte. Trotz seiner übertriebenen Vorsicht hat er es doch gewagt, irgendwann in den 60er Jahren den Führerschein zu machen und sonntags mit seinem roten VW-Käfer zum Spaziergang in die Wälder zwischen Schöngeising und Mauern zu schleichen. Als ihm die Klasse für die ersten 1000 km unfallfreies Fahren eine Bierflasche mit Benzin überreichte, lehnte er das Geschenk wegen der Gefahr der Beamtenbestechung ab. Große Angst mußte Herr Vogel auch vor Erkältungen haben, da eines seiner Markenzeichen die langen Unterhosen waren, die auch im Hochsommer unter seinen Anzugbeinen hervorlugten.“

Mit dieser letzten Bemerkung ist für alle Zeiten endgültig die alte Frage beantwortet, was die Schüler im Unterricht eigentlich wahrnehmen: Nicht die Oberfläche eines Phänomens, nein, die darunterliegenden Schichten!

Der Leibnizträger 1997 Prof. Ernst Mayr (Abitur 1969) (Foto: Anna Andlauer)

Pädagogik

Die ehemalige Lehrerin Karoline Haugg (Englisch, Französisch, 1961-89) erzählt von dem grundlegenden Wandel in den Unterrichts- und Arbeitsformen des Fremdsprachenunterrichts. In den 60er Jahren gab es nur Diktat, übersetzung, Grammatik. Die übersetzung hieß in der Schulaufgabe noch ‚Übung‘. Keine Kommunikation, keine Textproduktion. Im Abi das gleiche. Wie mühsam sich die Lehrer die ersten Fragen zum Text ausgedacht haben, da sie ja keinerlei Ausbildung in kommunikativem Sprachenunterricht hatten.

Brigitte Hummel (Englisch, Französisch) hat in den 70er Jahren die Einsprachigkeit im Englischunterricht an unserer Schule eingeführt. Bevor sie zu uns kam, hatten Schülerinnen ihrer Augsburger Schule eine Demonstration veranstaltet, um ihren Verbleib an der dortigen Schule zu erreichen.

Die Konkurrenz wird gegründet (1970-1975)

Gleich zu Beginn der Amtszeit von Rolf Feuerlein (1969-1979) als Leiter der Schule wurde diese um den Erweiterungsbau am Hauptgebäude ergänzt. (69) Innnerhalb von vier Jahren waren die Schülerzahlen von 800 auf fast 1400 angestiegen. Unsere Gründungsschüler hatten noch erzählt, wie die Volksschullehrerin höchstens ein oder zwei Schüler ihrer Klassen bei besonders guten Leistungen aufforderte, eine höhere Schule zu besuchen. Anneliese Sponer: „Damals hat niemand gesagt ‚Mein Kind muss aufs Gymnasium gehen.‘ Man war einfach bescheidener.“ Und viele sind nach vier Jahren zum Ende ihrer Schulpflicht wieder gegangen. „Damals hat es keine Nachhilfe gegeben. Man hat gesagt ‚auf die Oberschule sollen die Besseren gehen‘. Es gab noch nicht die Bildungseuphorie und ein Handwerk konnte auch glücklich machen.“ „Es war die Zeit, wo die Begabungsreserven herausgeholt wurden aus den Volksschulen, wo in einem Jahr, 1970, sich 250 Schüler anmeldeten für die 5. Klassen, wo Wanderklassen und Schichtunterricht wieder einmal unvermeidlich wurden.“ (Therese Risinger)Der Ruf nach einem zweiten Brucker Gymnasium wurde unüberhörbar. Unsere Schule war restlos überfüllt. Klassenstärken von mehr als 40 waren Herrn Feuerleins großes Problem, wenn er schwierige Verhandlungen mit der Stadt und mit anderen Schulen führte, um dem ‚Schülermeer‘ Herr zu werden. 1971-73 gab es wieder Schichtunterricht. Die Schülerzahl erreichte 1972/73 einen Höchstand von 1347 Schülern.1973 wurde das Viscardi-Gymnasium gegründet und Aurelius Patscheider, Mathe- und Physiklehrer unserer Schule, übernahm die dortige Leitung. „Gleichzeitig fing man an, im Landkreis weitere Gymnasien zu bauen; mittlerweile sind es sieben geworden. Für uns bedeutet das – ca. 30 Jahre nach der Gründung – endlich eine gewisse stabilitas. Die Schülerzahl pendelte sich ein zwischen 900 und 1000, der ewige Kampf um mehr Schulraum war – von kleineren Nachhutgefechten abgesehen – vorbei.“ (Therese Risinger)Im Januar 1974 verlieh der Staatsminister für Unterricht und Kultus der Schule den Namen ‚Graf-Rasso-Gymnasium‘. Manche Gründerschüler hätten den Namen ‚Dr. Lindemann Gymnasium‘ bevorzugt. „Der Name hat mich gewundert, befremdet. Viel passender hätte ich Kaiser Ludwig gefunden. Rasso ist ja nur eine Randfigur. Inzwischen weiß man ja, dass er nicht historisch ist. Persönlich hat mich der Name gefreut, weil ich in Grafrath aufgewachsen bin. Ich hab zum Heiligen Rasso eine ganz intensive Beziehung gehabt, war Ministrant in der Kirche. Wenn ich vor einer Lateinschulaufgabe Angst gehabt habe, bin ich zu einem Stoßgebet noch mal schnell zu ihm in die Kirche gegangen, damit er mir bei der Schulaufgabe helfe. Er war für mich ein Nothelfer. Unser 1. Kind hieß Rasso. Für mich war Rasso nie eine Figur, die für eine Schule einen Namen hergibt.“ (Peter Seitz)Zur immer wieder auflebenden Debatte um den Namen unserer Schule machte unser Sekretär einen völlig neuartigen Vorschlag, gesungen nach der der Melodie ‚Es war im Böhmerwalde‘:

‚Es steht im schönen Bruck
da ein Gymnasium drein,
das denket immer z’ruck,
an seinen Feuerlein.
Was der aus uns hat g’macht,
geht in d’Erinnrung ein
und er bleibt stets, s’war g’lacht,
der Feuerlein!
Er hat uns alle g’schützt
vor mancher großen G’fahr;
hat seine Lehrer g’stützt,
ja des is wirklich war!
Und sollt’s a ändrung geb’n.
was unsern Nam‘ angeht,
solls das Gymnasium sein
Rolf Feuerlein!‘

‚Im Westen nichts Neues‘, oder der Streit um die Pausenhofwestgrenze:

Ein großes Problem muss lange gewesen sein, dass über unseren Schulhof ein öffentlicher Weg verläuft. In politisch bewegenderen Zeiten wurden hier Flugblätter an die Schüler verteilt, ohne dass dies als ‚politische Betätigung‘ in der Schule geahndet werden konnte. Herr Feuerlein setzte eine genaue Fixierung der Grenzen des Pausenhofes durch. Hier eine Glosse aus der Abiturzeitung 71: ‚Einige veranlagungsmäßig revolutionierende Existenzen belästigen denn auch fortwährend die gewissermaßen als Grenzstein fungierenden an der betreffenden Stelle aufgestellten Aufsichtshabenden und vergleichen schließlich unsere Pause-‚Gestaltung‘ in unverkennbarer Analogie mit der täglichen Rundwanderung der Häftlinge in einem Gefängnishof. Völlig unbeachtet hingegen ließ man den hohen potentiellen und finanziellen Aufwand, der freiwillig von der Schulleitung zur Erkennbarmachung des Pausehof-Westgrenze aufgebracht wird, nämlich die die ‚Aufsicht‘ ausübenden Lehrkräfte. Man muss bedenken, dass die Aufsichtspersonen nichts weniger sind als in jahrelangem Zeitaufwand ausgebildete Studienräte oder Oberstudienräte, die ihre kostbare Zeit in der beschriebenen Weise den Schülern zur Verfügung stellen und ständig bemüht sind, jeden einzelnen Schüler von der Grenzüberschreitung abzuhalten und ihn zur ‚Umkehr‘ zu bewegen und sogar noch die Mühe auf sich nehmen, einen Verweis für generell Uneinsichtige auszuarbeiten. Bei genauer Rechnung ergibt sich für die Kosten, die die Bereitstellung einer Lehrkraft an der Pausenhof-Westgrenze erfordert, ein Betrag von ca. 900 DM. (Der Wert wurde ermittelt unter Zugrundlegung des Durchschnittsstundenlohns einer Lehrperson.)‘

Dieser Abiturjahrgang scheint besonders mit mathematischen Argumenten gestritten zu haben, nach dem Motto ‚Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, wir rechnen sie um.‘ Liegt es daran, dass aus diesem Abiturjahrgang unsere Mathematiklehrer Rüdiger Pache und Max Schuster hervorgegangen sind, oder auch der Ordinarius für Mathematik Klaus Hulek? Wer hat die folgenden Richtlinien in der Abi-Zeitung 71 vorgeschlagen? ‚Man sollte die gesamte Fläche des Pausegeländes in gleichgroße, aneinander- grenzende Sieben-Ecke einteilen und durch Linien markieren, wobei jedem Schüler genau ein Siebeneck zugeteilt wird. Meinen privaten Berechnungen zufolge ergibt sich damit bei der gegenwärtigen Schüleranzahl pro Schüler eine Fläche von ca. 0,873 qm. Jedes dieser Siebenecke wird nun mit einer gut lesbaren Nummer versehen; entsprechend wird jedem Schüler eine Nummer zugeteilt, wobei aus Sicherheitsgründen unbedingt darauf zu achten ist, dass sich auf keiner Siebeneckgruppe nur große oder nur kleine Schüler aufhalten, da dies unter anderem mit unnötiger gegenseitiger Behinderung und einer Verstärkung des Aggressionstriebes verbunden wäre. Eine entsprechende Verteilung der Schüler gemäß ihren Größen kann in befriedigender Weise durch Zugrundelegung der Wurzelfunktion Y = SQRT(X**4 + 2*SIN(2*X)) / 9 erreicht werden, wobei für X die Größe des Schülers in mm eingesetzt werden muss. Der sich dann jeweils für y errechnende Wert ist bezüglich der Ziffernfolge mit der Platznummer des entsprechenden Schülers identisch. Die auf diese Weise ermittelte Platzziffer wird dem Schüler auf einem neu einzuführenden Pausehofbenut zungs-Berechtigungsausweis gestempelt, welcher verhindern soll, dass ein Nichtschüler eine Siebeneckfläche im Pausehof benutzt. Besonders zu beachten ist noch, dass sich jeder aber auch jeder Schüler ausschließlich im Gegensinn des Uhrzeigers bewegt, da nur so bei eventuellen Zusammenstößen größere Schädigungen vermieden werden.‘

Herr Feuerlein (1969-1979) sagt als Fazit seiner 10jährigen Tätigkeit an dieser Schule: „Wir haben pädagogisch keine Bäume ausgerissen. Wir waren ein pädagogischer Rangierbahnhof.“ In dieser Zeit wurde beschlossen, nur eine Schulaufgabe pro Woche zu schreiben (78/79), der freie Samstag wurde eingeführt. Es gab jetzt erneut Skikurse. Auch damals wurde schon um die Polstermöbel in den Klassen und um eine ‚Gaststättenlösung‘, den Pausenverkauf in der Schule, gerungen. Am Ende von Herrn Feuerleins Amtszeit wurde das Sommerfest erstmalig eingeführt. (1979)

Lehrergeschichten

Ernst Hackl

Koedukation ist auch im Kollegium eine Chance: 1970 heirateten Dr. Ursula Glembotzky (Biologie, Chemie) und Ernst Hackl (Deutsch, Englisch). Seither gibt es an unserer Schule nicht nur einen Herrn Hackl, sondern auch eine Frau Dr. Hackl. Ob sie uns wohl ihr Hochzeitsfoto für diese Chronik zur Verfügung stellen?

„In dieser Zeit verließ uns auch eine Lehrergeneration, die unserer Schule lange Zeit ihren Stempel aufgedrückt hatte. Es waren Persönlichkeiten, die in ihren Leistungsanforderungen unerbittlich waren, die geradezu als Verkörperung von auctoritas galten, die aber auch in ihrer unverwechselbaren Ausprägung eine Originalität ausstrahlten, die man nicht vergißt. Diese Lehrergeneration war es, die unserer Schule den Ruf einbrachte: Hier geht es ziemlich streng zu, aber man lernt etwas!“ (Therese Risinger)

Durch das ‚Zweite Gesetz zur Vereinheitlichung und Neuregelung des Besoldungsrechts‘ wurde die Amtsbezeichnung ‚Gymnasialprofessor‘ ab 1. Juli 1975 in ‚Studiendirektor‘ geändert.

Die älteren Lehrer tragen gar
immer noch ihr kurzes Haar.
Doch die jüngern Jahresgänge
erkennt man an des Haares Länge.“
„Diese schleichen auch auf Socken
durch den Gang, im Gsicht noch Locken.
Solche nennt, auch ein Bad Emser,
entweder Schnauzer oder Bremser.“
(Otto Krakowitzer, Lied vom Kollegiumsabend 16.2.1973)

Erich Schmidt(1957-90, Mathematik und Physik) erinnert sich sofort an seinen ehemaligen ‚äußerst liebenswerten‘ Schüler Klaus Hulek, der heute Ordinarius für Mathematik in Hannover ist. Wie dieser und dessen Freund Peter Hefferle (beide Abitur 1971) gegen den Widerstand der Schulleitung eine Klassenfahrt nach Berlin organisierten. Klasse und Lehrer kamen dort in die wildesten Studentenbewegungsdemonstration und welch ein aufregendes Abenteuer es war, sie alle heil nach Ostberlin und zurück zu bringen.

Sein ehemaliger Schüler Rüdiger Pache ist überzeugt, dass einige Ingenieure und Selbständige aus Schmidts Physikunterricht hervorgegangen sind. Doch nicht nur Fachliches, sondern auch viel Menschliches sei von Erich Schmidt ausgegangen. Den 9. Klassen hat er gern von seinen eigenen Erlebnissen als Flakhelfer erzählt, mit 15 Jahren genau im Alter jener Neuntklässler. Ein sensibler Junge, zum ersten Mal allein ohne Eltern, das unverständliche Gebrüll des Offiziers, diese ganze unverständliche Welt des Krieges, der Bombenangriff auf Nürnberg, die Toten. Wie er als Junge im offenen Schützengraben lag, ein amerikanisches Flugzeug kreiste ganz dicht über ihnen, – ein Stoßgebet „in solchen Situationen hat sich eine Bindung zu Gott entwickelt, wenn man sicher ist, im nächsten Augenblick steht man vor Gott“ – „und der Amerikaner dort im Flugzeug, das war ein Mensch. Er hätte uns alle der Reihe nach erschießen können. Er hat es nicht getan. Er ist einfach weitergeflogen.“

Erich Schmidt hat 1948 Abitur gemacht und hätte danach eigentlich am liebsten Flugzeuge gebaut. Doch man lebte damals noch in dem Bewußtsein, das Deutschland ein Agrarstaat sein solle, der Flugzeugbau keine Zukunft habe. Vor allem sein Engagement in der katholischen Jugend brachte ihn dazu, gerne mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Erich Schmidt zeigt sich heute als sensibler Mensch, der nicht im Mittelpunkt stehen mag und dessen Religiösität alles durchzieht. „Es gibt viele Situationen, wo man eigentlich von Amts wegen zuschlagen müsste, doch sagt die christliche Lehre, dass man hier Maß halten muss.“ Und er denkt darüber nach, was es wohl für einen Religionslehrer bedeuten mag, das wirklich zu leben, was man sagt. Für ihn als Mathe- und Physiklehrer bedeutete es vor allem, „den Schülern nicht mehr zuzumuten, als ich auch selbst als Mensch erfüllen kann.“ „Und wenn die Kleinen, die noch so ehrlich und frei von der Leber weg erzählen, wenn da z.B. Einzelne auf dem Wandertag zu mir sagten ‚Sie möchte ich gerne als Papa haben‘, das hat einen schon ein bißchen aufgebaut, mehr aufgebaut als irgendwelche Belobigungen aus Fachkreisen.“ Kurz vor der Pensionierung ist es ihm sehr schwergefallen, mit dem Bewußtsein zu leben, ‚das machst du jetzt alles das letzte Mal in deinem Leben‘. Und gefragt, was ihm an seiner pädagogischen Arbeit immer das Wichtigste war, kommt ganz spontan: „Den Kindern ein Vorbild sein. Den Kindern das mitzugeben, was sie brauchen – das war mein Beruf, das war mein Leben.“

Schülergeschichten

Dass an dieser Schule nur 1 Schulaufgabe pro Woche geschrieben werden darf (mit Ausnahme im Fach Deutsch), hat für Schüler große Vorteile, bringt aber für Lehrer beträchtliche Schwierigkeiten, wirklich alle zu schreibenden Schulaufgaben aus einem ausreichenden Stoffgebiet in einem Schuljahr unterzubringen. Unser Sekretär meinte dazu 1990:

‚Es wird der Schulaufgabenplan
im Direktorat zunächst ausgelegt.
Die Oberen sind halt zuerst dran,
die besten Tage belegt.
Warum macht man’s nicht so wie vorher,
sagt die Schulzen einfach nicht an.
Das Lernen wird deshalb nicht schwerer
und hängt nicht am Prüfungsplan.‘

1971 (Abiturjahrgang Max Schuster, Rüdiger Pache) forderten die Schüler, bereits während ihrer Schulzeit an ‚verantwortliches Handeln‘ gewöhnt zu werden. Sie wollten die Schule demokratisieren, verlangten die Mitwirkung bei der Unterrichtsgestaltung und die Auswahl der Unterrichtsgegenstände; sie wollten aktiv Unterrichtsmaterialien selbst zusammenstellen, in der Oberstufe frei zwischen verschiedenen Fachkursen wählen, die Leistungsmessung ‚objektivieren‘, das Leistungsprinzip ‚humanisieren‘, Schülerzeitungen eigenverantwortlich herausgeben und Sitz und Stimme bei allen Lehrer- Gesamt-, Klassen- und Fachkonferenzen. „Die Geheimniskrämerei in den verschiedenen Lehrerkonferenzen muss beseitigt werden. Noch verbieten Paragraphen die Anwesenheit von Schülern bei verschiedenen Sitzungen, bei denen über Schulgeheimnisse gesprochen wird. Doch selbst die Delegierten der Bundestagung ‚Junger Lehrer und Erzieher‘ sprachen sich für die Beseitigung dieses Tabus aus. (Abiturzeitung 71)

Moderne am Rasso (1976-1979)

Das Wesentlichste ist bis jetzt noch nicht herausgefunden worden: Seit wann gibt es an dieser Schule eigentlich einen Kopierer???
In den 70er Jahren stand Krako morgens noch besonders früh auf, um den Kollegen beim Abziehen ihrer Matrizen zu helfen. Er sah doch die große Belastung der Lehrer am Beispiel seiner Frau und wollte den Lehrern morgens den Kopf für die letzten Gedanken zum gleich beginnenden Unterricht freihalten. Wie sollten sie da auch noch mit der Abziehmaschine kämpfen! Dennoch muß der Trichter zum Einfüllen des Spiritus häufig verschwunden gewesen sein:

I woaß scho, i schimpf d’Lehrer immer glei zam,
weils die Trichter umanandgschmissn ham,
dafür hab i mir jetzt was neis ausdenkt,
a jeder krigt sein eigenen Trichter umahengt.

1977 wurde die Kollegstufe eingeführt. Und aus dem Jahre 1978 stammt unsere erste Spur für die Existenz eines Kopiergeräts:

Unfallmeldung
Am 11.12.1978 um 12 Uhr 43 verletzte sich Otto Krakowitzer, geboren am 17.3. 1930 in der Zentralbücherei des Graf-Rasso-Gymnasiums mit einer Stoßverletzung am rechten Auge. StD Ilse Greif und Schüler waren unmittelbare Zeugen. Er berichtete der Unfallversicherung: „Beim Entfernen eines Papierstaus am Fotokopiergerät in der Zentralbücherei wollte ich die verdorbenen Blätter in den Papierkorb werfen, der dicht am Schreibmaschinentisch stand. Beim Bücken stieß ich mir den ausgeklappten Papierhalter der Schreibmaschine ins rechte Auge.“

Und im Stile dieser auctoritas wurde weitergearbeitet: Ob es sich um gerechtere Notengebung handelte, um die effektivste Gestaltung der Studientage, um eine sinnvolle, bildungsbezogene Durchführung der Wandertage und Studienfahrten, um eine gleichmäßige Verteilung der Schulaufgaben über das ganze Jahr – da wurde nichts dem freien Spiel der Kräfte überlassen, da wurde gearbeitet, geplant, geordnet und organisisert. Wir entwickelten uns zu einer Schule, die wie auf Kugellagern lief, die funktionierte wie eine gut geölte Maschine. Kollegen, die neu zu uns kamen, wähnten sich in eine Oase versetzt. Vieles Positive dieser Zeit ist leider nie richtig an die Öffentlichkeit gedrungen oder nur in verzerrter Form. Bei uns herrschte damals eher der preußische Grundsatz: Viel leisten, wenig hervortreten, mehr sein als scheinen!“ (Therese Risinger)Und bei der von den Schülern geforderten ‚Objektivierung‘ der Notengebung rang man in den 70er Jahren um die 2. Dezimalstelle hinter dem Komma auf vielen Konferenzen. Ein Kollegiumsabend am 16.3.73 spiegelte nach der Melodie der alten Rittersleut dieses Ringen:

Mit den Noten wirds jetzt schwer,
da muß der Computer her,
denn man braucht in allen Fällen
bald schon zwanzig Kommastellen.“ (Otto Krakowitzer)Mit dem Ende des Jahres 1979 ging die ‚Feuerlein-Ÿra‘ zu Ende.
Am 14.12.1979 wurde Rolf Feuerlein als Direktor der Schule verabschiedet:

‚Auch Sie sind heute, wie gewohnt,
von Krakos Versen nicht verschont,
die wohl ins Schwarze treffen wollen
und auch ein wenig zeigen sollen,
wie die 10 Jahre wir befanden,
wo wir unter ‚Knute‘ standen.Es zeigten sich schon bald Allüren!
Als erstes schuf er Doppeltüren,
durch die kein Laut nach außen drang,
wenn er drinn‘ sein Szepter schwang.
Besuche mocht er gar nicht leiden!
Und ließ es sich mal nicht vermeiden,
empfing er gnädiger Miene dann
vom Personalrat einen Mann.Wurd ihm das Drängen gar zu bunt,
so tat er dieses schnellstens kund,
indem er auf Papier es bannte
und amtlich dann ein Formblatt nannte.
Ob Lehrerblatt G1, A zwo,
die Lehrer fanden’s nirgendwo.
Zum Alptraum wurd’s in dieser Welt!
(Ob’s der Neue beibehält?)

Und doch die allergrößte Freud
brachten Elternbeiratsleut.
Sogleich beim ersten Feuerschein,
ging Nummer 1, das Lämplein, ein.
Der nächste, s’wurd ein leichter Ritt,
ging ebenfalls sehr bald verschütt.
Der dritte später, voller Not,
nutzt gleich die Hilfe, die sich bot
und ließ die Räte samt den Klagen
bei ihm im Krankenhause tagen.

Ihr sollt das Sekretariat nicht stören!
Mußten die Lehrer laufend hören.
Fragt nicht so viel, steht nicht so da!
Ich brauche selber meinen Kra!
Ganz schnell ist ein Plakat erstellt,
das sogleich ins Auge fällt,
In Türengröße man erfährt,
wann offen und wann zugesperrt.
Doch dieses Schild, schon längst veraltet,
weil ein Krako drinnen waltet,
worauf der Chef so drauf versessen,
wurde mehr und mehr vergessen.

Doch hatt‘ er, wes‘ ich sicher bin,
das Wohle aller stets im Sinn!
Er war ein echter Demokrat,
wenn – was er sagte – man auch tat!
Zum Abschied nun, zum Ruhestand,
Gesundheit! Hier im Bayernland!
Er mög‘ in unserm schönen Bayern
Historiensieg noch lange feiern!‘ (Otto Krakowitzer)

Unser ‚Sekretarius‘ war bekannt für seine Aushänge im Reimform. Hier eine Kostprobe von 1978:

‚Das arme Sekretariat
zum Gongen fast koa Zeit mehr hat!
Denn in allen Zwischenstunden
Drehen Lehrer ihre Runden
im Raum des Sekretarius –
Was gongt ihr bloß für einen Stuß!
Ich sag, dass ich unschuldig bin,
denn unser alter Gong ist hin.
Und bis der Neueste tuet hongen
müssen mit der Hand wir gongen!
Aufgrund von einem alten Wecker!
Bittschön, hört’s auf mit dem Gemecker.
Eines ist für Lehrer wichtig!
Nur meine Uhr allein geht richtig!‘

Englischer Filserbrief von Otto Krakowitzer

Liberalitas und i-Punkte (1980-1986)

Rahmen/Orte/Bedingungen

„Die kurze Zeit unseres Gymnasiums hat die Gründung der Bundesrepublik miterlebt, den Wirtschaftsaufstieg, die Mondlandung; unter fünf Bundespräsidenten und sechs Bundeskanzlern hat sich diese Schule entwickelt“, sagte Therese Risinger zur Feier des 25jährigen ersten Abiturs 1984. „Schülergenerationen haben unsere Schule besucht, die zuerst an den Folgen des Krieges litten, dann am Ðberfluß krankten und heute oft große Angst vor der Zukunft haben.“

Zu Beginn des Jahres 1980 wurde Dr. Josef Förg (Englisch, Französisch) neuer Schulleiter, ein Schwabe, der vorher Leiter der deutschen Schule in Instanbul gewesen war. Für den Sekretär bot sich das Lied ‚Auf der schwäbsche Eisebahne…‘ an, den neuen Chef zu begrüßen:

‚Mit der Schwäb’sche Eisebahne
ischt nach München oiner g’fahre,
gaht zum Minischter, lupft de Huat,
a Direktorpöschtle, seid’s so guat.Der Minischter, der muas nit lang denka,
der tuat nur sei Köpfla schwenka:
Ihr kriagat an Direktorschtuhl,
doch zerscht miaßt Ihr nach Ischtanbul.Landschberg, Miasbach, sind Statione,
d’Arbeit tuat si jetzt erscht lohne!
vorbei der ganze Türkenspuck!
Endlich naht Fürschtenfeldbruck.

Da mir ihn nun endlich habe,
diesen wunderbare Schwabe,
wird’s, ihr werdet es schon seh’n,
mit unsrer Schule aufwärtsgehn.‘

Gab es schon in dieser Zeit Probleme mit der Heizung, oder warum zog sich Herr Vogel zum Lehrerfasching 1981 so warm an?

‚As Graf-Rasso, des werd jetzt bekannt,
zwengs a Expedition nach Grönland,
unser Herr Vogel trainiert scho,
drum ziagt er si so warm o.‘
(Otto Krakowitzer)

Eine der ersten Entscheidungen des Herrn Dr. Förg scheint die Abschaffung der Doppeltüren im Direktorat gewesen zu sein. Er pflegte einen neuen, offenen Umgang mit dem Kollegium und den Schülern. „Und es hat sich im Geist unserer Schule etwas herausentwickelt, was ich mit dem Begriff Liberalitas bezeichnen möchte, eine Form der Führung und des Zusammenlebens, die zu der besten und zugleich der schwersten gehört.“ (Therese Risinger)
1980 wurden durch die ‚Celler Beschlüsse‘ für den Kollegstufenunterricht die Fächer Kunsterziehung, Sport und Musik ‚vollwissenschaftliche Unterrichtsfächer‘.

Im Hauptgebäude wurde umgebaut. 1983 wurde die Doppelturnhalle fertiggestellt, die alte Knabenschule der Schule wieder als Nebengebäude zugewiesen. Ein optimaler, nie vorher dagewesener Rahmen für die Arbeit!

Das Nebenhaus im heutigen Zustand, ehemals alte Knabenschule (Foto: Bertram Wagner)

Seit 1985 gibt es den Schüleraustausch mit Howard of Effingham. Die Schule Howard of Effingham war 1940 gegründet, als wegen des deutschen ‚Blitzkriegs‘ Schüler aus London nach Effingham evakuiert werden mußten.
Frau Haugg: (1961-1989) „Was ich besonders an meinem Beruf geliebt habe, dass ich jedes Jahr gespürt habe: Da kommt mit diesen Fünftklässlern eine ganz neue Energie, ganz neues Leben. Was ich besonders an unserem Beruf anstrengend gefunden habe: Man trifft pausenlos Entscheidungen. Es gibt keinen Beruf, wo man so viel entscheidet, pädagogisch, sachlich. Man geht in die Klasse und von der 1. Minute an muß man Entscheidungen treffen.“
Das Tüpfelchen auf dem i.

Um 1980 war die Fassade des GRG ganz frisch gestrichen. Frau Haugg kam morgens als erste zur Schule und sah die völlig mit Parolen beschmirte Fassade. Gegenüber der Schule auf dem Garagenvorplatz stand ein schwarz gekleideter Schüler mit schwarzem Hut, der ‚wie ein Feldherr die Wirkung seines Werkes beobachtete‘. Frau Haugg betrachtete die Schrift etwas genauer. Da fiel ihr auf, dass sämtliche Pünktchen auf den i’s fehlten. Und auf einmal kam sie drauf, dass sie in der letzten Englischschulaufgabe auch eine Arbeit gesehen hatte, in der sämtliche i-Punkte fehlten. Und dann fiel ihr auf, dass diese ja genau von dem Schüler war, der auf dem berühmten Garagenvorplatz vor der Schule gestanden hatte. Es tagte dann der Disziplinarausschuss und der Schüler wurde von der Schule verwiesen. Die höchstmögliche Strafe wäre das Verbot jeglichen weiteren Schulbesuchs gewesen. Doch diese Höchststrafe wurde nicht verhängt. Der Schüler legte später an einer Münchener Schule sein Abitur ab. „Er hat seine drei Mittäter nicht verraten. Das sprach für ihn,“ meint Frau Haugg.

Lehrergeschichten:

Kollegium 1980

Arni Tietje, ehemalige Musiklehrerin erzählt, ihr hat der Unterricht besonders gefallen, als die Konzerte mehr von der Klassik weggingen. ‚Der Sängerkrieg der Heidehasen‘ von James Krüss z.B. hat ihr so richtig Spaß gemacht.
Hans-Joachim Ziegler (Latein, Französisch, Englisch) verblüffte mit einem Anschlag am schwarzen Brett die Kollegen. Elisabeth und Otto Krakowitzer reagierten gereimt:

‚Herr Ziegler, des Alleinseins satt,
hat, obwohl ein unbeschrieb’nes Blatt,
verstanden, wie man ins Schwarze trifft.
Uns mittels Anschlag so verblüfft,
dass er, wir sind noch sehr benommen,
– ganz still – den Ehehafen angeschwommen.Wir wünschen Ihm und seiner ‚Hälfte‘
– übrigens, heut‘ ist der Elfte! –
was je der Beiden stets ersehnte,
die schönsten Ehejahrjahrzehnte,
die, wie sollt‘ es anders liegen,
wie im Rausch, zu schnell verfliegen.Nun endlich kommt auf alle Fälle
Latein ab jetzt an zweiter Stelle,
denn alles hängt am Ehesegen!
Und man braucht Zeit, auch den zu pflegen!
Ein Ehemann hat nicht nur Pflicht!
Er hat auch R(r)echt, vergeßt das nicht!‘

Im Juli 1984 wurde Herr Zierl verabschiedet:

‚In unserer absolutistischen Ära, da war ma recht froh,
um an ruhign und freindlichn und ausgleichenden Mo.‘

sang Krako über ihn.

Schülergeschichten/Pädagogik:

Kollegium 1984

Seit jeher gelten Deutschklassen als besonders zeitaufwendig. Krako zum Lehrerfasching am 20.2.1981:

‚Unsern Herrn Stoecker hört ma plauschen,
er tat gern an wengerl tauschen,
zwoa Deutschklassn dazua war net schwer,
dafür gab er sein Deutschgrundkurs her.Vier Deutschklassen warn zum Vergebn,
doch bloß oan Lehrer hams uns gebn,
der korrigiert si jetzt de Finger wund,
aber an Letztn beißn hoit de Hund.‘

Ohne Lehrer keine Schule (1986-1989)

Lehrergeschichten:

Am 25. Januar 1990 wurde Brigitte Hummel für 2 Jahre verabschiedet, da sie nach Ghana ging. Otto Krakowitzer, der verhinderte Opernsänger, interpretierte ihre Gründe so:’Frau Hummel geht in den Urwoid,
bei uns, da ist es ihr zu koid.’Und nach einer alten Melodie sang er seinen selbstgedichteten Text:

„Sie kriegt an Bungalow aus Stroh,
und a a Hängematt’n no.
Weil in der Nacht die Klapperschlanga,
net so leicht ins Bett neiglanga
und sie drin besser schlaffa ko.Zum Essen gibt’s an Hirsebrei.
Gröste Ameisen kommen da nei.
Sie ruft entzückt: ‚Oh, is des guat!
Weil des im Hois so kitzeln tuat.
Des is vielleicht ein Fraß, oh mei!‘

Zwei Monate später konnte er dann dem Kollegium von der ersten Post aus Afrika berichten:

‚Frau Hummel, die hat mir geschrieben
aus Ghana im tropischen Wald.
Vom Ÿquator, wohin Sie’s vertrieben
und statt Radio die Trommel erschallt.
Sie schreibt mir, ich solle euch grüßen
bei unsrer geselligen Zeit.
Sie würde mit uns gern genießen,
doch ist der Weg halt zu weit.‘

Und da dieser Kollegenabend auch zugleich Krakos Abschied bedeutete, sang er zum Schluß:

Des war des Krakos letzter Song.
Er ruft Euch zu nur noch: so long!
Jetzt sucht’s oan, der des weitermacht.
Ihr find’s scho oan, des war ja glacht,
denn i geh jetzt na in Pension (g).’Osterwünsche der Klasse 5b Krako meint unsere Sekretärinnen, Barbara Bergmann, Ingrid Bergmann und Ursula Finke (1995 ging Ursula Finke in Ruhestand und Gertraud Wimmer kam hinzu.) im Abschiedssong:

‚Das GRG werd‘ ich verlassen,
drei Grazien bleiben zurück.
Könnt Ihr es auch noch nicht fassen,
die Drei, die bringen Euch Glück.
Sie haben gelernt und probieret,
kennen sich nun überall aus.
Und läuft alles wie geschmieret,
so dankt dem Dreimäderlhaus.‘

Kollegium 1988

Das GRG (1900-1997)

Räume/Bedingungen

Bis heute fehlt der Schule jeglicher Rahmen für Feste. Am Anfang hatten Schulabschlußfeiern in der Jahnhalle und in den örtlichen Kinos stattgefunden. Später kamen dann die Turnhallen und der Sparkassensaal hinzu. Theater wird jetzt im Schulaufgabenraum gespielt, ‚wo noch der Schweiß und die Ÿngst der Schüler von den Schulaufgaben in der Luft liegen.‘ (Eberhard von Lochner) Es fehlt noch immer eine Aula. Die Lehren aus der Geschichte dieser Schule ziehen, heißt auch, eine große Spendenbewegung zur Schaffung einer eigenen Aula zu entfalten.
Bis es dahin kommt, müssen wir uns mit der Verschönerung im Kleinen zufriedengeben. Unser Sekretär, Otto Krakowitzer fand besonders bemerkenswert:’Bei uns da hängt so allerlei.
Auch Hundertwassers Malerei.
Es wird sogar noch angestrahlt,
was jener mit viel Müh gemalt.
Die meisten gehen nur vorbei.’Und die technische Ausstattung wurde verfeinert:

‚Herr Vogel sitzt vor lauter Freud
meist am Computer, des ist g’scheit.
Denn gäb es koan Computer ned,
wär dieses Leben leer und schnöd,
und was tät es sonst die ganze Zeit.An neuen Fernseher brauchen wir.
Oan, den man schiebt von Tür zu Tür.
Den braucht man nicht mal tragen,
die Lehrer sich nicht plagen,
die meisten sind deshalb dafür.Herr Kuhn und auch Herr Frielinghaus,
die war’n auf ein Keyboard aus.
Gekauft hab’n mir den Synthesizer,
das G’red um den wird allweil leiser,
so schmeißt man’s Geld zum Fenster naus.‘

Lehrergeschichten:

Verabschiedung von Dr. Josef Förg, rechts Helga Januschke

Im August 1992 wurde Dieter Zerlin (Deutsch, Geschichte, Erdkunde) neuer Schulleiter.
Zu seiner Begrüßung war Krako leider nicht mehr da, konnte nicht mehr singen.

Am Anfang stellte sich Herr Zerlin manchmal mit den Worten vor: „Ich heiße Zerlin wie die neue Bundeshauptstadt, nur mit Z“. Bei einer solchen Vorstellung soll ein Oberstufenschüler die Erkenntnis gehabt haben: „Ach so, Zonn!“ Seither hieß das Schulradio (gelegentliche Beschallung in den Pausen) ‚Radio Zonn‘.

Therese Risinger hat aus den bisherigen Epochen unserer Schule folgenden Wunsch für das GRG abgeleitet:

„Die humanitas und den Pioniergeist des Anfangs, der sich bemühte, neue Wege zu finden, den Geist der Bildungsbereitschaft und der nobilitas , wie er sich in der zweiten Epoche zeigt, dazu die Erfahrung und Anerkennung von echter auctoritas, vor allem aber wünschen wir unserer Schule, dass der Geist wahrer liberalitas weiterwachsen möge, der liberalitas, die den anderen in seiner Eigenart, in seinem Anderssein respektiert und ihm einen unkontrollierten Raum des Vertrauens zubilligt.“

Haben wir jetzt in der Zerlin-Ÿra diesen unkontrollierten Raum des Vertrauens? „Wie der Herr, so’s Gscherr“, hat Irmingard Dietrich, Lehrerin aus der Anfangsphase, ihm gesagt.

Kollegium 1992

Josef Haag gehörte bis 1994 30 Jahre lang dem Kollegium an. Die zutreffendste Darstellung seines Wirkens sieht er in einem Text von Martin Leiß aus der Abiturzeitung 1994 „Haags Lateingottesdienst“

Karikatur: Haag

Personen: 10 begnadete Jünger = Gemeinde, Pater Haag
Orgelvorspiel: DingDangDong
Begrüßung:

Pater: Salvete adulescentes!
Jünger: Salve Magister!
Pater: Oremus! Pater noster, qui es in coelis, iube animo tuo vehi de tabulis nostris … considamus!

Sündenbekenntnis:

Ein Jünger: Pater Haag, ich hab die Übersetzung nicht gekonnt! (Gemacht hat’s ja wohl jeder!)
Pater Haag: Woos! Dees geht fei neet! A bissl woos geht oiwai! (Der Pater wirft von der Sedile aus dem Kirchenportal einen mißbilligenden Blick zu (dort patzt wie immer verspätet Jünger Martin mit dem Jubelruf: „Schön, dass Frühling ist“ in die Zeremonie) wendet sich dann aber wieder dem eigentlichen Geschehen zu.)

Eingangspsalm (es spricht der Pater): Wer machts’n heit? A geh Andi, pack ma’s, mach ma’s freiwillig, gell?
Lesung: (Pater Haag im Wechselspiel mit freiwillig begnadetem Jünger Andi)
Zwischengesang (starker 5.Klaßweihrauchduft durchwabert den Raum):

Pater: Joo, Britta! Meine Nieren! Müß ma’s Fenster fei scho zumachn! Jüngerin Yvonne (verführerischer Augenaufschlag, dann): Können wir’s nicht noch ein wenig offen lassen?

Lesung (Vorbereiteter und unvorbereiteter Teil der Übersetzung):

Pater: Andi! Auf geht’s! Halleluja (Die Gemeinde singt das Halleluja: Jüngerin Dani flirtet heftig mit ihrem Chorgestühlnachbarn Peter, angeregt flüsternd tauschen Jünger Florian und Jüngerin Clodino geheime Botschaften aus, Jüngerin Britta ordnet ihre Frisur, Jüngerin Siggi dagegen ihre Unterlagen, Jüngerinnen Petra und Yvonne wirken konzentriert ins Gebet versunken.) Evangelium (Grammatische Sonderbeispiele und Fieseleien, oberstes Sinnstiftungsprinzip: problemlösendes Denken; heute: 1. Brief des Apostels Michael von Müffling an die oratio obliqua Kap. 13)

Fürbitten (langsam und wohlbetont vorgetragen von Jüngerin Clodino):

Hoffentlich braucht der Andi 90 Minuten!
Hoffentlich hört der Pater pünktlich auf!
Hoffentlich Pause!
Hoffentlich wenig Hausaufgaben!
Hoffentlich reicht meine Lektüre bis zum Ende der Doppelstunde!

Pater, wir bitten Dich, erbarme Dich!

Predigtteil

Kanzelgruß (Pater): So a Saustoi, sachsendi, sappralot nochamoi!
Antwort der Gemeinde: Stilles Gebet (Oh Gott Oh Gott!)
Ankündigung des Predigttextes (Pater): Habt’s gestern fernsehgschaugt? (es folgt eine an den jeweils aktuellen Tagesereignissen orientierte Predigt, die jedoch auch allgemeingültige Themenbereiche behandelt, mögliche Beispiele:

Hermannszeiten, in Bosnien gehts zua!
Gartentips: Die Brennesseln, die stinken fei, aber gut sans scho!
Gesundheitsratschläge
Reiseideen: Italien!
Lebensweisheiten: Schdooah!; Ja, die Mystik, die liegt genau auf meiner Linie!

Kanzelsegen (Pater): Aber mir vom Latein LK san koane Ja-Sager, gell?
Antwort der Gemeinde: Ja, Ja! Amen!

(Jüngerin Yvonne erfechtet an dieser Stelle eine kurze (!) Pause („Die andern LK’s machen das auch!“), diese dauert für 9 der 10 Jünger 2 Minuten, einer – meist Andi – bringt die Opfergabe und beschäftigt so den Pater während dieser Zeit. Pater: Andi, was meinstn Du dazu?)
(Dann: Der Pater hat seine Schäfchen vom Kreuzgang (auch Schulflur) wieder ins Kirchenschiff treiben können, er nimmt die Gedanken aus der Predigt wieder auf): Aber mir san scho beim Thema!
Gemeinde: Fenster auf! (Jüngerin Siggi und Jünger Martin lachen übermäßig laut an unpassender Stelle)
Pater (ungerührt): Andi, des Stückl schaff ma scho noch! (Man sieht Andi die Erleichterung an, hat er doch nur noch drei Ablative und einen mit AcI verschränkten Relativsatz vor sich.)

Schlußgebet (Durchsage): „KlopfKlopf!“

Pater: Naaa! Net jetzt!

Orgelnachspiel: DingDangDong

Pater (im Gegensatz zu seinen Jüngern mit ungebremster Energie): Ah, is scho Zeit?

Buße: Eine Seite Tacitus zur Präparation (Beim Verlassen des Kircheninneren wird an die 10 Jünger die Tageslosung verteilt: Schöngeising is scho schee, und auf Seychellen komm ich sowieso, wenn ich gstorben bin!)“

Ingrid Zimmermann bei ihrer Verabschiedung 1995

Pädagogik:

1990 wurde das neue Fach Ethik eingeführt.

‚Ich weiß schon, was soll es bedeuten,
Religionsaustritte nehmen zu.
So haben in nächsten Zeiten
Herr Goretzki und Herr Fahmüller Ruh.
Ein neues Fach tut sich auf,
dank von Lochners emsigem Fleiß.
Statt Relix steht Ethik dan drauf,
er wartet jetzt schon ganz heiß.‘

Als Krako bei seinem Abschied das letzte Vierteljahrhundert überblickte, sah er ein besonderes Problem:

‚Eine Schulordnung von fünfanzwanz’g Seiten,
mei, war des früher ein Glück.
Mit zweihundert muß man heut streiten,
Paragraphen hundertvierandreiß’g Stück.
Ein Zeugnispapierkrieg oh Graus
und Konferenzen in endloser Zahl.
Man kennt sich schon bald nicht mehr aus,
warum macht man den Lehrern die Qual?‘

1997: Den Lehrern und Lehrerinnen, die zur Zeit am Graf-Rasso- Gymnasium unterrichten, wurde möglichst ‚zwischen Tür und Angel‘ die folgende Frage gestellt: „Wenn du dein pädagogisches Leben überblickst, was war dir immer das Wichtigste? (Wenn Sie….Ihnen…?)“ Hier sind die spontanen Antworten:

Zerlin: „Durch den anderen zu denken, herauszufinden, was den anderen beschäftigt und ihn dazu anzuregen, jene gedanklichen Schritte zu vollziehen, die ihn ein Ziel erreichen lassen, das ich mit ihm gemeinsam im Auge habe“.
Seidl: „Sinnvolles Arbeiten in möglichst spannungsfreier Atmosphäre“
Hoehler: „Dass sich die Schüler einigermaßen wohlfühlen und Spaß haben.“
Andlauer: „Lust an der Freiheit und Verantwortung.“
Benker: „Fairness“
Birnstiel: „Dass die Schüler und ich Spaß am Lernen haben.“
Böhlau: „Ein offener Kontakt zu den Schülern, wo ihre eigenen Erfahrungen und Fragen im Vordergrund stehen.“
Decker: „Mich gut mit den Schülern verstehen.“
Monika Dörner (Latein, Englisch) 1995
Dörner: „Daß ich mit meinen Schülern gut zurechtkomme und denen was beibringe.“
Eisenhardt: „Liebet die Kinder“
Fahmüller: „Die Schüler zu Menschen zu erziehen, die der Wirklichkeit bewußt begegnen.“
Edgar Fahmüller
Fischbach: „Daß die Pädagogikvorlesung endlich vorbei ist und die Praxis jetzt endlich angefangen hat.“
Eberler: „Daß ich selbst Spaß daran habe.“
Eizinger: „Ich selber sein zu können, ohne in diese Lehrerrolle hineinschlüpfen zu müssen und damit die Atmosphäre zu schaffen, die entspanntes und konzentriertes Lernen möglich macht.“
Fenske: „Das Wichtigste ist ganz einfach, so erfolgreich zu arbeiten, dass ich meinen eigenen Kriterien gerecht werde, daß ich vor mir selber zufrieden bin.“
Gickler: „Daß die Schüler ein bißchen was lernen und Spaß haben und dass ich mit den Schülern auskomme.“
Greif: „Ehrlichkeit“
Gritsch: „Über das Fachliche hinaus Menschliches zu vermitteln.“
Leutner: „Sich nicht stressen lassen. Solang’s einen Kaffee gibt.“
Frielinghaus: „Ich schließe mich der Meinung des Herrn Leutner an.“
Graf: „Fairness und keine Brutalität“
Hammer: „Für mich steht die ganze Persönlichkeit des Schülers im Vordergrund.“
Hanak: „Eigentlich mit meinen Schülern gut auszukommen.“
Hawel: „Wenn ich jünger wär, hätt ich’s gewußt. Jetzt wechselt es ständig, von Schuljahr zu Schuljahr und von Klasse zu Klasse.“
Hummel: „Ehrlichkeit eigentlich.“
Januschke: „Im Grunde immer die zu fördern, die Schwierigkeiten haben. Im Sport ganz extrem sowieso. Da ist es mir nicht das Wichtigste, die Allerbesten rauszusuchen. Und in Englisch war es immer die Freude an der Kommunikation, am Englisch reden und Land und Leute kennenlernen, z.B. beim Austausch.“
Jung: „Bei den Schülern über die Freude am Fach Interesse für Lernen und Bildung zu erwecken, erzieherisch wirksam zu sein.“
Kamilli: “ Z.B. mit netten Kollegen zwischen Tür und Angel ins Gespräch zu kommen.“ Ein zweites Mal gefragt: „Positive, kreative Aufgeregtheit“

Kirndorfer: „Oh mei, dass die Kinder Spaß an der Stunde haben, dass jede Stunde mindestens 1 x gelacht wird. Es kann ruhig unabsichtlich sein. Dass die Kinder wissen, woran sie sind, dass die Kinder den Eindruck haben, dass der Lehrer nicht anders denkt als er redet.“
Knittler: „Ruhe und Gelassenheit“
Krause: „Die Schüler mögen.“
Kuhn: „Ich fühle mich in erster Linie als Musiker und ich möchte die Schüler so nah wie möglich an das alte Kulturgut heranführen und gleichzeitig emotional für die Musik und allgemein aufschließen.“
Kuscha: „Erziehung zu Fairness und Offenheit“
Körner: „Spaß an den Inhalten, an Phantasie, an Literatur und Geschichte a bisserl rüberbringen.“
v. Lochner: „Soviel Bildung wie möglich vermitteln“
Lohde: „Verständnis und Zuwendung für die Schüler und ihnen darüber den Stoff zu vermitteln.“
Meyr: „Die Beziehung zu den Schülern.“
Orth: „Die gesunde Mischung aus fachlicher Kompetenz und menschlicher Nähe und bei Letzterem mit Humor.“
Pache: „Das Gespräch mit den Eltern. Da erfährt man immer eine ganze Menge über den Hintergrund des jeweiligen Schülers.“
Reichenbach: „Freude an meinen Fächern“
Salcher: „Spaß am Sport für alle“
Schachtl: „Soll ich was ganz Hochtrabendes sagen? – Die Liebe.“
Scholz: „Dass die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich arbeite, mich verstehen.“
Strauß: „Einfach so der Umgang mit den Schülern und Förderung von Schülern ohne größere Rücksichten auf eigene Bedürfnisse oder die anderer außenstehender Personen.“
Wagner: „Dass der Unterricht in geregelten Bahnen verläuft, nach meinen Spielregeln.“
Bertram Wagner
Wankmüller: „Dass ich merke, dass die Schüler mich anerkennen.“
Zimmermann: „Dass ich über mich und andere lachen kann.“
Zinn: „Ich hoffe, ein Verhältnis zu den Schülern zu haben, dass sie mich und meinen Unterricht akzeptieren – und das Verhältnis zu den Kollegen ist mir wichtig.“
Logo Guido Zingerl: 50 Jahre GRG

Schülergeschichten:

Nach wie vor hält sich der Eindruck, dass die Schüler in Fürstenfeldbruck disziplinierter und ruhiger sind als in München. Lehrer, die ein Münchner Gymnasium erlebten, bevor sie an unsere Schule kamen, sind voll und ganz von der ruhigeren Atmosphäre an unserer Schule überzeugt. (z.B. Herr Seidl, Herr Schachtl, Frau Juraschek, Herr Kirndorfer)